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Pirna

Was drängt in Reinhardtsdorf-Schöna?

Viele Kinder, viele Vereine. Um das zu erhalten, muss der Gemeinderat auch nach der Wahl etwas bieten.

Reinhardtsdorf von oben: Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt.
Reinhardtsdorf von oben: Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. © Dirk Zschiedrich

Es ist einiges entstanden in Reinhardtsdorf-Schöna in den vergangenen fünf Jahren.

 Mit dem Anbau für die Kindertagesstätte und dem neuen Kunstrasenplatz hat die Gemeinde zwei Bauprojekte im sechsstelligen Euro-Bereich umgesetzt – beachtlich für eine Kommune, die mit ihren drei Ortsteilen Reinhardtsdorf, Schöna und Kleingießhübel insgesamt nur rund 1 350 Einwohner zählt.

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Die Bauprojekte stehen zugleich auch beispielhaft für das, was läuft in Reinhardtsdorf-Schöna: An der Kita musste angebaut werden, weil nicht mehr genügend Platz war für alle Kinder. Um ausreichend Nachwuchs muss sich die Gemeinde ganz am Rande der Sächsischen Schweiz also derzeit wenig Sorgen machen. Der neue Kunstrasenplatz verweist auf das rege Vereinsleben im Ort, allen voran die SG Traktor Reinhardtsdorf mit ihren knapp zweihundert Mitgliedern, gefolgt vom Karnevalsclub, dem Schifferverein, den Feuerwehren und einer Handvoll weiteren Vereinigungen.

Geschafft: 2017 wurde der neue Kunstrasenplatz eingeweiht.
Geschafft: 2017 wurde der neue Kunstrasenplatz eingeweiht. © Dirk Zschiedrich

In den kommenden fünf Jahren gehe es also vor allem darum, das Geschaffene zu erhalten, sagt Henryk Schultz, Spitzenkandidat der Wählervereinigung 94 auf die Frage nach den Zielen für die Zeit nach der Wahl am 26. Mai. „Gebaut ist schnell“, sagt Schultz, hauptberuflich Chef der Agrargenossenschaft „Oberes Elbtal“ und Vorsitzender des Regionalbauernverbandes. Jetzt gehe es darum, die Anlagen in Schuss zu halten. In absehbarer Zeit stehen zum Beispiel Sanierungsarbeiten am Sport- und Freizeittreff an, dem Dreh- und Angelpunkt des Vereinslebens der Gemeinde. Hierfür möchte er sich für eine ausreichende Finanzierung einsetzen.

Dazu müssen die Reinhardtsdorfer im Rathaus von Bad Schandau Druck machen, dem großen Partner in der Verwaltungsgemeinschaft. Reinhardtsdorf-Schöna steht derzeit das dritte Jahr in Folge ohne Haushalt da, weil die zuständige Kämmerei in Bad Schandau überlastet ist, aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Umstellung auf das neue System der Doppik. Das heißt nicht, dass kein Geld da wäre, aber eine ordentliche Finanzplanung ist ohne Haushalt kaum möglich.

Was das Ausweisen neuer Baugebiete angeht, gibt es auch innerhalb der Wählervereinigung 94 – bislang stärkste Fraktion im Gemeinderat – unterschiedliche Auffasssungen. Der Platz für Eigenheime wäre rings um den Freizeitreff vorhanden, das Gelände ist jedoch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Mit einem Bebauungsplan und den entsprechenden Genehmigungen ließe sich das ändern, der Aufwand und die Kosten wären jedoch hoch.

Ebenfalls geschafft: Ein neuer Anbau für die Kita.
Ebenfalls geschafft: Ein neuer Anbau für die Kita. © Dirk Zschiedrich

Karla Chromik, die erneut für die konkurrierende Wählervereinigung 2009 antritt, sieht Reinhardtsdorf-Schöna unter Verweis auf Kita, Sportplatz und Vereinsleben ebenfalls auf einem guten Weg. „Wir wollen daran arbeiten, dass die Gemeinde eine gewisse Eigenständigkeit behält“, sagt sie, auch wenn die Finanzen da Grenzen setzen. Vor allem der Tourismus sei wichtig und solle weiterhin gefördert werden.

Kämpferisch gibt sich hingegen Ernst Fink. Der 81-Jährige saß zuletzt für die Wählervereinigung 2009 im Gemeinderat, gab seinen Sitz aber dann ab, um Deutschunterricht für Flüchtlinge zu geben. Jetzt tritt der frühere Lehrer für die Partei Die Linke an. Die Hauptstraße in Reinhardtsdorf muss dringend weiter saniert werden, sagt Fink. Und auch für das geschlossene Waldbad müsse man eine Lösung finden, etwa als freie Badestelle. Zudem will auch er sich für den Erhalt der vielfältigen Vereinslandschaft einsetzen.

NPD wieder stärkste Kraft?

Es ist noch nicht lange her, da machte Reinhardtsdorf-Schöna bundesweit als NPD-Hochburg Schlagzeilen. Bei der Landtagswahl 2004 wählte hier beinahe jeder Vierte (23,1 Prozent) die rechtsextreme Partei. Zehn Jahre später, bei der Kommunalwahl 2014, waren es 20,5 Prozent – jeweils die höchsten Werte für die Rechtsextremen in Sachsen. Schon allein deshalb werden die Augen auch bei der kommenden Wahl am 26. Mai wieder auf die Gemeinde am Rande der Sächsischen Schweiz gerichtet sein.

Ob die im Sinkflug befindliche NPD ihre vergangenen Erfolge wiederholen kann, dürfte spannend werden. Ihr Zugpferd in Reinhardtsdorf-Schöna, der in der Gemeinde bekannte Klempnermeister Michael Jacobi, tritt nicht noch einmal an. Für die NPD kandidieren sein Sohn Matthias Jacobi, der schon bisher im Gemeinderat sitzt, sowie Mario Viehrig. Viehrig war bis 2014 ebenfalls Ratsmitglied, erhielt aber bei der damaligen Kommunalwahl nicht mehr genügend Stimmen.

Insgesamt sind im Gemeinderat von Reinhardtsdorf-Schöna zwölf Sitze zu vergeben. Aktuell hat die Wählervereinigung 94 mit acht Sitzen die Mehrheit. Neben langjährigen Ratsmitgliedern wie Uwe Hering oder Gunter Johne konnte sie mit Martin Schmidtchen, Tina Honnes und Tanja-Tamara Sekinger gleich drei junge Leute Jahrgang 1989 gewinnen.

Die konkurrierende Wählervereinigung 2009 hat bisher zwei Sitze. Hier tritt Karla Chromik erneut an. Ernst Fink geht für die Partei Die Linke ins Rennen. (SZ/dis)

Die Kandidaten

Wählervereinigung 94: Henryk Schultz, Andreas Steffen, Andreas Heine, Uwe Hering, Gunter Johne, Felix Zimmermann, Martin Schmidtchen, Sebastian Büchner, Tina Honnes, Thomas Hering, Tanja-Tamara Sekinger, Maik Mehnert, Stefan Rehschuh

Wählervereinigung 2009:
Karla Chromik, Kerstin Kretzschmar, Roland Kriesch

Die Linke: Ernst Fink

NPD: Mario Viehrig, Matthias Jacobi

Quelle: Stadt Bad Schandau