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Was bringt Psychotherapie übers Internet?

Es gibt immer mehr Apps und Onlineangebote. Doch nicht alle sind empfehlenswert. Ein neues Verzeichnis bringt Klarheit.

Hilfe bei psychischen Krankheiten gibt es jetzt auch per App - manche zahlt sogar die Kasse.
Hilfe bei psychischen Krankheiten gibt es jetzt auch per App - manche zahlt sogar die Kasse. © Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)

Von Tom Nebe

Zunächst muss unterschieden werden, was eine Anwendung bezweckt. So gibt es Angebote zur Förderung der seelischen Gesundheit, die also Menschen dabei helfen sollen, psychisch im Gleichgewicht zu bleiben. Dann gibt es Programme, die Informationen zu bestimmten Erkrankungen vermitteln sowie Anwendungen zur Selbsthilfe, die etwa erkrankte Menschen dabei unterstützen, ihren Tag besser zu strukturieren. Schließlich gibt es internetbasierte Programme, die an der kognitiven Verhaltenstherapie ausgerichtet sind, diese können bei Patienten mit einer psychischen Erkrankung eingesetzt werden.

„Die meisten Programme gibt es für die Behandlung von Depressionen und Angststörungen“, sagt Iris Hauth von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Sie müssten bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und nachgewiesen wirksam sein. Ihre Fachgesellschaft hat sich an der Entwicklung von Kriterien für derartige Angebote beteiligt. Denn der Markt sei unübersichtlich.

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Kasse zahlt geprüfte Angebote

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) arbeitet an einem Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA. Bevor Apps und Onlineprogramme dort erscheinen, werden sie unter anderem auf Datenschutz, Funktionstauglichkeit und ihren tatsächlichen medizinischen Nutzen geprüft. Seit Mai können Hersteller ihre Produkte einreichen. Ab Ende August 2020 könnten erste Anwendungen aufgelistet sein, teilt das Bundesinstitut mit.

Sind Gesundheitsapps in dem BfArM-Verzeichnis gelistet, können Ärzte sie verschreiben und die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten. Das sei ein wichtiger erster Schritt in Richtung Transparenz und Qualität, sagt Iris Hauth.

Im Idealfall schützt das Register Betroffene vor Programmen, die ihren Zustand eher verschlechtern statt verbessern. „Es gibt einige Anwendungen, die eindeutig nicht von Fachleuten gemacht wurden: Da werden depressive Erkrankungen mit Reaktionen auf schwierige Lebensumstände verwechselt oder da wird wegen dem Gefühl der Erschöpfung mehr Schlaf empfohlen. Dabei ist das meist kontraproduktiv“, erklärt Professor Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe. Prinzipiell raten Fachleute zu professionell begleitenden Angeboten. Denn Studien zeigten, dass die im Vergleich am wirksamsten sind.

Wer psychische Probleme hat, sollte also immer einen Psychiater oder Psychotherapeuten konsultieren. Denn eine Diagnostik ersetzten die Anwendungen nicht, sagt Iris Hauth. Erst wenn die Diagnose feststehe, könne man Patienten ein unterstützendes Onlineangebot vorschlagen.

Schlimmstenfalls lebensgefährlich

Aus diesem Grund sieht Ulrich Hegerl unbegleitete Angebote bei schweren psychischen Erkrankungen kritisch. „Wenn jemand mit einer schweren Depression denkt, er könne sich dadurch selber helfen, kann das lebensgefährlich sein, wenn sich etwa suizidale Krisen entwickeln und die Anwendung das nicht erkennt.“ Solche Zuspitzungen zu bemerken, ist darum ein wichtiges Kriterium, das Apps mit therapeutischen Ansätzen erfüllen sollten.

Die Deutsche Depressionshilfe hat das kostenlose Onlineangebot iFightDepression mitentwickelt. Dieses Selbstmanagement-Tool für Menschen mit leichten Depressionen ist nicht unbegleitet zugänglich. Nur Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten, die eine Schulung zum Umgang mit dem Tool absolviert haben, können den Zugang herausgeben.

Natürlich setzen digitale Angebote eine gewisse Affinität zum Internet voraus, insofern sind sie nicht für jeden etwas. Zumal etwa Menschen, die sozial isoliert leben, besonders auf einen persönlichen Kontakt zum Therapeuten angewiesen sind.

Es gibt aber auch anders gelagerte Fälle. Wer sich schämt, zu einem Therapeuten zu gehen oder Angst davor hat, für den könnten E-Mental-Health-Anwendungen oder Videochats die Hemmschwelle entscheidend senken, erklärt Iris Hauth. Auch wer beruflich viel unterwegs ist oder an seinem Wohnort schlecht mit Fachpraxen versorgt ist, könnte davon profitieren.

Sind Apps also etwas zur Überbrückung für die mitunter monatelange Wartezeit auf einen Therapieplatz? Das sieht Ulrich Hegerl eher kritisch, zumindest bei mittelschweren bis schweren Depressionen: Einen depressiven Menschen könne das leicht überfordern und in eine noch größere Verzweiflung stürzen, sagt er. (dpa)

Hilfsangebote auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie.

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