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Was haben Uhren mit Schießscheiben gemeinsam?

Das Uhrenmuseum widmet den Zulieferern der Uhrenindustrie eine Ausstellung. Dabei gab es die Qual der Wahl.

Von Franz Herz

Für die Glashütter Uhrenindustrie stehen bekannte Namen, die auch auf den Zifferblättern gedruckt sind. Doch dahinter arbeiten noch viel mehr Firmen, die sich spezialisiert haben und Werkzeuge, Messgeräte, Zahnräder oder Gehäuse hergestellt und an die Uhrenhersteller geliefert haben. So hat Ferdinand Adolf Lange die Uhrenproduktion von Anfang an organisiert. Diese Arbeitsweise blieb bis in die 1940er-Jahre vorherrschend. Jetzt stellt das Deutsche Uhrenmuseum diese Glashütter Heimindustrie mit ihren vielen kleinen Betrieben in seiner neuen Ausstellung „Glashütter Verlagswesen – Eine florierende Haus- und Heimindustrie“ vor.

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Lutz Roscher führt durch die Schau. Der 41-Jährige arbeitet seit diesem Frühjahr im Museum, und die Ausstellung ist sein erstes großes Projekt. Er bringt dafür aber die passende Berufserfahrung mit. Er hat seinerzeit noch in der Betriebsberufsschule Makarenko Werkzeugmechaniker gelernt und 20 Jahre bei Lange-Uhren gearbeitet. Er weiß genau, wie beispielsweise die Verzahnungsmaschine funktioniert, welche von der Firma Karl Renner und Sohn stammt. Sie ist eines der Schaustücke. Damit haben die Uhrmacher die verschiedenen Zahnräder gefräst. Karl Renner hat auch Fräs-, Schneid- und Bohrmaschinen hergestellt, die mit ihrer Präzision zum Ruf von Glashütte beigetragen haben.

Zwölf Firmen stehen stellvertretend für viele andere Betriebe, die einst die Glashütter Heimindustrie ausgemacht haben. „Hier hat ja in jedem zweiten Haus ein Unternehmen gearbeitet“, sagt Roscher. Aus dieser Fülle auszuwählen, war für ihn und Museumsleiter Reinhard Reichel die größte Hürde, als sie die Ausstellung vorbereitet haben. „Als feststand, wen wir nehmen, war die größte Schwierigkeit geschafft“, erinnert sich Roscher.

Herausgehoben haben die Ausstellungsmacher die Firma Mühle. Dafür sprechen mehrere Gründe. Die Firma existiert nach Umbenennungen und Verstaatlichungen heute immer noch. Und sie feiert dieses Jahr ihr 145-jähriges Bestehen. Außerdem ist sie ein schönes Beispiel dafür, wie die Präzisionstechnik, die ihre Wurzeln in der Uhrmacherei hat, in vielen anderen Wirtschaftsbereichen angewendet wurde. So stehen im Foyer des Museums zwei Motorräder mit Mühle-Tachometern. Kuriose Geräte zeigen, wo Glashütter Präzision überall eingesetzt wurde. Das sind beispielsweise ein Bildzähler für Filmprojektoren oder eine Mühle-Punktmessmaschine, mit der die Schützen bis auf den Hundertstel-Millimeter genau feststellen konnten, welcher Schuss genauer getroffen hatte. Der Begriff Verlag ist heutzutage vorwiegend für Bücher und Zeitschriften gebräuchlich. Früher war er auch in anderen Wirtschaftszweigen üblich, in denen ein Unternehmen große Teile seiner Produktion an andere Zulieferbetriebe auslagerte. Die Textilindustrie und eben die Glashütter Uhrmacher kannten das Verlagswesen.

Die Sonderschau im Uhrenmuseum lässt diese Form des Wirtschaftens lebendig werden und zeigt auch, dass sie zu großen technischen Leistungen imstande war. Die Betriebe hatten, obwohl sie verhältnismäßig klein waren, eindrucksvolle Technik im Einsatz, wie eine Stanze oder eine Guillochiermaschine zeigen.

Sonderausstellung im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte „Glashütter Verlagswesen – Eine florierende Haus- und Heimindustrie“. Geöffnet bis 2. November täglich von 10 bis 17 Uhr.

Ein Begleitband zur Ausstellung ist im Museum für 6,50 Euro zu kaufen.