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Was geschah in der Villa Bauch?

Anfang des Jahres wurde eine 13-Jährige aus Roßwein missbraucht und fast erwürgt. Jetzt begann der Prozess.

Von Christian Dittmar

Friedlich steht die Bauchsche Villa von Linden eingerahmt an der Uferstraße in Roßwein, nebenher plätschert gemächlich die Freiberger Mulde. Nach der 2002er-Flut wurde begonnen, das imposante Gründerzeitgebäude zu sanieren, doch nachdem die Fassade renoviert war, hörten die Arbeiten abrupt auf. Seit rund zehn Jahren steht das einsame Haus nun leer und ist dem Verfall preisgegeben. Wie geschaffen also für Menschen, die ungestört sein wollen. „Da gehen schon lange die Roßweiner Jugendlichen rein“, erzählt eine Bäckerin, die auf der anderen Uferseite ihren Laden hat. „Die machen dann Unfug.“

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Die Villa Bauch in Roßwein verfällt seit Jahren. Nun wurde sie zum Tatort eines Verbrechens. Fotos: Dietmar Thomas
Die Villa Bauch in Roßwein verfällt seit Jahren. Nun wurde sie zum Tatort eines Verbrechens. Fotos: Dietmar Thomas

Sehr viel mehr als Unfug ist es allerdings, was sich mutmaßlich am Abend des 9. Januars 2014 dort abspielt. Eine 13-jährige Roßweinerin und ein 31-Jähriger aus Striegistal treffen sich mal wieder, diesmal in der Bauchschen Villa. Die beiden kennen sich schon länger, jetzt will der Mann  – für das Mädchen unerwartet – offenbar mehr. Er versucht sie zu küssen und fasst ihr an den Hintern, doch das Mädchen wehrt sich. Schließlich würgt er sie so lange, bis das Mädchen das Bewusstsein verliert.

Strafe kann lebenslänglich lauten

Einige Zeit später erwacht die Roßweinerin wieder und läuft nach Hause, wo sie auf ihre Mutter trifft. „Mama, ich krieg’ keine Luft“, bringt sie nur hervor.

Sofort ruft die Mutter Polizei und Notarzt, der das Mädchen ins Leisniger Krankenhaus bringt. Durch den Hinweis eines Nachbarn gelingt es den Beamten, den Namen des mutmaßlichen Täters ausfindig zu machen. Einen Tag nach der Tat stellt er sich selbst der Polizei. – Nun, fünf Monate später, begann der Prozess gegen den gebürtigen Radebeuler vor dem Landgericht Chemnitz. Sexueller Missbrauch, gefährliche Körperverletzung und versuchter Mord lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, das Strafmaß dafür geht bis zu lebenslänglich. Laut Anklageschrift gibt der mutmaßliche Täter an, von dem Mädchen zuvor schon länger gestalkt, also verfolgt, worden zu sein. An dem besagten Abend wollte er ihr nun „einen Denkzettel“ verpassen, wie er am Dienstag aussagte. Dabei habe er ihr die Hose heruntergezogen, sie gewürgt und dann liegengelassen.

Danach bestand laut Anklage für das ohnmächtige Mädchen Lebensgefahr. Erschwerend kommt für den vorbestraften Striegistaler hinzu, dass die Befriedigung des Geschlechtstriebs als niedriger Beweggrund gilt – ein wichtiges Mordmerkmal.

Vor Gericht äußerte sich am Dienstag zuerst die Mutter des mutmaßlichen Opfers. Am Tattag sei ihre Tochter wie immer von der Schule gekommen und habe gefragt, ob sie noch raus darf. „Ja, aber nur bis 19 Uhr“, lautet die Antwort der Mutter, so wie immer. Als ihre Tochter erst um 22 Uhr nach Hause kam, machte sich die 53-jährige Roßweinerin schon große Sorgen. – Dass sie jemand gewürgt hat, bis sie bewusstlos wurde, erzählt die Tochter der Mutter, und dass sie, als sie wieder aufwachte, „untenrum nackt“ war. Schmutzig von oben bis unten, komplett zerkratzt und mit blutiger Nase habe ihre Tochter vor ihr gestanden, sagt die Mutter aus.

Zwei weitere Prozesstage angesetzt

Zwei Tage liegt die 13-Jährige daraufhin im Krankenhaus, zu ihrer Mutter will sie später nichts mehr über die Tat sagen. „Mama, hör auf mit dem Thema“, habe sie immer nur geantwortet, erzählt die Mutter. Seit dem folgenschweren Abend befindet sich die junge Roßweinerin in psychologischer Behandlung, doch auch der Therapeutin gegenüber will sie sich nicht äußern.

Vom mutmaßlichen Täter, der sich selbst als arbeitslos und alkoholkrank beschreibt, ist während der Ausführungen der Mutter keine Regung zu beobachten. Bei der darauffolgenden Aussage des Mädchens muss er auf Antrag ihres Anwalts genauso wie alle anderen Besucher den Gerichtssaal verlassen.

Am morgigen Freitag soll das Verfahren fortgesetzt werden, ein weiterer Prozesstag ist für den 27. Juni angesetzt.