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Riesa

Was die Touristen zum Elberadweg sagen

Täglich sind in Riesa und Umgebung Radfahrer auf der Strecke unterwegs. Die SZ hat gefragt, was ihnen wichtig ist.

Endstation Eiscafé: Aline und Sven Legler waren zwei Tage lang auf dem Elberadweg unterwegs. Mit der Tour von Schöna nach Riesa waren die Leipziger weitgehend zufrieden. Nur eine Umleitung hätte besser ausgeschildert sein können, sagen sie.
Endstation Eiscafé: Aline und Sven Legler waren zwei Tage lang auf dem Elberadweg unterwegs. Mit der Tour von Schöna nach Riesa waren die Leipziger weitgehend zufrieden. Nur eine Umleitung hätte besser ausgeschildert sein können, sagen sie. © Klaus-Dieter Brühl

Region Riesa. Den Zug zurück nach Leipzig haben sie verpasst, nun heißt es eben abwarten – und Eis schlecken. Zwei Tage lang waren Aline und Sven Legler auf dem Elberadweg unterwegs. „Gestartet sind wir in Schöna, eine Übernachtung in Dresden war dabei“, erzählt sie. Dass sie den Zug verpasst haben, macht ihnen augenscheinlich wenig aus. Entspannt sitzen die beiden im Café Roma vor Eisbecher und Cappuccino.

Die beiden Leipziger sind zwei der geschätzt fast 300 000 Radtouristen, die jährlich auf dem Elberadweg unterwegs sind. Genaue Zahlen gibt es nicht, erklärt Mandy Krebs. Sie ist als Projektkoordinatorin für den Abschnitt des Radwegs zuständig, in dem sich auch die Riesaer Region befindet. Jahrelang gewann die Strecke entlang der Elbe die Abstimmung zum beliebtesten Radweg Deutschlands. 

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2018 war das erstmals anders, der Weserradweg schob sich vorbei. Die Aussagekraft einer Online-Abstimmung mag gering sein. Aber Mandy Krebs sieht das als Chance und Ansporn, „Infrastruktur und Qualität“ zu verbessern. Nur, worauf kommt es den Radfahrern eigentlich an? Aline und Sven Legler jedenfalls sind ganz zufrieden mit ihrer Tour rechts der Elbe. „Nur ein kleines Teilstück vor Riesa hätte besser sein können“, sagt Aline Legler. „Das war eigentlich kein richtiger Radweg. Und wenn die Umleitung kurz vor Riesa vorher angesagt gewesen wäre, das wäre schön gewesen.“

Vor allem das Thema Beschilderung taucht bei vielen Radtouristen auf, sagt Mandy Krebs. Das hat eine nichtrepräsentative Umfrage im vergangenen Jahr ergeben. 42 Prozent der Befragten wünschten sich dabei eine bessere Beschilderung. In Riesa ist die schon seit Jahren Thema. Sie bleibt ein Sorgenkind. Das Problem ist dort die komplizierte Wegführung an der Elbbrücke. Die verständlich zu erklären, ist offenbar eine große Herausforderung. Auch in diesem Jahr sind des Öfteren auswärtige Radfahrer zu sehen, die rätseln, wie es weitergeht. Am besten wäre da eine komplett geänderte Verkehrsführung an der Brücke.

Die Streckenführung wiederum ist auch ein großes Thema. Simone Perl stört, dass Radtouristen im Altkreis Riesa gleich mehrmals Straßen queren oder teils auch auf diesen fahren müssen. „Kurz vor Strehla waren wir zwischen Schirmenitz und Paußnitz sogar auf einer Bundesstraße unterwegs“, so die Hamburgerin, die mit ihrem Mann in die Sächsische Schweiz unterwegs ist. „Wenn selbst ich mich da schon unsicher gefühlt habe, wie soll es dann erst Eltern gehen, die mit ihren Kindern unterwegs sind?“ Abschnitte wie der zwischen Riesa und Zehren, auf denen man großteils fern vom Straßenverkehr unterwegs ist, wären ihr da lieber, meint Simone Perl. „Schließlich soll so eine Fahrradtour auch durch Stellen in der Natur führen, die man mit dem Auto nicht erreicht.“

Das touristische Angebot in Riesa findet die 44-Jährige ausreichend. „In der Innenstadt gibt es ja ein paar Eisdielen und Gaststätten, in denen man mal verschnaufen kann“, so Simone Perl. „Mehr braucht man als Fahrradtourist doch auch nicht.“ Und wenn man doch etwas sehen wolle, müsse man sich eben vorher informieren und dann Nudelcenter, Riesenhügel oder Rathausplatz ansteuern.

Markus Löwe und seine Ehefrau Petra sind bereits seit zwei Jahrzehnten regelmäßig auf dem Radweg zwischen Hamburg und Dresden unterwegs. „Wir haben das damals mit der Vision angefangen, die Entwicklung der einzelnen Regionen mitzuverfolgen“, erzählt Markus Löwe. „Seither geht es in dem einen Jahr von Magdeburg nach Hamburg und in dem anderen dann von Magdeburg nach Dresden.“ Regelmäßig ist das Paar deshalb auch im Altkreis Riesa unterwegs. „Aber hier tut sich eigentlich nur rechtselbisch etwas“, meint Markus Löwe. 

Er spielt damit vor allem auf die vielen Baumaßnahmen der Landestalsperrenverwaltung an. Die lässt seit einiger Zeit den Abschnitt zwischen Promnitz und Moritz sanieren. Und auch in Nünchritz soll bald gebaut und die Lücke unterhalb des Wacker-Werkes geschlossen werden. „Eine gute Sache“, meint Löwe. „Umso weniger Streckenabschnitte an der Straße liegen, desto wohler fühlen sich die Radtouristen.“

Rein baulich könnte sich auch linkselbisch in den kommenden Jahren endlich etwas tun. Dann nämlich, wenn die Stadt tatsächlich das Gelände vor dem ehemaligen Muskator-Werk kaufen und die Radweg-Lücke schließen kann. Allerdings sagt Mandy Krebs auch: „Im Fall Riesa ist der Radweg auch nicht so weit ab vom Schuss. Beschwert hat sich bei uns noch keiner.“ Zumal mancher Radtourist auch gerne das Naturerlebnis mit städtischen Sehenswürdigkeiten kombiniere. So sehen das auch die Leglers aus Leipzig. Der kleine Abstecher über die Hauptstraße hat sie nicht gestört, sagt Aline Legler. Im Gegenteil. „So sieht man auch mal was von Riesa.“

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