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Dippoldiswalde

Was das Dorfleben im Erzgebirge ausmacht

Reichstädt erlebte in 700 Jahren Geschichte Katastrophen und große Feste. Aber darf man zu so einem Ort Dorf sagen?

Mit volkstümlicher Musik ging es in Reichstädt in die Festwoche.
Mit volkstümlicher Musik ging es in Reichstädt in die Festwoche. © Egbert Kamprath

Wir haben keine Angst, denn wir halten zusammen.“ Diese Zeile sang das Duo Tiffany und Juliane zum Auftakt des Festakts „700 Jahre Reichstädt“ im Niederen Gasthof. Die Reichstädter und ihre Gäste trugen an diesem Abend einmal zusammen, was das Dorfleben so lebenswert macht. Drei Punkte ragen heraus.

Das Vereinsleben bringt die Menschen in Kontakt

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Reichstädt ist mit rund 1 300 Einwohnern der drittgrößte Ortsteil von Dippoldiswalde. Anders als Schmiedeberg oder die Kernstadt ist es aber heute noch eindeutig als Dorf zu erkennen. „Früher durfte man Dorf nicht sagen. Es galt als etwas Minderes“, sagte die Landtagsvizepräsidentin Andrea Dombois (CDU). „Aber ich finde, dass ein Dorf etwas ganz Tolles ist.“ Wesentlich wird das Zusammenleben hier durch die Vereine geprägt. Dazu gehören viel Arbeit, viele Ideen, die es beispielsweise ermöglichen, dass Reichstädt jetzt bis 30. Juni zehn Tage lang feiert. Karsten Lemke, Chef des Organisationskomitees, sagte: „Ich hoffe, dass wir von der Dynamik und dem Schwung dieses Fests etwas in unser Vereinsleben mitnehmen können. Nichts wäre schlimmer, als wenn ohne Vereine jeder nur noch für sich alleine zuhause säße. Wir sind schließlich nicht in der Stadt!“ Reichstädt hat viele Vereine. Die könnten aber mehr junge Mitglieder gebrauchen.

Der Zusammenhalt gerade in schwierigen Zeiten ist stark

Reichstädt hat in seinen 700 Jahren Geschichte nicht nur Feste gefeiert. Peter Antoniewski, der Beigeordnete der Stadt Dippoldiswalde, erinnerte an die Jahre 2002 und 2013, als viele Einwohner Schäden durch Hochwasser erlitten, oder an die Gewitterzelle, die erst vor wenigen Tagen eine Schlammlawine ausgelöst hat. Aber in solchen Zeiten hat sich der Zusammenhalt bewährt. Die Arbeiten zum Wiederaufbau haben den Einwohnern Belastungen und Umleitungen gebracht. Aber 2020 werden sie abgeschlossen, versprach Antoniewski.

Engagierte Bürger nehmen auch andere mit

Einwohner, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, die verlässlich Aufgaben übernehmen und mit Ideen vorangehen, machen ein aktives Dorfleben aus. Da Reichstädt viele engagierte Bürger hat, wurden einige im Rahmen des Festakts geehrt. Die höchste Auszeichnung, welche die Stadt Dippoldiswalde vergibt, den geschnitzten Dippold, bekam Roland Kröhnert. Der 77-Jährige war lange Jahre Gemeinderat, Stadtrat, Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. Er hat sich engagiert für den Bau des Reichstädter Festplatzes und hat sich in schwierigen Zeiten für den Ort eingesetzt.

Die Dippold-Preisträger

Ortschaftsrat und Festkomitee ehrten weiter Helfried Lohse, Peter Kloth und Karsten Lemke. Helfried Lohse hat schon vor 25 Jahren das Ortsjubiläum organisiert, setzt sich vielfach für den Ort ein und arbeitete bis zur jetzigen Wahl im Stadtrat mit. Peter Kloth hat sich in vielen Funktionen für den Sport eingesetzt und kümmert sich darum, dass das mechanische Werk der Kirchturmuhr zuverlässig funktioniert. Aus ganz aktuellem Anlass bekam Karsten Lemke eine Ehrung für seine Vorbereitung des Jubiläums „700 Jahre Reichstädt“. Er verwies aber darauf, dass dieses Fest nicht ohne Unterstützung von vielen Anderen möglich wäre. An diesem Abend wurde deutlich, Reichstädt ist ein starkes Dorf mit aktivem Gemeinschaftsleben. Dazu darf man gerne Dorf sagen.

Reichstädt feiert 700 Jahre

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