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Was für ein Theater

Der Nationalparkbahnhof Bad Schandau wurde erstmals zur Bühne gemacht. Das Experiment glückte. Fortsetzung folgt.

© Marko Förster

Von Katarina Lange

Es geht nichts mehr im Bahnhof in Bad Schandau. Die Halle ist rappelvoll. Schnell müssen zusätzliche Stühle heranorganisiert werden. Denn es gibt mehr Besucher als freie Plätze. Mit maximal 60 Neugierigen hatten die Landesbühnen Sachsen und die Bad Schandauer Kur- und Tourismus GmbH gerechnet – bei der ersten Theateraufführung in der sogenannten Winterhalle. Es kamen jedoch mehr Leute. Über 70 Zuschauer drängten sich am Sonnabend in die Wartehalle, um das satirische Theaterstück „Du bist der Arsch oder Leicht ist das Leben“ zu sehen.

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Die Anspannung aufseiten der Organisatoren war spürbar. Glückt das ausgefallene Experiment? Funktioniert Theater in einem normalen Bahnhof? Sicher nicht in jedem. Aber in Bad Schandau schon. Die sanierte Bahnhofshalle sieht alles andere als nach Bahnhof aus. Stuck und Ornamente zieren die Decken. An den Wänden hängen Fotografien der Sächsischen Schweiz. Auf den Schwarz-Weiß-Bildern sieht man Felsen und Schluchten. Sie würden genauso gut in eine Galerie passen.

Schöner als andere Bühnen

Die Atmosphäre stimmt. Die Luft ist warm. So warm, dass sich einige Zuschauer bald ihrer mitgebrachten Strickjacken entledigen. „So schön ist manches Theater nicht“, sagt ein Zuschauer zu seiner Begleitung. Sie nickt zustimmend. Da stören auch die regelmäßig einfahrenden Züge nicht. Das leise Quietschen ihrer Bremsen ist kaum zu hören. Nur ein Detail stört das fast perfekte Bild. Links neben der Bühne prangt ein Schild mit dem Aufdruck „WC“. Was sein muss, muss eben sein.

Der „dezente“ Toilettenhinweis passt dann aber doch. Schuld daran ist das Theaterstück. Mehr noch Schauspielerin Anke Teickner. In den 90 Minuten Spielzeit schlüpft sie in acht unterschiedliche Frauenrollen. Und nimmt darin kein Blatt vor den Mund. Ihr Spiel ist böse, bissig, angereichert mit Fäkalhumor. Zum Beispiel als Ärztin, die sich mit zwei Promille Alkohol im Blut und Skalpell in der Hand durch ihre Patienten kämpft, oder als BILD-Leserreporterin, die mit ihrem Fotohandy ständig auf der Suche nach Verkehrstoten ist. Geschichten, die das Leben schreibt. Schonungslos. Trotzdem gelingt Anke Teickner der humorvolle Spagat. Schon nach wenigen Minuten springt der Funke aufs Publikum über. Es wird gelacht und gegrölt. Vor allem, als die Schauspielerin im feinsten sächsischen Dialekt loslegt. In der Sozialstudie steckt jede Menge Wahrheit. Das honorieren die Besucher mit jeder Menge Applaus. Dreimal klatschen sie Anke Teickner zurück ins Rampenlicht. Eine Zugabe gibt es an diesem Abend zwar nicht. Eine Fortsetzung ist dennoch nicht ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil. „Es wird auf jeden Fall eine Wiederholung geben“, sagt Andreas Gärtner, Veranstaltungsmanager bei den Landesbühnen, nach der Vorstellung. Wann, das stehe noch nicht fest. Nach der Premiere wisse man nun aber, dass der Nationalparkbahnhof fürs Theater taugt. Die Voraussetzungen stimmen: Es gibt genügend Parkplätze, kostenlos noch dazu. Auch eine Pausenversorgung gibt es mit dem integrierten Ladencafé Biosfaire. „In der Sächsischen Schweiz gibt es keine Spielstätte, die besser zu erreichen ist, mit dem eigenen Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Andreas Gärtner.