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Was darf rund um Schloss Lützow gebaut werden?

Der Investor will zwei neue Häuser mit 21 Wohnungen. Der Heidenauer Stadtrat sagt Nein. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Verwunschen liegt die Villa Lützow inmitten eines großen Parks an der Pechhüttenstraße in Heidenau.
Verwunschen liegt die Villa Lützow inmitten eines großen Parks an der Pechhüttenstraße in Heidenau. © Foto: Daniel Schäfer

Uwe Herrmann ist ein Typ mit freundlichem süddeutschen Dialekt. Doch wenn er sauer ist, klingt das sehr böse. Und weil er auch Geschäftsmann ist, sagt er dann Worte wie „unverschämt“, „erstunken und erlogen“ und „unterste Schublade“. Was erzürnt den Chef des Immobilien-Unternehmens Ventar so?

Der Stadtrat Heidenau hat sein Einvernehmen zum Bau von zwei neuen Mehrfamilienhäusern an der Großsedlitzer Pechhüttenstraße unweit der Villa Lützow verweigert. Die Villa hat Ventar vor über zwei Jahren gekauft. Nun wollte Herrmann hier das machen, was er mit seiner Firma seit Jahren erfolgreich macht: Wohnungen bauen. Vorrangig in denkmalgeschützten Häusern. In Großsedlitz will Ventar nun nicht nur die historische Villa sanieren, sondern auch zwei Neubauten mit 21 Wohnungen errichten. Ein Gewächshaus, ein Wohnhaus und eine Garagenanlage sollen dafür abgerissen werden.

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Gegenwind von Parteifreunden

Passen die beiden Mahrfamilienhäuser ins Großsedlitzer Ortsbild oder passen sie nicht? Das war die Frage, die den Stadtrat spaltete und an der sich die Diskussion entfachte. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Mehrheit der Räte kritisieren, dass sich die beiden Häuser mit reichlich 34 und 27 Metern Länge nicht ins Umfeld einfügen. Solch eine Bebauung sei untypisch für die Umgebung, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Marion Franz (CDU). Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) sagte, er sei nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben, Art und Größe der Gebäude funktionierten so aber in Großsedlitz nicht.

Gegenwind bekamen Opitz und Franz ausgerechnet von ihrem Parteifreund Volker Bräunsdorf. Der kritisierte, dass der Bauherr nicht in die Ratssitzung eingeladen worden sei, um sein Projekt zu erläutern. Das sei wichtig für die Entscheidung. Opitz’ Antwort besänftige Bräunsdorf nicht, ganz im Gegenteil. Der Bürgermeister sagte, es solle nur das beurteilt werden, was schriftlich vorliege. Was wer wo erzähle, interessiere nicht. Daraufhin musste er sich von Bräunsdorf anhören: „Lieber Herr Bürgermeister, das halte ich nicht für korrekt.“ Man wolle sich als Stadtrat ein Bild machen, und bisher habe man dazu immer mit den Bauherren reden können. Zudem sei das eine sehr subjektive Sache, ob ein Vorhaben passe oder nicht.

Auch CDU-Fraktionschef Reno König aus Großsedlitz war die Ablehnung zu einfach. Der Bauherr müsse auf dem Grundstück Wohnhäuser errichten, um dann Geld in das Schloss stecken zu können, sagt König. „Das ist das Thema, und das Schloss wird nicht besser.“ Herrmann habe inzwischen auch den Bauantrag für das Schloss eingereicht. Hier sollen ebenfalls Wohnungen entstehen.

Landratsamt entscheidet

Es kommt selten vor, dass der Stadtrat ein Bauprojekt ablehnt. Für Herrmann ist deshalb das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bis Juli werde er alle Unterlagen an das Landratsamt einreichen. Das entscheidet letztlich über den Bauantrag und muss abwägen, ob der Bauherr die stichhaltigeren Argumente hat oder die Stadt. Ein Ergebnis könnte sein, dass Ventar die Pläne anpassen muss.

Ventar hat schon etliche Objekte in Heidenau und Dresden saniert. In Heidenau zum Beispiel den Dreiseithof auf der Lugturmstraße, das Gebäude des ehemaligen Erlichtmühlen-Gasthofes an der Mühlenstraße und das linke am Süd-Bahnhof. Inzwischen sei auch der Bauantrag für das Bahnhofsgebäude eingereicht, sagt Herrmann. „Wir zeigen seit Jahren, dass wir nicht nur reden, sondern machen“, sagt er.

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