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Sachsen

Was gegen den Ärztemangel auf dem Land helfen soll

Schon jetzt sind 255 Hausarztstellen in Sachsen nicht besetzt. Drei Vorschläge, wie Abhilfe geschaffen werden kann. 

Viele Praxen auf dem Land müssen schließen, weil Fach- und Hausärzte, die in Rente gehen, keinen Nachfolger finden.
Viele Praxen auf dem Land müssen schließen, weil Fach- und Hausärzte, die in Rente gehen, keinen Nachfolger finden. © Patrick Pleul/dpa

Etwa 17.000 Ärzte gibt es derzeit in Sachsen. Davon arbeiten etwa 7.400 ambulant, 2.600 als Hausärzte. Doch einen Termin zu bekommen, wird für Patienten immer schwieriger. Nach einer Studie der TK Sachsen mit der Hochschule Zittau/Görlitz nimmt jeder fünfte Facharzt in Sachsen keine neuen Patienten an, bei den Augenärzten ist es jede zweite Praxis. Bei den Neurologen waren es 40 Prozent.

Bei den Hausärzten droht in 24 von 47 ländlichen Bereichen eine Unterversorgung. Betroffen sind unter anderem Freital, Löbau, Kamenz, Hoyerswerda, Görlitz, Großenhain, Niesky und Weißwasser. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es derzeit 255 unbesetzte Hausarztstellen in Sachsen. Die Lage wird sich in Zukunft noch verschärfen: Das Durchschnittsalter der Hausärzte auf dem Land steigt, derzeit liegt es bei 54,1 Jahren, fast ein Drittel ist bereits über 60 Jahre alt. Auch bei Fachärzten sei nicht die Neuzulassung von Praxen ein Thema, sondern die Nachbesetzung. Die SZ erklärt, welche Konzepte helfen sollen.

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Vorschlag 1: Mehrere Ärzte zusammen in einer Klinik

Es müssen mehr Ärzte außerhalb der Großstädte arbeiten wollen. Nur so kann die ärztliche Versorgung überall gewährleistet werden. Die SPD will Medizinstudenten deswegen bereits während ihres Studiums für einen Einsatz als Landarzt anwerben, etwa durch „Tandem-Praxen“, bei denen ältere Ärzte ihre Nachfolger über den Zeitraum von bis zu fünf Jahren gezielt einarbeiten. Doch für junge Medizinstudenten bietet eine Praxis im ländlichen Raum kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Die SPD befürwortet deswegen eine Idee, die an das Konzept der Poliklinik aus DDR-Zeiten angelehnt ist. Der Freistaat soll Häuser unterstützen, in denen mehrere Ärzte mit Pflegekräften, Arztassistenten und Apothekern zusammenarbeiten, heißt es in einem Positionspapier. Die Poliklinik biete einen Lösungsansatz für wichtige Probleme: Patienten haben dann kürzere Wege, Ärzte mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten, der Verwaltungsaufwand für den einzelnen Arzt wird kleiner. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Klaus Heckemann, bezeichnete das Konzept zuletzt in der Leipziger Volkszeitung als „groben Unfug“, weil angestellte Ärzte eine deutlich kürzere Arbeitszeit hätten und dementsprechend noch weniger Patienten versorgen könnten. Schon heute gibt es in Sachsen medizinische Versorgungszentren, in denen mehrere Fachärzte und Therapeuten unter einem Dach arbeiten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung sind es sachsenweit 196 Zentren, in denen etwa 1 400 Ärzte angestellt sind. Das Problem: Meistens befinden die sich in den Großstädten, also da, wo die Versorgung noch gewährleistet ist.

Vorschlag 2: Quote verpflichtet Studenten, auf dem Land zu arbeiten

Die CDU will die medizinische Versorgung auf dem Land mithilfe einer Landarztquote für Medizinstudenten verbessern. Der Vorschlag sieht vor, dass 40 der vorhandenen Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben werden sollen, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss zehn Jahre lang im ländlichen Raum zu arbeiten. Im März ist Gesundheitsministerin Barabara Klepsch (CDU) mit diesem Vorschlag an der SPD gescheitert. So eine Quote werde frühestens in zwölf Jahren wirksam, kritisierte die SPD. Ein Medizinstudium dauere mindestens fünf Jahre, dazu komme die Facharztausbildung. Nun steht die Landarztquote im CDU-Programm für die Landtagswahl im September. Andere Länder wie Bayern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz prüfen auch eine Landarztquote. Nordrhein-Westfalen hat sie bereits beschlossen. Während die Kassenärztliche Vereinigung das Modell der Landarztquote unterstützt, halten die Landesärztekammer Sachsen und die Ärztevereinigung Marburger Bund eine Quote für nicht geeignet, um mehr Ärzte aufs Land zu locken. Am Anfang des Studiums könne kein Mediziner abschätzen, in welche Fachrichtung er gehen werde.

Vorschlag 3: Mehr Studienplätze und andere Zulassungsbestimmungen

Statt einer Quote fordern die Ärzte eine Erhöhung der Studienplätze für Medizin in Sachsen. Das Argument: Werden mehr Mediziner ausgebildet, bleiben auch mehr im Freistaat. Außerdem brauchen die Hochschulen andere Auswahlverfahren neben dem Numerus Clausus. Bisher scheitert die Forderung am Wissenschaftsministerium. Sachsen bilde genügend Mediziner aus, heißt es von Ministerin Eva-Maria Stange (SPD). Die medizinischen Fakultäten in Sachsen seien mit 560 Plätzen pro Jahr bereits jetzt an der Grenze und würden für die Forschung mehr Mittel benötigen. Auch eine Erhöhung der Studienplätze kostet Geld. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht sich für generell mehr Medizinstudienplätze in Sachsen aus. Mit ihrem Programm „Studieren in Europa“ ermöglicht sie außerdem ein Medizinstudium ohne die Abiturnote 1,0. Pro Studienjahr können 20 Abiturienten an der Universität im ungarischen Pécs lernen, wenn sie sich verpflichten, danach fünf Jahre als Landarzt in Sachsen zu arbeiten.