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Pirna

Was die Hitze mit uns macht

Schüler freuen sich über Freizeit, wer arbeiten muss, stöhnt unter den Temperaturen. Sorge gibt es um die Wälder.

Endlich Erfrischung: Natalie aus Bad Gottleuba und Paul aus Leupoldishain genießen den Sommer im Billy-Bad in Berggießhübel.
Endlich Erfrischung: Natalie aus Bad Gottleuba und Paul aus Leupoldishain genießen den Sommer im Billy-Bad in Berggießhübel. © Norbert Millauer

Bis zu 37 Grad Celsius im Schatten – und kein Regen in Sicht. Meteorologen sagen für Mittwoch den bisher wärmsten Tag des Jahres voraus. Wer kann, sucht Abkühlung im Freibad oder ein schattiges Plätzchen im Wald. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. So sieht die Situation derzeit in der Sächsischen Schweiz aus:

Die Elbe ist zu trocken, Dampfschiffe fahren aber noch

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So wenig Wasser wie im vergangenen Sommer führt die Elbe zwar nicht. Damals reichte es gerade mal so für 45 Zentimeter – normal sind etwa 1,70 Meter. Mit einem Pegel von 81 Zentimetern hatte der Fluss am Montag dennoch zu wenig Wasser. Angaben der Dampfschifffahrt zufolge können jedoch alle Ausflugsdampfer und Salonschiffe noch verkehren. Große Sprünge nach oben sind laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in den kommenden Tagen nicht zu erwarten. Allerdings soll der Pegel auch nicht dramatisch fallen.

Verkürzter Unterricht in den Schulen

Die Schulen reagieren auf die extreme Hitze. Im Herdergymnasium Pirna findet verkürzter Unterricht statt, sagt Schulleiterin Marion Paßmann. Statt 90 Minuten im Block wird lediglich 60 Minuten unterrichtet. So können alle Fächer stattfinden. Das Problem des Schulgebäudes seien die Räume. „Je weiter man nach oben kommt, umso unerträglicher wird es. Auch morgendliches Lüften bringt keine Linderung“, sagt Paßmann. Ähnlich läuft es am evangelischen Schulzentrum Pirna. Auch hier werden die Stunden von 45 Minuten auf eine halbe Stunde verkürzt. „Auch die Sportlehrer nehmen Rücksicht auf die Hitzewelle. Dauerlauf steht nicht auf dem Plan“, sagt eine Schulmitarbeiterin. In der Grundschule Sonnenstein werden die Mädchen und Jungen nach dem sogenannten Sommerplan unterrichtet. Das heißt, bis neun Uhr findet normaler Unterricht statt. Danach dauert eine Unterrichtsstunde nur noch 30 Minuten. Spätestens ab 12.10 Uhr ist für Die Schüler Schluss, dann übernehmen die Horte. „Wir bieten extra viel zu trinken an“, erklärt Schulleiterin Kerstin Götze.

Waldbrandgefahrenstufe vier prognostiziert

Zu Beginn der Woche galt für den gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Waldbrandgefahrenstufe drei auf der Gefahrenskala von eins bis fünf. „Wir sprechen aktuell von einer mittleren Gefahr“, ordnet Kerstin Rödiger ein. Sie ist Sprecherin des Forstbezirks Neustadt, der für die Wälder in der Sächsischen Schweiz zuständig ist. Am Mittwoch werde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Warnstufe vier ausgegeben. Zwar gibt es auch dann noch kein Verbot, den Wald zu betreten, aber Spaziergänger und Wanderer sollten angesichts der angespannten Situation besonders vorsichtig sein.

Kerstin Rödiger bittet ausdrücklich darum, die Zufahrten für die Rettungsfahrzeuge nicht zuzuparken. Autos sollten nur auf festem Untergrund abgestellt werden. „Stehen sie auf einer Wiese, besteht Gefahr, dass durch die heiße Bodenplatte ein Feuer entfacht wird“, erläutert die Sprecherin. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass Müll niemals in den Wald gehört. „Wer jetzt eine Glasflasche wegwirft, riskiert wegen der Brennglaswirkung leichtfertig einen Waldbrand“, warnt sie. Generell gilt Rauch- und Feuerverbot im Wald. Nur an einigen zugelassenen Feuerstellen, wie zum Beispiel am Taubenteich bei Cunnersdorf, darf ein Lagerfeuer entfacht werden. „Bei Warnstufe vier ist allerdings auch das dann untersagt“, informiert Kerstin Rödiger.

