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Großenhain ohne Weihnachtsmarkt?

Nachdem sich die Stadtväter am Freitag zu einer Absage des beliebten Bauernmarktes im Oktober durchgerungen haben, wächst die Unsicherheit.

Die Hütten für den Weihnachtsmarkt stehen auf dem Gelände des Großenhainer Bauhofs bereit. Die Planungen unter Corona-Bedingungen laufen zumindest auf Hochtouren.
Die Hütten für den Weihnachtsmarkt stehen auf dem Gelände des Großenhainer Bauhofs bereit. Die Planungen unter Corona-Bedingungen laufen zumindest auf Hochtouren. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. In den sozialen Netzwerken hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Nicht nachvollziehbar sei die Entscheidung. Völlig unbegründet angesichts der vergleichsweise niedrigen Anzahl von Corona-Erkrankungen im Landkreis Meißen und letztlich nur schädlich für die heimische Wirtschaft. Trotzdem steht fest: Der 25. Großenhainer Bauernmarkt wird in diesem Jahr ausfallen. Zu einer entsprechenden Entscheidung haben sich in der vergangenen Woche die Stadtväter durchgerungen. Extrem hoch wären die organisatorischen Aufwendungen gewesen, um das Fest in Anbetracht der Corona-Pandemie durchzuführen, hieß es zur Begründung. Zudem hätten die Entwicklungen der letzten Tage und Wochen auch gezeigt, dass inzwischen immer mehr Menschen zu leichtsinnig seien und sich leider nicht an die Regeln hielten. „Keiner möchte sich das Szenario vorstellen, wenn der Bauernmarkt wegen einer vielleicht überschaubaren Zahl Unvernünftiger ,aufgelöst´ werden müsste oder sogar Verbreitungsort für Corona-Erkrankungen würde. Die Verantwortung dafür liegt in letzter Konsequenz immer bei den Veranstaltern", sind sich die Organisatoren einig.

Immerhin: Zu Spitzenzeiten hätten sich auf dem Markt mehr als 2.500 Menschen gleichzeitig getummelt. Bei solchen Besucherzahlen einen Mindestabstand und eventuell eine Maskenpflicht durchzusetzen, sei eine schwierige Aufgabe. Das Bauernmarktflair könne unter diesen Bedingungen nicht aufkommen, und das Feiern mache unter diesen Umständen für alle Beteiligten keinen Spaß.

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Dennoch plane die Stadt nach eigenem Bekunden ganz "normal" andere Veranstaltungen für die kommenden Monate. Auf Grundlage von Hygienekonzepten für alle Häuser, - etwa dem Museum Alte Lateinschule und dem Soziokulturellen Zentrum Alberttreff - in denen die neusten Erkenntnisse der Corona-Schutzverordnung und aktuelle Auflagen umgesetzt würden, wolle man ein möglichst breites Veranstaltungsangebot aufrecht erhalten. "Die größten Einschränkungen müssen die Häuser bei den Besucherzahlen hinnehmen, da die Abstände auch bei den Sitzplätzen in den Räumen eingehalten werden müssen", gibt Diana Schulze zu bedenken. Wie Großenhains Rathaussprecherin betont, seien die jeweiligen Besucher aber für die momentane Erfassung der Kontaktdaten recht offen, da sowieso eine Anmeldung zum Kartenkauf notwendig sei.

Ein Prozedere, welches gegenwärtig auch für das Kulturschloss gelte. Im Foyer müsse ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Besuchern eingehalten werden, im Saal sei ein Abstand von einem Meter vorgesehen. Beim Betreten und Verlassen des Saales wäre das Tragen eines Mundschutzes Pflicht. Am Sitzplatz selbst nicht, da die Abstände durch die Stuhlplatzierungen gewährleistet würden. Gäste, so Diana Schulze, könnten sich im Vorfeld ihres Veranstaltungsbesuches gern auch in der Kasse am Schloss oder unter https://www.kulturzentrum-grossenhain.de über die geltenden Regeln informieren.

Wem lieber nach einem Kinostreifen ist - seit Mai kein Problem. Die Filmgalerie spielt seitdem wieder und präsentiert ihr vollständiges Programm unter www.filmgalerie-grossenhain.de. Jedoch würden potenzielle Kinobesucher gebeten, nach Möglichkeit, die Tickets im Vorverkauf telefonisch unter 03522  525910 oder online zu reservieren beziehungsweise zu kaufen. Wer schon wieder da  gewesen ist, weiß: auch hier gilt beim Betreten und Verlassen des Hauses Maskenpflicht - am Sitzplatz selbst nicht, da die einzuhaltenden Abstände zwischen den einzelnen Plätzen markiert sind. 

Abstände werden nur anfangs eingehalten

Etwas komplizierter schaue es dagegen bei größeren Veranstaltungen unter freiem Himmel aus. Hier spielten neben den Abstandsregeln und der Verfolgung von Kontakten auch der Mund-Nasen-Schutz eine große Rolle. Um Varianten der Umsetzung einer Open-Air-Veranstaltung zu testen und auch das Besucherverhalten zu beobachten, habe das Soziokulturelle Zentrum Alberttreff mit seinen im Haus ansässigen Vereinen und befreundeten Künstlern gemeinsam den „Großenhainer Kultursommer am Tunnel 2020“ organisiert. Dabei hätten die Veranstalter gut beobachten können, wie sich innerhalb der vier Abende das Verhalten der Gäste deutlich änderte. Wurden anfangs die Abstände noch gut eingehalten, sei es ab der dritten Veranstaltung schon sehr schwierig gewesen, die Besucher dazu zu bewegen, die Abstände einzuhalten und ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. 

Nichtsdestotrotz setze man auf die Vernunft und plane mit verschiedenen Partnern mehrere Veranstaltungen in den nächsten Monaten. Die Einkaufsnacht und der Start zum Stadt-Kunst-Fest am 11. September seien ebenso feststehende Termine wie die verkaufsoffenen Sonntage und auch der Weihnachtsmarkt. Unter den gegebenen Umständen werde dieser etwas anders aussehen, als es die Großenhainer gewohnt wären. "An den Adventswochenenden wird sicherlich die Aufnahme der Telefonnummern oder Mailadressen für eine eventuelle Kontaktverfolgung nötig werden! Momentan prüfen wir einige Varianten, den Weihnachtsmarkt unter den neuen Bedingungen - vor allem hinsichtlich des Mindestabstandes - zu planen und aufzubauen", verrät Diana Schulze. Sollten die Voraussetzungen so bleiben, könne das unter Mithilfe aller Großenhainer und Gäste der Stadt gut gelingen. Im Interesse einer liebgewordenen Tradition - und eines Miteinanders, am Ende eines besonderen Jahres. 

Ein Hingucker bei der Einkaufsnacht: Der Flammenzirkus unterhielt Groß und Klein mit seinem Feuermärchen. Ein buntes Besuchergedränge, das es dieses Jahr so nicht mehr geben darf.
Ein Hingucker bei der Einkaufsnacht: Der Flammenzirkus unterhielt Groß und Klein mit seinem Feuermärchen. Ein buntes Besuchergedränge, das es dieses Jahr so nicht mehr geben darf. © Archivfoto: Kristin Richter

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