merken
PLUS

Was das Hospiz bedeutet

Das Haus für Schwerkranke und Sterbende soll 2019 in Bischofswerda öffnen. Das Interesse in der Stadt am Projekt ist groß.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Voraussichtlich im August beginnen an der Fronfeste Abrissarbeiten für das in Bischofswerda geplante Hospiz. „Wir erwarten jeden Tag die Baugenehmigung“, sagte Stephan Wilinski, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen, auf einem Informationsabend am Freitag in Bischofswerda. Wenn im August mit dem Bau begonnen werden kann, soll die Einrichtung im zweiten Halbjahr 2019 eröffnet werden. Eigentlich sollte der Bau schon losgegangen sein. Aber es gibt Verzug. In der Fronfeste, dem ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt Bischofswerda, nisten Fledermäuse.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Seitdem die Pläne für ein Hospiz in Bischofswerda im August vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, ist das Interesse in der Stadt groß. Das zeigte auch die Informationsveranstaltung im Kirchgemeindehaus. Die Plätze reichten nicht aus, sodass noch zusätzliche Stühle in den Raum gebracht werden mussten. Stephan Wilinski und René Rixrath, Leiter des Hospizes Siloah in Herrnhut, informierten über die Hospizarbeit in Ostsachsen – und das Vorhaben in Bischofswerda.

Wie wird das Hospiz Bischofswerda verändern?

Das Haus mit zwölf stationären Plätzen für unheilbar kranke und sterbende Menschen werde positive Auswirkungen auf die Stadt haben, sagte Stephan Wilinski. Mit dem Hospiz werde in Bischofswerda ein neuer Teil der sozialen Versorgung angesiedelt. Das Klima in der Stadt werde sich verbessern. Man werde mit Schulen zusammenarbeiten, etwa im Ethikunterricht. Ein historisches Gebäude, das seit vielen Jahren leer steht, wird einer neuen Nutzung zugeführt, und es werden etwa 27 neue Arbeitsplätze geschaffen. Hinzu kommt die Bedeutung der Einrichtung als Wirtschaftsfaktor für die Stadt und das Umland, indem auch Dienstleister und Zulieferer profitieren.

Die Gesellschaft betreibt bereits seit mehreren Jahren ein Hospiz mit zwölf Plätzen in Herrnhut – bislang das einzige in Sachsen, das sich östlich von Dresden befindet. Es gibt Bedarf für ein zweites Hospiz – auch aufgrund von Anfragen aus den Regionen Kamenz und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. Damit verbinden sich zumeist weite Wege für die Angehörigen, denen man mit dem Standort Bischofswerda entgegenkommt. Für diesen Standort sprechen aus Sicht von Stephan Wilinski: die gute Erreichbarkeit von Bischofswerda mit Auto und Eisenbahn; die Präsenz der Diakonie in der Stadt, woraus sich Synergien, beispielsweise bei der Essensversorgung, ergeben können; das vorhandene Krankenhaus, mit dem jetzt ein Kooperationsvertrag abgeschlossen wurde sowie „die ausgesprochen freundliche und unterstützende Aufnahme durch die Stadt Bischofswerda“.

Warum favorisieren die Investoren keinen Neubau auf der grünen Wiese?

Fast fünf Millionen Euro, davon drei Millionen Eigenmittel und Kredite, will die Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen in Bischofswerdas Stadtzentrum investieren. Ein Neubau auf der grünen Wiese wäre bedeutend billiger. Er würde aber dem Konzept der Gesellschaft widersprechen: „Der Tod gehört zum Leben – und ein Hospiz dorthin, wo Leben ist: mitten in die Stadt“, sagt Stephan Wilinski.

Analog dem Herrnhuter Hospiz wird das Haus in Bischofswerda ein offenes Haus sein – mit Seminarraum und Sitz des ambulanten Hospizdienstes. Angehörige haben jederzeit – auch nachts – Zutritt zum Haus, können im Zimmer ihres Familienmitgliedes übernachten. Darüber hinaus wird es ein Gästezimmer geben – ein Angebot für Angehörige, die mitunter tagelang am Sterbebett eines nahen Verwandten sitzen, sich mal für eine Nacht zurückzuziehen und Kraft zu schöpfen, sagt René Rixrath. Übrigens, das Hospiz, das in Richtung Birkengasse durch einen Neubau entsteht, wird nur einen Eingang auf der dem Bad zugewandten Seite haben. „Jeder kommt durch diesen Eingang, und jeder geht durch diesen Eingang“, sagt der Leiter des Herrnhuter Hospizes.

Warum sind die Betreiber auf breite Unterstützung angewiesen?

In Herrnhut spricht man von Gästen des Hospizes. Weder ihnen noch ihren Angehörigen entstehen durch die Aufnahme Kosten. 95 Prozent der Aufwendungen finanzieren bei attestierter Pflegebedürftigkeit die Kranken- und Pflegekassen, fünf Prozent muss die Trägergesellschaft selbst aufbringen. „Ein Hospiz ist dauerhaft auf Spenden angewiesen“, sagt René Rixrath. Außerdem setzt man auf ehrenamtliches Engagement. In der Region Löbau-Zittau engagieren sich 88 Frauen und Männer in ihrer Freizeit für die Hospizarbeit, darunter 20 ausschließlich für das Haus Siloah. Sie halten beispielsweise Wache am Bett, betreuen die Gäste des Hauses, sprechen mit den Angehörigen. Um auf diese Aufgaben gut vorbereitet zu sein, wird jeder Ehrenamtliche 100 Stunden lang geschult.

Wann kann man sich für einen Arbeitsplatz bewerben?

Stellen, größtenteils in der Pflege, aber auch in der Hauswirtschaft, werden auf der Homepage der Gesellschaft sowie in Printmedien ausgeschrieben, sagt Geschäftsführer Stephan Wilinski. Noch sei es „etwas früh“ für Bewerbungen, wenngleich man keine Bewerbung zurückweisen werde. Da die Gesellschafter der Trägergesellschaft die Diakonien in Herrnhut und Bautzen sind, ist die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche wünschenswert.

www.hospiz-ostsachsen.de