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Was Dresdens Handballern der Härtetest bringt

Im Testspiel unterliegt der HC Elbflorenz dem Erstligisten aus Leipzig. Doch wichtiger als das Ergebnis sind die Erkenntnisse.

So packen Erstligisten zu: Dresdens Neuzugang Mindaugas Dumcius muss sich gleich gegen zwei Leipziger erwehren.
So packen Erstligisten zu: Dresdens Neuzugang Mindaugas Dumcius muss sich gleich gegen zwei Leipziger erwehren. © Lutz Hentschel

Zumindest in einer Hinsicht kann die Saison eigentlich schon losgehen. Den Handballern des Zweitligisten HC Elbflorenz schauten beim ersten und einzigen Testspiel in der heimischen Ballsport-Arena erstaunliche 1 284 Zuschauer auf die Finger – bei eigentlich optimalem Grillwetter. Das mag einerseits am hochkarätigen Kontrahenten gelegen haben. Den einzigen sächsischen Erstligisten SC DHfK Leipzig haben auch die Dresdner nicht allzu oft zu Gast. Andererseits ist das ein erneutes deutliches Signal, dass der HC Elbflorenz vor dem dritten Zweitligajahr der Vereinsgeschichte angekommen ist in der Wahrnehmung der sportinteressierten Dresdner.

„Als ich den Wetterbericht gesehen habe, hatte ich ein bisschen Sorge. Es hat mich gefreut, dass uns so viele Leute sehen wollten – natürlich auch den SC DHfK“, betonte der Dresdner Trainer Rico Göde nach der am Ende doch recht knappen 37:41-Niederlage gegen die Messestädter. Zur Pause hatte es 17:24 gestanden. Die Gäste beschäftigen mit Jung-Nationalspieler Franz Semper einen der derzeit begehrtesten Rückraum-Linkshänder im deutschen Handball. Der 22-jährige Bornaer wird 2020 zum amtierenden deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt wechseln.

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Julius Dierberg präsentiert sich überaus treffsicher – elf Mal zappelt der Ball nach seinen Würfen im Netz des SC DHfK Leipzig.
Julius Dierberg präsentiert sich überaus treffsicher – elf Mal zappelt der Ball nach seinen Würfen im Netz des SC DHfK Leipzig. © Lutz Hentschel

Solche Vorbereitungspartien gegen vermeintlich übermächtige Gegner müssen nicht unbedingt nur gute Laune machen. Doch den Spaßfaktor drehten die Hausherren in der zweiten Hälfte deutlich nach oben – die haben die Dresdner nämlich mit 20:17 für sich entschieden. Großen Anteil daran hatte Linksaußen Julius Dierberg. Der 26-Jährige erzielte elf Treffer – fünf davon per Siebenmeter. „Auch gegen Leipzig und einen Bundesligisten sind 41 Gegentore einfach viel zu viel“, haderte Dierberg zunächst trotzdem mit dem Ergebnis.

Doch es folgte das positive Fazit: „Dass wir 37 Tore werfen, ist aber sehr erfreulich. Wir haben es auch gut gespielt – teilweise. Gegen einen Bundesligisten in diesem Ausmaß zu treffen, ist ganz schön. Aber ich weiß, dass das nur ein Testspiel war. Mir wäre es lieber, wenn ich der Mannschaft in den Pflichtspielen mit Toren helfen kann“, sagte Dierberg bescheiden und ergänzt: „Wir hatten Phasen, in denen wir den Faden verlieren. Aber man hat gesehen, wozu wir in der Lage sind.“ Zu ansehnlichem und temporeichem Angriffshandball.

Darauf hat Rico Göde in den ersten Trainingstagen unverkennbar den Schwerpunkt gesetzt. „Was mir gefallen hat, war das Tempo, das wir die gesamte Partie über entwickeln und mitgehen konnten“, analysierte der 37-Jährige. Dass im Defensivbereich noch sehr, sehr viel zu tun ist, war ebenfalls nicht zu übersehen. „Wir haben da zu einfach Sachen zugelassen. Damit bin weder ich zufrieden, noch mein Kollege André Haber auf der Gegenseite. Der bekommt sicher auch nicht gern 37 Gegentore“, sagte Göde. „Das war genauso, wie ich es mir vorgestellt habe“, erklärte André Haber zum Tempohandball auf beiden Seiten. „Zum Schluss fielen viele Tore, was an unserem Tempo und Dresdens gutem Dagegenhalten gelegen hat“, lobte der DHfK-Coach den unterklassigen Testgegner.

Der HC Elbflorenz hat nach nunmehr drei Testspielen einige Erkenntnisse gesammelt, auf die Rico Göde in den nächsten Tagen aufbauen kann. „Eine Stammformation wird es so nicht geben. Aber wir werden jetzt in den verbleibenden Vorbereitungspartien nicht mehr so viel durchwechseln. Es wird sich sicher schon etwas herauskristallisieren“, sagte der gebürtige Dresdner, ohne sich detailliert zu äußern. Die Bilanz der drei Tests gegen Drittligist Dessau (30:30), Zweitliga-Rivale Aue (29:26) und eben gegen Leipzig fällt damit nicht unerwartet relativ durchwachsen aus. „In der kurzen Zeit haben wir noch nicht alles umgesetzt, was wir bis zum Saisonstart sehen wollen“, meinte der HCE-Trainer.

Individuelle Trainingssteuerung

Der will nun an den unübersehbaren wie zu diesem Zeitpunkt verständlichen Defiziten in der Abwehr arbeiten. „Wir werden noch ein zweites System installieren“, kündigte der Chefcoach an. Auch im Angriff ist eine Variation offen. „Das Tempospiel ist bereits da. Am Ende müssen wir so wenig wie möglich Fehler machen, das fällt uns sonst auf die Füße.“ Für die Optimierung auf diesem Gebiet wird er individuelle Trainingssteuerungen anbieten. „Es gibt einige Spieler, die in vier Tagen bei drei Spielen sehr, sehr viele Minuten auf dem Buckel haben, da werden wir vernünftig regulieren“, sagte Göde. Deshalb hatte die Mannschaft am Sonntag eben auch mal frei.

Dierberg berichtete nicht nur deshalb von einem außergewöhnlich guten Klima in der Mannschaft. „Sicher darf Vorbereitung nicht nur Spaß machen“, meinte er, aber: „Es ist ein super Klima bei uns in der Mannschaft. Rico macht, wie ich finde, sehr, sehr viel richtig.“ Der beste Torschütze des Zweitligisten stellt nach der bislang einzigen Testspiel-Niederlage fest: „Wir haben bis zum Saisonstart noch ein paar Wochen Zeit, die brauchen wir aber auch noch“. Am 17. August spielt sein HC in der 1. Runde des DHB-Pokals gegen Drittligist Fürstenfeldbruck. Am 25. August beginnt die Zweitliga-Saison mit einem Heimspiel gegen Wiederaufsteiger Eisenach.

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