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Was eine Volleyballerin nach Rumänien verschlägt

Lenka Dürr spricht vor dem Europacup-Rückspiel des Dresdner SC in Bacau über ihre Zeit in Osteuropa, Armut, Zusammenhalt und ihr Herz für Tiere.

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Lenka Dürr will am Mittwoch mit ihrem Trainer Alexander Waibl (im Hintergrund) über den Einzug ins Europacup-Viertelfinale jubeln.
Lenka Dürr will am Mittwoch mit ihrem Trainer Alexander Waibl (im Hintergrund) über den Einzug ins Europacup-Viertelfinale jubeln. © Lutz Hentschel

Ihr Team kann am Mittwoch, 16 Uhr, im rumänischen Bacau ins Viertelfinale des Challenge-Cups einziehen. Volleyball-Profi Lenka Dürr vom Dresdner SC hat mit dem rumänischen Volleyball ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Die Weltklasse-Abwehrspielerin stand 2017/2018 für eine Saison bei CSM Targoviste unter Vertrag. Die 29-Jährige spricht vor dem Europapokalrückspiel über außergewöhnliche Situationen.

Frau Dürr, Rumänien ist als Weltranglisten-38. nach wie vor ein Volleyball-Entwicklungsland. Was hat Sie 2017 zu diesem Schritt bewogen?

Damals gab es ein wirklich gutes Angebot aus Targoviste. Außerdem kannte ich den Coach, der damals aus Stuttgart nach Rumänien wechselte. Eine weitere Mitspielerin kannte ich ebenfalls schon aus Schwerin. Auf der anderen Seite war ich immer noch total aus auf Abenteuer, und Rumänien erschien mir definitiv wie eines – sicherlich eine gute Gelegenheit, auch mal dieses Land kennen lernen zu können.

Mussten Sie damals bei den sozialen Rahmenbedingungen Abstriche machen?

Was heißt Abstriche? Der Verein hat im Rahmen seiner Möglichkeit gehandelt und das, so gut es ging. Das habe ich so wahrgenommen, dass sie immer versucht haben, sich bestmöglich zu kümmern. Dass die Rahmenbedingungen andere sind als beispielsweise in Deutschland, war mir von Anfang an bewusst. Außer, dass ich einmal umziehen musste und einige Male mit dem Fahrstuhl stecken geblieben bin, war alles sonst recht normal.

Rumänien zählt zu einem der ärmsten Ländern Europas. Haben Sie das persönlich so wahrgenommen?

Ja, das bekommt man dort unausweichlich mit: die verwahrlosten Tiere auf den Straßen und auch viele Menschen ohne Dach über dem Kopf, die auf den Straßen nach Geld fragen. Sie haben sich viel mehr über eine Mahlzeit oder einen Tee gefreut, den man für sie gekauft hat, anstatt ihnen einfach nur Geld in die Hand zu drücken. Natürlich habe ihnen mal Blumen abgekauft, Geld gegeben oder ihnen was zu essen gekauft. Aber viel mehr habe ich mich um die Tiere gekümmert und hatte ständig Futter bei mir, um jedem Hund oder jeder Katze etwas zu fressen geben zu können. Das war definitiv meine Mission.

Bei Ihrem damaligen Team in Targoviste waren Sie einer von neun ausländischen Profis aus acht Nationen. Wie hat da der Zusammenhalt funktioniert?

Ach ja, das ist wohl immer so eine Sache und wahrscheinlich eher ein kleines Glücksspiel, ob die Charaktere letztlich gut zusammen funktionieren wie ein Zahnrad. Wir sind sicherlich auch durch einige Hochs und Tiefs gegangen. Als uns in der Weihnachtspause auch noch eine Spielerin verlassen hatte und im Februar noch massives Verletzungspech dazukam, schweißte uns das schon enger zusammen, würde ich sagen. Wir mussten das ja alles kompensieren.

Wie bewerten Sie die sportliche Qualität der rumänischen Liga?

Die Liga ist nicht so schlecht, wie viele vielleicht denken. Klar gibt es Niveauunterschiede zu den meisten europäischen Ligen. Allerdings habe ich dort viele junge, talentierte Spielerinnen wahrgenommen. Abgesehen davon können es die Top-Drei-Teams mit guten Teams aus Europa durchaus aufnehmen.

Was wissen Sie über die Umstände, die den DSC in Bacau erwarten?

Nicht sehr viel. Ich kenne das Hotel nicht, da wir immer in einem anderen untergebracht waren. Ich kenne die Halle und bin mir sicher, dass sie bei einem Europapokalspiel gut besucht sein wird – anders als zu einem normalen Ligaspiel.

Ihr Team hat sich im Hinspiel deutlich mit 3:0 gegen Bacau durchgesetzt. Wie schwer wird das Rückspiel?

In den eigenen Hallen spielt es sich sicherlich immer besser. Von daher werden sie ganz bestimmt besser spielen. Bacau war in der Vergangenheit eine Mannschaft, die nach einer schwächeren Leistung oder einem Misserfolg definitiv eine Reaktion zeigt und von Anfang an Druck macht.

In der rumänischen Liga wird mit anderen Bällen als in Deutschland gespielt. Bacau darf die als Gastgeber im Europacup auswählen. Wird das ein Problem?

Nein, das wird kein Problem. Wir haben Zuhause auch einmal mit ihnen trainiert.

Sie engagieren sich seit 2015 für den Verein Volleyball ohne Grenzen. Was tun Sie da genau?

Der Verein hat mich angesprochen, da er von meiner Botschaftertätigkeit für das SOS-Kinderdorf gehört hatte. Mir wurde die Ehre zuteil, auch für Volleyball ohne Grenzen als Botschafterin aktiv zu sein. Ich versuche, durch Versteigerungen Spenden für die sozialen Organisationen zu sammeln und sie somit zusammen mit den Spendern zu unterstützen. Selbstverständlich bin ich dabei auch immer eine aktive Unterstützerin und spende selbst, da es mir eine große Herzensangelegenheit ist.

Das Gespräch führte Alexander Hiller.