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Was Heidenauer von ihrem Zentrum halten

Gute Noten gibt es für die vorhandenen Geschäfte. Aber gastronomisch ist die Stadt Entwicklungsland.

Noch immer zu: Das Safran ist bereits seit Ende Februar geschlossen.
Noch immer zu: Das Safran ist bereits seit Ende Februar geschlossen. © Norbert Millauer

Die Aufforderung, das Heidenauer Stadtzentrum zu bewerten, provoziert die Frage: Gibt es das überhaupt? Zumindest nicht in der klassischen Form mit Markt und Rathaus in der Mitte. Das macht es dem Zentrum um die Ernst-Thälmann-Straße seit Jahren schwer.

435 – vorwiegend Heidenauer – haben sich an der zweiten Umfrage von Stadt und Zentrumsverein beteiligt. Die gute Nachricht: Für die meisten (73 Prozent) hat sich das Zentrum in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Die schlechte und wenig überraschende Nachricht: Die ersten Gedanken, die den meisten beim Stichwort Zentrum einfallen, sind zu wenig Gastronomie, zu wenig kulturelle Angebote und zu wenig Einkaufsmöglichkeiten.

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Was führt zu diesen Einschätzungen? Ein Blick hinter die Bewertungen und auf die Wünsche.

Gaststätten: Bodenständige Küche da, ein Italiener fehlt aber

Fehlen die Gaststätten, weil die Gäste fehlen oder fehlen Gäste, weil Gaststätten fehlen? Man kann es drehen und wenden wie man will, Heidenau ist gastronomisch Entwicklungsland. Was für die Stadt insgesamt zutrifft, gilt auch für das Zentrum. In der Umfrage gibt es dafür die schlechteste Note aller Bewertungen: 4,1.

Das Stadtcafé ist im Zentrum der beständige Fels in der Brandung. Der Wirt zeigt, dass man auch ohne Schnickschnack und mit bodenständiger Küche existieren kann. Gegenüber bietet der Imbiss die Döner-Alternative. Neben dem Stadtcafé im einstigen Warenhaus Günter wird nach einiger Schließzeit ab 6. September erneut asiatisch gekocht. Damit hat Heidenau wieder zwei derartige Gaststätten. Viele hätten sich etwas anderes, zum Beispiel einen Italiener, gewünscht.

Schräg gegenüber das Café Safran ist seit Ende Februar zum dritten Mal geschlossen. Zumindest an den beiden letzten Betreibern kann es nicht gelegen haben. Wirt Axel Prussak führt inzwischen erfolgreich in Weesenstein die Schlossgaststätte, das Café Sachse als letzter Mieter unter anderem das Bahnhofscafé in Bad Gottleuba. Im weitesten Sinne zum Zentrum kann man noch die Drogenmühle zählen sowie die Bäckerei Wünsche, die an der Ecke Dresdner-/Haeckelstraße ein Café angebaut hat.

Geschlossen hat jetzt auch der „Trostpflaster“-Ableger aus Heidenau-Süd im Mügelner Brunneneck. Betreiber Jürgen Manitz nennt als Grund den, der wohl auch eine Erklärung für die Gesamtsituation ist: „Akuter Mangel an Leuten, die hier essen wollen und können.“

Bald wieder auf: Die Gaststätte neben dem Stadtcafé öffnet am 6. September wieder. Es wird wie schon beim Vorgänger asiatische Küche geben. 
Bald wieder auf: Die Gaststätte neben dem Stadtcafé öffnet am 6. September wieder. Es wird wie schon beim Vorgänger asiatische Küche geben.  © Norbert Millauer

Handel: Vorteil kostenlose Parkplätze, Vielfalt ausbaufähig

In Sachen Handel sind sich die Umfrageteilnehmer nicht ganz einig. Einerseits sagen sie, es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten, andererseits sind aber die vorhandenen gut. Eine Erklärung könnte die Diskrepanz zwischen den vielen Discountern und doch wenigen anderen Geschäften sein.

Bedauert wird, dass es auf der Ernst-Thälmann-Straße kaum noch Einzelhandel gibt. Zentrumsmanagerin und Zentrumsverein machen aus der Not inzwischen eine Tugend und definieren die Straße statt als Einkaufs- als Gesundheitsmeile. Deshalb wird auch das Angebot an Dienstleistungen als gut eingeschätzt. Die Friseur-Dichte zwischen Bahnhofs- und Thälmannstraße ist besonders hoch. Auch die Ärzte runden die Dienstleistungsbranche ab.

Mit dem Aldi, der Ende des Jahres auf die Siegfried-Rädel-Straße zieht, wächst das diesbezügliche Angebot weiter. Damit ist klar, man kommt zum Wege erledigen ins Zentrum, weniger zum Bummeln. Ob sich das mit dem Springbrunnen ändert, der nächstes Jahr auf der Thälmannstraße vor der Kinderarztpraxis gebaut wird, ist offen.

Parken wird inzwischen kaum noch als Problem genannt. Das war noch vor einigen Jahren anders. Heidenau hat mit dem kostenlosen Parken einen Vorteil. Und auch die Parkplätze zwischen Bahnhofs- und Thälmannstraße sind ausreichend. Ohnehin kommen die meisten zu Fuß oder mit dem Fahrrad ins Zentrum. Daraus wiederum lässt sich schlussfolgern, dass sich eben kaum Leute von weiter weg hierher verirren.

© Grafik: SZ

Kultur: Schwierige Lage zwischen zwei Metropolen

Die Kultur fehlt genau so wie Gastronomie und Handel in Heidenaus Zentrum. Für die Kultur gibt es die zweitschlechteste Note: eine Drei. Der Zentrumsverein ist dabei, mit der Musiknacht ein Format zu etablieren. Sie fand im April zum zweiten Mal statt und hat trotz Regen viele Gäste in die neun musikalischen Orte gezogen. Für Frühjahr 2020 ist die dritte Auflage vorgesehen. Die Drogenmühle steuert regelmäßig Musik und andere Veranstaltungen bei. Seit einem Jahr steht auch die Christuskirche als Ort für Kultur zur Verfügung. Seit das Gymnasium einen Anbau und damit einen Fahrstuhl hat, ist auch die Aula der Schule ein noch attraktiverer Veranstaltungsort insbesondere für Konzerte.

Ob das alles reicht und nur zu wenig genutzt wird oder ob mehr Angebote auch mehr genutzt würden, ist eine theoretische Frage. Genau wie die nach einem Kulturhaus. Die Zeiten, da es drei gab, die gebraucht und voll waren, sind vorbei.

Heidenau ist der Ort zwischen Pirna und Dresden, was sich auch in Sachen Kultur bemerkbar macht. Egal, was in Heidenau angeboten wird, wenn es das schon rechts und links von der Stadt gibt, hat es in der Mitte kaum eine Chance. So ist wohl auch zu erklären, dass das fehlende Kino inzwischen kaum noch fehlt.

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