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Döbeln

Was für ein Spiel, so real

Das Theater zeigt das Stück „Let´s Play: Reality“. Packend und hautnah. Ein Jugendstück auch für reife Erwachsene.

Das Theater Döbeln
Das Theater Döbeln © DA

Döbeln. Warum spielt man Computerspiele? Diese Frage stellt Timon in seinem Monolog und hat die Antwort schon parat: „Um Schätze zu finden, Monster zu besiegen? Man spielt aber nicht, um seiner eigenen Mutter zu begegnen.“ Timon ist ein jugendlicher Spieletester, der sogenannte Let´s Plays (Engl. Lasst uns spielen), kleine Videos, die das eigene Kommentieren eines Computerspiels filmen, ins Netz stellt. Als sich ihm die Chance bietet, das neue Spiel Reality zu testen, wird er von dem eingeholt, was er immer vermeiden wollte: seine eigene Realität. Er ist nun sein eigener Avatar (virtuelle Kunstfigur im Cyberspace). Er muss sich also mit seiner nervenden Lehrerin auseinandersetzen, seiner nörgelnden Mutter, er landet in der Ausnüchterungszelle und auf der Intensivstation.

In seinem rund 90-minütigen Jugendstück „Let´s play: Reality“, das am 9. Mai am Theater Döbeln Premiere hatte, hat Autor Thilo Reffert ein brandaktuelles und Generationen trennendes Thema auf die Bühne gebracht, ein Auftragswerk des Mittelsächsischen Theaters. Reffert, der auch Regie geführt hat, sagte, dass sich der Text bei den Proben immer wieder ändern kann. Der Autor, Jahrgang 1970, kennt die Spielwelt aus eigenem Erleben nicht. Er hat der Let´s-Play-Szene auf Youtube auf den Mund geschaut, Vokabular, Sprache und Sprachrhythmus übernommen sowie Gesten verarbeitet.

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Die Bühnenausstattung ist bewusst sparsam gehalten, ein aus Traversen gebautes Zelt ist die Spielwelt, Lichteffekte sorgen für das Weitere. Mehr braucht es nicht. Nach dem Motto: Weniger ist mehr, kommt das Jugendstück auch mit zwei Darstellern aus. Der 30-jährige Peter Peniaska spielt überzeugend den Timon. Sein hohes Sprachtempo in jugendlichem Slang ist beachtlich. Er gibt den Timon mal überheblich, mal zweifelnd, aber fasziniert davon, dass ihm seine Spielwirklichkeit die berühmte zweite Chance bietet, die das Leben oftmals nicht parat hat. Seine Partnerin Anna Bittner verdient besondere Beachtung. Ihr gelingt es hervorragend, neun Charaktere in blitzschnellem Wechsel darzustellen. Nur durch den Tausch von Perücken und Mütze mimt sie mal Mutter, mal Lehrerin, mal Mädchen Enna, perfekt in Sprache und Gestik. Ihre Wandelbarkeit ist ein Volltreffer. (ddb)

Aufführungen: 13., 14., 20. Mai, Theater Döbeln.