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Görlitz

Was Freiheit ausmacht

Zum Gedenken an den 17. Juni 1953 kamen heute Octavian Ursu und Sebastian Wippel auf den Görlitzer Postplatz. Beifall gab es auch.

Lutz Rathenow, Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sprach in Görlitz und lobte einen „fairen Wahlkampf“.
Lutz Rathenow, Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sprach in Görlitz und lobte einen „fairen Wahlkampf“. © Nikolai Schmidt

Vereint im Gedenken – so stehen sie am Montagnachmittag auf dem Postplatz: Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos), sein Nachfolger Octavian Ursu (CDU) und der unterlegene AfD-Kandidat Sebastian Wippel. Alljährlich wird hier vor dem Gerichtsgebäude am 17. Juni des Volksaufstandes von 1953 erinnert. Auch in diesem Jahr, und doch ist alles ein kleines bisschen anders. Die Wahl vom Sonntag, obwohl doch längst entschieden, ist immer noch irgendwie präsent.

Das sieht sogar Lutz Rathenow so. Er ist der sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Es sei aus seiner Sicht in Görlitz ein fairer Wahlkampf gewesen, sagt der Mann aus Dresden, bevor es an die eigentliche Rede zum 17. Juni geht. Sebastian Wippel hat einen Kranz mitgebracht, Octavian Ursu ebenfalls. Oberbürgermeister Siegfried Deinege begrüßt explizit den Wahlgewinner. Für den gibt es dann auch freundlichen Applaus. „Dieser Tag“, sagt Siegfried Deinege, „erinnert daran, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist.“ 

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1953 gingen in der DDR in rund 700 Orten Hunderttausende Menschen gegen die SED-Führung auf die Straße. Sie forderten die Rücknahme von Normerhöhungen, den Rücktritt der DDR-Regierung sowie freie und geheime Wahlen. Panzer der Sowjetarmee schlugen den Protest blutig nieder. Viele Demonstranten wurden verurteilt. Lutz Rathenow wirbt dafür, das Andenken an die Demonstranten von damals wach zu halten, gerade auch außerhalb der offiziellen jährlichen Gedenktage. Er habe dabei vor allem die Jugend im Blick. In Görlitz sei der Protest sehr konstruktiv gewesen, bevor es zu den bekannten Repressalien kam. „Es war erheblich, was die Görlitzer geleistet haben“, sagt Lutz Rathenow.

Oberbürgermeister Siegfried Deinege schaut derweil zu den Kränzen, die inzwischen am Gerichtsgebäude angebracht sind. „Jeder, der hier vorbeigeht, sollt kurz nachdenken“, sagt er. „Was macht Freiheit aus, was macht eine Gesellschaft aus?“

Ein Teil der Ausstellung „Die DDR – zwischen Repression und Widerspruch“ kann noch bis zum 30. Juni im Gleis 1 im Ostflügel des Görlitzer Bahnhofes besichtigt werden. Unter anderem geht es um Ursachen, Verlauf und Folgen des Volksaufstandes in Görlitz. Geöffnet ist Dienstag und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und Sonnabend und Sonntag von 10 bis 15 Uhr.

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