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Was geht am Valtenberg?

Neukirchs Hausberg soll ganzjährig vermarktet werden. Nicht jeder findet das gut.

Mit einer grandiosen Aussicht, Bergbaude und verschiedenen Trendsportarten lockt der Valtenberg auf seinen Gipfel. Weitere Attraktionen sollen schon bald folgen.
Mit einer grandiosen Aussicht, Bergbaude und verschiedenen Trendsportarten lockt der Valtenberg auf seinen Gipfel. Weitere Attraktionen sollen schon bald folgen. © Steffen Unger

Neukirch. Das neue Gemeinderatsmitglied Jens Riedel (SPD) brachte wohl den kleinsten gemeinsamen Nenner der Anwesenden auf den Punkt als er formulierte: „Der Valtenberg liegt uns am Herzen.“ Anlass für diese unverhohlene Liebeserklärung an den Neukircher Hausberg war die im Raum stehende Frage nach den Möglichkeiten von dessen ganzjähriger Nutzung. 

Den Rahmen der Diskussion bildete eine Versammlung im Neukircher Betlehemstift, zu der Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung und Tourismus des Ortes geladen hatte. Mit ihrer Hilfe und unter fachkundiger Anleitung, so formulierte es das Gemeindeoberhaupt im Vorfeld der Veranstaltung, solle endgültig die Frage beantwortet werden, „was am Berg geht und was nicht.“ Der Neukircher Gemeinderat billigte dafür in seiner Sitzung im Mai einstimmig den Einsatz von 60 000 Euro zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie – großzügig mit 90 Prozent aus einem Programm der Sächsischen Staatskanzlei gefördert, dass die Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels zum Ziel hat. Dennoch: Einen Eigenanteil von 6 000 Euro muss die Gemeinde selbst für die Umsetzung des Vorhabens aufbringen.

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Die Verbundenheit der Neukircher zu ihrem Hausberg ist unstrittig, das Ziel, den Berg aktiver zu vermarkten, attraktiver für Zuzugswillige und Gäste zu werden und langfristig das Ziel von 5 000 Einwohnern zu erreichen, ist gemeinhin bekannt. Die Idealvorstellungen von Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) sind diesbezüglich bereits jetzt überaus konkret. Seine Vision beschäftigt sich vor allem mit den Beförderungsmöglichkeiten am Berg.

Eine Fly-Line bringt Besucher gemächlich vom Berg ins Tal. Denkbar ist, dass ein solches Abenteuer künftig auch von der Spitze des Valtenbergs aus möglich ist. Doch gegen die touristische Attraktion regt sich Widerstand. 
Eine Fly-Line bringt Besucher gemächlich vom Berg ins Tal. Denkbar ist, dass ein solches Abenteuer künftig auch von der Spitze des Valtenbergs aus möglich ist. Doch gegen die touristische Attraktion regt sich Widerstand.  © Fly-Line GmbH

Motorisierter Individualverkehr ist auf den Waldwegen des geschützten Areals nur in Ausnahmen gestattet. Ändern soll sich daran auch künftig nichts, darauf drängte auch ein Großteil der geladenen Gäste am Dienstagabend vergangener Woche. Thomas Luft, der am Fuß des Valtenbergs seit zwei Jahren Monsterroller und E-Bikes an Gäste vermietet, betonte: „Der autofreie Berg ist unabdingbar.“ Aber auch verschiedene Liftlösungen, wie sie vielfach an diesem Abend diskutiert wurden, bergen Fallstricke. Von Pendel- und Zaunbahnen war die Rede genau wie von Schrägaufzügen. Das Problem mit all diesen Lösungen machte Zeiler kurz und knapp deutlich: „Das sind schöne Systeme, keine Frage, aber diese Sachen sind teuer. Wir werden sie uns nie leisten können.“

