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Was ist wirklich mit Sonnhild Israel geschehen?

In seinem Buch „Weißer Stein – Ein Oberlausitzer Mordfall ohne Leiche“ schildert Insider Christian F. Schultze eine ganz andere Sicht zum Mordfall.

Von Holger Gutte

Wer sofort einen fesselnden Kriminalroman zum Verschwinden von Sonnhild Israel aus Jonsdorf erwartet, wird anfangs enttäuscht. Christian F. Schultze geht in seinem Report erst einmal ausführlich auf das älteste Gestein der Oberlausitz sowie auf die Geschichte der Hutchwiese – dem Schauplatz des Geschehens – ein. Hier hat die damals 34-Jährige mit ihrem Mann und den zwei Kindern gelebt und hier ist akribisch bei einem großen Medienrummel nach ihr gesucht worden. Dafür erfährt der Leser dann aber Details und Hintergründe, die so noch nie veröffentlicht wurden.

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Der Autor ist ein Insider, der bis heute nicht weiß, warum er als einziger Nachbar und zudem Bekannter des Liebhabers von Sonnhild Israel jahrelang nicht bei den Ermittlungen befragt wurde. Um so detailliert in seinem Kriminalreport berichten zu können, studiert Christian F. Schultze fast 4 000 Seiten Prozessmaterial aus der Zweit-akte des Gerichtes sowie zig Zeitungsartikel und Briefe. Den Einblick in das Prozessmaterial gibt ihm der einst des Mordes an seiner Frau verdächtigte und schließlich frei gesprochene Peter Israel persönlich. „Ich wusste nicht, was ich beim Einsehen in die Akten und Briefe alles entdecke“, sagt der inzwischen 70-jährige ehemalige Rechtsanwalt. Viele Beteiligten interviewt er noch für sein Buch.

Bewusst zitiert er die Akten und Briefe im Originalwortlaut – und auch mit all den Abkürzungen, die Behörden halt verwenden. Das liest sich manchmal vielleicht etwas schwerer, wenn beispielsweise statt Tatverdächtiger von TV die Rede ist. Andererseits bekommt der Leser so den Eindruck, selber in den Akten blättern zu können. Und sehr vieles, was da von Zeugenaussagen, Verhören und Berichten geschrieben steht, ist bisher nie an die Öffentlichkeit gedrungen.

Christian F. Schultze schildert den Fall aus seiner Perspektive. Und er schlussfolgert nach seinen Recherchen, dass das ganze Verfahren nicht nur ein Fiasko für die Görlitzer Justiz, sondern auch für die neue Familie des Angeklagten eine unmenschliche Belastung war. Die Schuld daran gibt der Autor unter anderem einem aus seiner Sicht übereifrigen Staatsanwalt. Als Rechtsanwalt findet er es zudem unglaublich, wie manchmal Behauptungen zu Tatsachen verkannt wurden. Am Ende seines Reports fragt er: „Kennt jemand die Wahrheit dieser Geschichte?“ Denn auch Christian F. Schultze kann sie aus den ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen und Gesprächen nicht finden. So bleibt es weiter ein Rätsel, ob Sonnhild Israel aus Jonsdorf noch lebt, einer Straftat zum Opfer fiel oder ihrem Leben selbst ein Ende setzte.

Das Buch „Weißer Stein – Ein Oberlausitzer Mordfall ohne Leiche“ (BAR-Verlag) ist auch im SZ-Treffpunkt in Zittau für 12,90 Euro erhältlich.