Im vergangenen Jahr verhängten die Behörden wegen der großen Trockenheit ein zeitweises nächtliches Betretungsverbot für die Wälder der Sächsischen Schweiz. Dies könne bei länger anhaltender Hitze auch in diesem Sommer wieder in Kraft treten. Für Wanderer empfehlen Sachsenforst und die Feuerwehren die mobile App „Waldbrandgefahr Sachsen“. Sie kann kostenlos in den gängigen App-Stores heruntergeladen werden.

Kübelpflanzen sind besonders durstig

Nicht nur Mensch und Tier müssen bei diesen Temperaturen viel trinken. Auch die Flora ist durstig. Deshalb werden Kübelpflanzen und frischgepflanzte Beete in Grünanlagen, unter anderem im Friedenspark, derzeit besonders intensiv gegossen“, teilt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel auf SZ-Nachfrage mit. Dabei hat die Stadtverwaltung bereits früher auf den Klimawandel reagiert und an einigen Plätzen auf mediterrane Bepflanzung umgestellt. So wurden an der Ecke Siegfried-Rädel-Straße/Robert-Koch-Straße wassergenügsame Gräser angepflanzt.

Klinikum rät, viel zu trinken und körperliche Anstrengungen zu meiden

Wegen Austrocknung mussten in den vergangenen Tagen fünf Patienten in der Notaufnahme des Pirnaer Klinikums behandelt werden. „Es waren vorrangig ältere Menschen“, sagt Prof. Dr. Steffen Schön, Ärztlicher Direktor. Grundsätzlich sollte man sich bei diesen heißen Temperaturen nicht körperlich schwer betätigen bzw. seine Aktivitäten gut planen, rät der Mediziner. Steht beispielsweise Wandern auf dem Programm, sollte man eine Route wählen, bei der man möglichst im Schatten unterwegs ist, am besten auch am frühen Morgen, wenn es noch nicht so heiß ist. Zudem sei Trinken bei solchen Temperaturen das A und O. Bei der Auswahl der Getränke kann ruhig auch auf Saftschorle oder Sportgetränke zurückgegriffen werden, denn beim Schwitzen verliere der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Natrium. „Fehlt das, kann es zu Schwindel- oder Benommenheitsgefühlen kommen“, erklärt der Arzt. Kinder, Schwangere und ältere Personen müssten besonders darauf achten, keine großen Anstrengungen zu unternehmen und sollten sich möglichst im Schatten aufhalten. Gleiches gelte aber auch für Personen, die bekannte Störungen der Hitzeanpassung haben oder an Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen leiden. Die Feuerwehren warnen nochmals in diesem Zusammenhang eindringlich, weder Menschen noch Tiere in abgestellten Fahrzeugen einzuschließen, auch nicht für einen kurzen Zeitraum.

Andrang in den Bädern, Abkühlung in der Klamm

Die Hitze treibt die Menschen in die Bäder. Das Sebnitzer Kräutervitalbad öffnet diese Woche bereits täglich ab 12 Uhr mittags und regiert damit auf den verkürzten Unterricht an den Schulen. Im Schnitt 200 Besucher pro Wochentag suchen Abkühlung im Freibad, sagt Tina Meinert vom Stadtmarketing. Und Baden macht hungrig – zwölf Kilo Pommes pro Tag gehen im Bad-Bistro über den Tresen. Wem der Trubel im Freibad zu viel ist, für den Tina Meinert noch einen anderen Tipp: An der Oberen Schleuse in der Kirnitzschklamm bei Hinterhermsdorf ist es immer um einige Grad kühler als in der Umgebung.

Die Wetteraussichten: Es wird zunächst etwas kühler

Für Mittwoch sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) Temperaturen bis zu 37 Grad voraus. In der Nacht zum Donnerstag kommt dann immerhin eine Kaltfront rein, die etwas Abkühlung bringt. „Wir erwarten am Donnerstag Tageshöchsttemperaturen um die 27 Grad“, sagt DWD-Mitarbeiter Jens Oehmichen in Leipzig. Am Sonntag kann es dann noch mal bei bis zu 35 Grad richtig heiß werden. Tags darauf bestehe für die Region eine partielle Schauer- und Gewittergefahr. Erst im Laufe der kommenden Woche werden sich die Temperaturen vermutlich auf 25 Grad tagsüber einpendeln. (SZ/rok/dis, hui)

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