Sein Wunsch: Über eine Strecke von 1,6 Kilometer sollen Besucher vom Gipfel des Berges mit entspannten zehn bis 15 Kilometern pro Stunde auf Höhe der Baumwipfel ins Tal gleiten. Möglich würde das nach den Vorstellungen des Bürgermeisters durch eine Fly-Line, die mittels Spanngurten an den Baumstämmen entlang der Strecke befestigt wird. Auch Lösungen, die die Talfahrt mit Beförderungsmöglichkeiten auf den Berggipfel hinauf kombinieren, sind denkbar und sollen – so die ersten Ideen – mit einer Erweiterung des Skiareals am Valtenberg zu einem Sport- und Freizeitzentrum einhergehen. Gras- oder Rollski, eine Snowtube-Bahn mit Schlepplift am Kinderhang oder ein Barfusspfad waren nur einige der Ideen, die in diesem Zusammenhang zur Sprache kamen.

Schwieriger Kompromiss

Doch nicht jeder der in die Entscheidungs- und Ideenfindung Involvierten teilt die Begeisterung des Bürgermeisters rückhaltlos.

Bereits im Vorfeld der Gemeinderatsentscheidung zur Freigabe der Finanzmittel wandte sich Gemeinderat Ronny Wolf (GBN) per Mail an seine Ratsmitglieder und empfahl ihnen, die Entscheidung zu vertagen. Später betonte er im Gespräch mit der SZ, dass er nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben sei, sich dieses aber in ein allgemeines Dorfentwicklungskonzept integrieren müsse. „Die zentrale Frage ist doch, wie wir Zuzug generieren können,“ betonte er wiederholt. Hierzu sei, so der Gemeinderat weiter, der Tourismus als ein Faktor neben anderen – etwa Wirtschaft und Demografie – zu betrachten. Seine Befürchtung: „Wir könnten eine Chance vergeben, wenn wir statt eines umfassenden Dorfentwicklungskonzepts eine touristische Attraktion schaffen, die die Neukircher selbst vielleicht einmal in fünf Jahren nutzen.“ Grundsätzlich, betont er, sähe er die Bemühungen um die bessere Vermarktung des Valtenbergs jedoch positiv und hofft, dass die externe Konzeption, die das Stadtplanungsbüro Panse bis zum März nächsten Jahres vorlegen will, anschlussfähig für weitere Entwicklungsansätze bleibt.

Wolf steht mit seinen Bedenken nicht allein da. Auch aus den Reihen der ins Betlehemstift geladenen Gäste kamen zweifelnde Töne. Konrad Gerlach, Geschäftsführer von Käppler und Pausch, betonte etwa: „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Touristen herkommen, um tagelang durch den Wald zu fliegen.“ Mehr als an einem Tourismus- sei ihm an einem Freizeitkonzept gelegen, um Fachkräfte nach Neukirch zu ziehen. Waldbesitzer Konrad von Posern warnte davor, „einen Technikoverkill am Valtenberg“ zu finanzieren und verwies auf den labilen Fichtenbestand, der für die Installation einer Fly-Line seiner Meinung nach ungeeignet sei. In eine ähnliche Kerbe schlug Katrin Poike vom Naturschutzzentrum. Sie erinnerte an den naturräumlichen Wert des Valtenberggebiets: „Es liegen Schutzgebiete in dem Areal, für dass Sie sich so viel vorgenommen haben.“ Aus dem Bautzener Landratsamt kamen indes wohlwollende Töne für das Projekt, wenngleich Klaus Wenzel, Leiter des Bauaufsichtsamtes, davor warnte, Einzelmaßnahmen aneinanderzureihen in der Hoffnung, sie mögen ein gutes Ganzes ergeben. Ein Bebauungsplan sei der einzige Weg zum Ziel. „Sonst wird das Projekt ein Fass ohne Boden.“

Derzeit prüfen die Projektplaner die vorgeschlagenen Maßnahmen auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Im September soll die Runde der Entscheidungsträger in einem Workshop erneut aufeinandertreffen. Was am Valtenberg geht und was nicht, darüber herrscht bis dahin vielleicht etwas mehr Klarheit.

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