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Was kommt auf den Acker in Bohnitzsch?

Die Großfraktion im Stadtrat will untersuchen lassen, ob und wie die Fläche entwickelt werden kann.

Das Flurstück 45/3 in Bohnitzsch umfasst neben der rot gekennzeichneten auch die Fläche rechts daneben bis zur Großenhainer Straße.
Das Flurstück 45/3 in Bohnitzsch umfasst neben der rot gekennzeichneten auch die Fläche rechts daneben bis zur Großenhainer Straße. © Stadt Meißen

Meißen. „Einem schönen Wohngebiet kann man nicht ein Gewerbegebiet vor die Nase setzen“. Für diese Worte von Tilo Hellmann gab es Beifall – aus dem Publikum. Der Stadtrat der Linken hatte seine Meinung zu einem Antrag der CDU/FDP/Freie Bürger/U.L.M.-Großfraktion zum Ausdruck gebracht. Etwa 20 Bürger hatten die Debatten der Stadträte verfolgt, bis ihr Tagesordnungspunkt 15 – „Entwicklung Gewerbegebiet Bohnitzsch“ – aufgerufen wurde.

Die Gäste hatten sich schon vor dem Beginn der Stadtratssitzung als Anwohner zu erkennen gegeben. Sie verteilten Flugblätter, auf denen es unter anderem hieß: „50 Jahre Militärlärm – Jetzt Gewerbegebietslärm. Nein Danke! – sagen spontan 197 Anwohner“. Zur Illustration hatten sie aus dem Ratsinformationssystem eine Skizze des Flurstücks 45/3 kopiert, das an den ehemaligen Schießplatz angrenzt.

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„Heute geht es um einen Prüfauftrag, um eine vernünftige Entscheidung vorbereiten zu können“, erklärte Holger Metzig. Der Stadtrat erläuterte im Namen der Großfraktion das Ansinnen des Antrages. Demnach soll untersucht werden, ob und wie Ackerflächen, die sich zwischen Großenhainer Straße und Dieraer Weg befinden und etwa 80.000 Quadratmeter umfassen, entwickelt werden können. 

Stadtrat Metzig betonte, dass sich die Fläche in städtischem Eigentum befindet. Heute und morgen werde auf dem Areal nichts geschehen, schon weil sein größerer Teil derzeit noch verpachtet ist. Realistisch ist wohl eher eine Entwicklung im Zeitraum der nächsten fünf bis zehn Jahre.

Holger Metzig berief sich auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) und auf die Nachfrage nach Gewerbeflächen. Für die Ansiedlung von Gewerbe in Frage kommende Flächen wie das Kasernenareal in Bohnitzsch oder die Brache an der Fabrikstraße sind Privateigentum, begründete der Stadtrat, warum das städtische Flurstück überhaupt untersucht werden sollte. 

"Die Interessen der Anlieger, insbesondere derjenigen, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen, müssen berücksichtigt werden“, erklärte Holger Metzig. Deshalb habe seine Fraktion den Antrag noch einmal überarbeitet. Statt einer Teilfläche von ursprünglich 18.000 Quadratmeter sollten nun alle 80.000 Quadratmeter in die Untersuchungen einbezogen werden.

„Heute geht es um einen Prüfauftrag, um eine vernünftige Entscheidung vorbereiten zu können“: Stadtrat Holger Metzig.
„Heute geht es um einen Prüfauftrag, um eine vernünftige Entscheidung vorbereiten zu können“: Stadtrat Holger Metzig. © Claudia Hübschmann

Vorschlag: Nicht nur Gewerbe

Außerdem schlagen die Stadträte der Großfraktion vor, nicht ausschließlich Gewerbeansiedlung im Blick zu haben. Der am vergangenen Mittwoch eingebrachte Antrag zielt nun darauf, zu untersuchen, ob und wie eine Entwicklung „zum Gewerbe-, Misch- oder Wohngebiet“ möglich ist. Diese Perspektive würde mehr Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringen, wie Holger Metzig auf Nachfrage erläutert. So könnte auf einer Teilfläche des Flurstücks ein Wohnstandort mit Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern entwickelt werden. 

Denkbar wäre zum Beispiel eine kleine Siedlung, deren einzelne Wohnbauten den Bauhausstil der Häuserzeile an der Großenhainer Straße aufnehmen. Die Wohnbebauung ließe sich durch Grünstreifen von einem möglichen Gewerbegebiet abgrenzen – ebenso von der vorhandenen Wohnbebauung an Dieraer Weg und Großenhainer Straße.

Für die Erschließung der Fläche spricht aus Sicht der Großfraktion auch die Tatsache, dass sie zu 80 Prozent gefördert wird. Bauverwaltung und Wirtschaftsförderung sollten nun Fakten zusammentragen, die für bzw. gegen eine Entwicklung dieser Fläche sprechen, so Holger Metzig.

Aus seiner Sicht mache ein Prüfauftrag keinen Sinn, sagte Heiko Schulze von der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion. „Wir lehnen eine Umwidmung der Fläche ab“, erklärte er, warum er den vorgeschlagenen Prüfauftrag für gegenstandslos hält. Er schlug aber vor, das Thema im Bauausschuss erneut aufzurufen.

Dem folgten die Stadträte. Der Bauausschuss wird sich am 23. September erneut mit dem Thema befassen. Zu entscheiden ist, ob der Prüfauftrag am 30. September allen Stadträten zur Abstimmung vorgelegt wird.

Die anwesenden Anwohner aus Bohnitzsch schienen damit zufrieden. Als der Tagesordnungspunkt 15 der Stadtratssitzung abgehandelt war, verließen sie den Ratssitzungssaal des Meißner Rathauses. 

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