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Schneller Draht zur Krankenkasse

In der Sonnen-Apotheke Bischofswerda wurde ein Gesundheitsterminal installiert. Die SZ testete den neuen Service.

Die Inhaberin der Sonnen-Apotheke Cordula Grüber (links) und ihre Mitarbeiterin Christin Marschner demonstrieren die Funktionsweise des Terminals. Auf dem Pult befindet sich ein großer Touch-Bildschirm – übersichtlich und leicht zu bedienen.
Die Inhaberin der Sonnen-Apotheke Cordula Grüber (links) und ihre Mitarbeiterin Christin Marschner demonstrieren die Funktionsweise des Terminals. Auf dem Pult befindet sich ein großer Touch-Bildschirm – übersichtlich und leicht zu bedienen. © Rocci Klein

Bischofswerda. Die Sonnen-Apotheke Bischofswerda bietet gesetzlich Krankenversicherten seit dieser Woche einen neuen Service: An einem Terminal können sie eigene Gesundheitsdaten von ihrer Versichertenkarte abrufen, Informationen weiterleiten oder auch einen Facharzt suchen. Es ist das 50. Gesundheitsterminal, das im Rahmen eines vom sächsischen Sozialministerium geförderten Projektes in Betrieb genommen wurde. Zur Übergabe am Dienstag kam deshalb auch Sozialministerium Barbara Klepsch (CDU) nach Bischofswerda. Sachsenweit sollen bis Ende 2020 225 dieser Terminals aufgestellt werden – gefördert mit 2,9 Millionen Euro durch den Freistaat. „Damit erleichtern wir insbesondere in ländlichen Gebieten den Alltag für Patienten und verbessern Abläufe im Gesundheitssystem“, erklärte die Ministerin. Wie funktioniert die Technik und was bringt sie den Patienten? Die SZ machte den Test.

Wie funktioniert das Gesundheitsterminal?

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Die Bedienung ist einfach und übersichtlich. Krankenkassenkarte einlesen und schon geht es los. Auf einem großen Display, ähnlich einem Pult, kann per Touchscreen, also dem Auftippen, ausgewählt werden, was man machen oder wissen möchte. Zum Beispiel die Suche eines Arztes. Unter der Bischofswerdaer Postleitzahl 01877 erscheinen 28 Einträge von Allgemeinmedizinern und Fachärzten. Versicherte können natürlich auch in anderen Städten suchen. Auch die Diagnosenummer, die der Arzt auf den Krankenschein schreibt, lassen sich am Terminal dechiffrieren. Gibt man sein Gewicht und seine Größe ein, rechnet das Terminal den Body-Mass-Index aus und sagt einem, ob man zu viel, zu wenig oder gerade richtig wiegt. Wem das Foto auf seiner Chipkarte nicht gefällt, lächelt in die integrierte Kamera und bekommt prompt ein neues Bild, das der Krankenkasse übermittelt wird. Bei einem Umzug kann man die Adresse auf der Chipkarte oder andere Daten ändern. Schließlich ist es möglich, den Krankenschein oder andere Dokumente ohne großen Aufwand direkt an die Krankenkasse oder an seinen Arbeitgeber zu schicken. Versicherte sparen so Zeit und Wege. Selbst unterschreiben ist auf sicherem Wege am Terminal möglich. Für die elektronisch versandten Belege gibt’s sogar eine Quittung.

Wer kann dieses Angebot nutzen?

Das volle Programm steht vorerst nur Versicherten von DAK und IKK classic zur Verfügung. Beide Krankenkassen beteiligen sich an dem Projekt. Weitere Krankenkassen sind ausdrücklich zur Mitarbeit eingeladen, sagt Cordula Grüber, die Inhaberin der Sonnen-Apotheke. Patienten können das mit beeinflussen. Auch wer nicht bei DAK oder IKK versichert ist, kann seine Versichertenkarte in das Gerät einführen. Auf Wunsch wird dann automatisch eine Mail an die betreffende Kasse gesandt, dass ihr Versicherter den Service nutzen wollte, es aber nicht im gewünschten Umfang konnte. – Angebote wie Arztsuche, das Übersetzen von Diagnosenummern und das Berechnen des Bodyindexes stehen aber allen Versicherten zu Verfügung, unabhängig von der Krankenkasse. Das Terminal kann zu den Öffnungszeiten der Apotheke genutzt werden – nicht nur durch Kunden, sondern durch alle Interessierten. Die Nutzung des Terminals ist für die Versicherten kostenfrei.

Warum beteiligt sich die Apothekerin an dem Projekt?

Cordula Grüber hatte sich im Februar für das Terminal beworben. Sie betont den Nutzen für die Patienten. Mit Blick auf die Digitalisierung aller Lebensbereiche sagt sie: „Wir müssen viel ändern, damit es so bleibt, wie es ist, nämlich damit wir den gewohnt hohen Standard in der Gesundheitsversorgung bewahren.“ Die Sonnen-Apotheke ist ein gut erreichbarer Gesundheitsdienstleister. „Mit einem umfangreichen Arzneimittelsortiment, eigener Herstellung, Beratung zu Naturmedizin und Inkontinenzversorgung von Pflegebedürftigen ist unser Angebot sehr breit aufgestellt. Hierzu passt die Ergänzung durch das Gesundheitsterminal, das unseren Kunden einen einfachen und direkten Zugang zu den digitalen Dienstleistungen ihrer Krankenkasse ermöglicht“, sagt die Apothekerin. Sie und ihre Mitarbeiterinnen hoffen, dass das Angebot gut genutzt wird. Und sie helfen gern, das Gerät zu bedienen.

Wie sicher sind die Daten der Versicherten?

Die Datenübertragung ist hochsicher, sagen das Sozialministerium und die beteiligten Krankenkassen. Daten werden direkt und verschlüsselt weiter gegeben. Man braucht keine App runterladen, keine Zusatzgeräte oder sonst welche Kenntnisse. Mit dem Terminal sollen auch Menschen angesprochen werden, die nicht affin hinsichtlich der neuen Medien sind. Hinzu kommt: Die Selbstbestimmung der Patienten wird gestärkt. Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes: „Die sektorenübergreifende, digitalisierte Gesundheitsversorgung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Folglich müssen auch für Patienten Lösungen geschaffen werden, die ihnen zum Beispiel eine selbstbestimmte Einsicht in ihre Gesundheitsdaten ermöglichen, ohne technischen Mehraufwand oder die Unterstützung Dritter.“

In welchen weiteren Apotheken der Region gibt es Gesundheitsterminals?

Die Sonnen-Apotheke Bischofswerda ist die vierte Apotheke im Landkreis Bautzen, die Versicherten diesen Service bieten kann. Gesundheitsterminals gibt es auch in der Apotheke am Forst in Kamenz, der Hirsch Apotheke Weißenberg und der Marienapotheke Schirgiswalde. Darüber hinaus verfügen auch die Servicecenter der DAK in Bautzen und Hoyerswerda über diese Technik. Dort wurde sie jedoch außerhalb des Förderprogrammes angeschafft, teilte das Dresdner Sozialministerium mit.

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