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Was bitteschön ist „gefühlter“ Lärm?

über das Leben in der Nähe eines Steinbruchs

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Frank Oehl

Also, eine Männerfreundschaft ist das zwischen Roland Dantz und Paul Weiland derzeit wirklich nicht. Der Natursteinwerkechef ist sauer, weil der Kamenzer OB sich „vor den Karren der Steinbruchgegner“ im Ortsteil Bernbruch habe spannen lassen. Vor Gericht hätten beide Seiten viel Geld verloren, mit dem Ergebnis, dass nun doch der Nachtschichtbetrieb mit Steinbrecher und Bahnverladung starten könne. Das „Hornberger Schießen“ hätte man sich sparen können, meint Weiland.

Nun, da ist Dantz anderer Meinung. Wobei das Stadtoberhaupt auch jetzt noch sein Erstaunen über die unabhängige Lärmmessung des Steinbruchbetriebs in der Nacht vom 29. zum 30. August nicht verhehlen kann. Die Werte lagen sogar deutlich unter den Grenzwerten für die Belastung eines angrenzenden Wohngebietes. Der OB hält deshalb dem Unternehmer zugute, dass er sich zu einer weitergehenden Lärmreduzierung verpflichtet hat. Ob sie funktioniert, wird man sehen, wenn nach Ostern der genehmigte Nachschichtbetrieb startet.

Eines hat sich aber so oder so bewahrheitet: Wer in einer ruhigen Wohngegend lebt, reagiert durchaus sensibler auf Geräusche. Und das Recht auf eine weitgehend ungestörte Nachtruhe kann nicht hoch genug bewertet werden. Gerade „gefühlter“ Lärm ist ernst zu nehmen. Welcher denn sonst?Seite 10