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Dippoldiswalde

Was kommt nach der Städtebahn?

Der Bahnbetrieb im Müglitztal läuft zwar gut. Trotzdem steht ein Betreiberwechsel an.

Seit dem Schulstart am 19. August fährt auch die Städtebahn Sachsen wieder durchs Müglitztal. Das soll sich bald ändern.
Seit dem Schulstart am 19. August fährt auch die Städtebahn Sachsen wieder durchs Müglitztal. Das soll sich bald ändern. © Egbert Kamprath

Die Zugreisenden im Müglitztal müssen sich demnächst auf einen neuen Betreiber der Bahnstrecke einstellen. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) will am Montag bekannt geben, wer der Nachfolger der Städtebahn werden wird. Die Verbandsversammlung tritt am Vormittag zusammen. Gegen Mittag soll es eine Entscheidung geben, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper.

Wie viele Unternehmen zur Auswahl stehen und wer dahinter steht, wollte er nicht verraten. Nur so viel ist bekannt: Im Vorfeld hatte der Verkehrsverbund mit drei Unternehmen gesprochen, die die insolvente Städtebahn ablösen könnten. Die Firmen konnten bis Mitte der Woche ihre Angebote einreichen. Mindestens eins dürfte eingegangen sein. Schlempers Kollegen haben das oder die Angebote in dieser Woche – zum Teil bis in die Nacht hinein –intensiv geprüft. Offen ist, wann die Städtebahn abgelöst wird. Der Verkehrsverbund strebt einen Wechsel zum 1. Oktober an. Ob das der neue Betreiber in der kurzen Zeit schafft, vermochte Schlemper nicht sagen. Möglicherweise werde er mit der Städtebahn kooperieren und nach Lösungen suchen, wie die Strecken abgesichert werden.

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Notwendig wurde die Notvergabe, weil die Städtebahn in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen ist. Am 29. Juli stellte das Unternehmen überraschend den Betrieb auf allen Strecken rund um Dresden ein. Der VVO musste quasi über Nacht einen Ersatzverkehr organisieren. Das Amtsgericht Aschaffenburg beauftragte das Büro Pluta mit der Geschäftsführung und bestellte Dr. Stephan Laubereau zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Zurzeit elf Fahrzeuge unterwegs

Ihm war es gelungen, dass die Städtebahn zum Schulbeginn am 19. August ihre dreieinhalbwöchige Betriebseinstellung beenden und zwei der wichtigen Strecken wieder bedienen konnte. „Der Städtebahn Sachsen steht momentan eine Flotte von elf Fahrzeugen zur Verfügung“, sagt Pluta-Sprecher Patrick Sutter. Derzeit fährt das Unternehmen auf den Linien Kamenz – Dresden sowie Heidenau – Altenberg nach Plan. Auf der Linie Dresden – Königsbrück fährt der Zug nur auf dem Teilstück Dresden – Ottendorf-Okrilla. „Wir arbeiten daran, dass alle Triebwagen schnellstmöglich wieder fahren“, so Sutter. Noch in diesem Monat wolle man den nördlichen Abschnitt der Städtebahn-Line 33, also das Teilstück zwischen Ottendorf-Okrilla Süd und Königsbrück, wieder in Betrieb nehmen. Bisher fahren dort genauso wie auf der Strecke Pirna – Neustadt – Sebnitz Busse im Schienenersatzverkehr.

Bis Ende September erhalten die Mitarbeiter der Städtebahn laut Einsenbahnergewerkschaft GdL Lohn aus dem Insolvenzgeld. Danach werden die Gehälter aus dem laufenden Geschäftsbetrieb bezahlt, verspricht Sutter. Die GdL erklärte unlängst, das die Bezahlung der Eisenbahner ab Oktober nicht gesichert sei und forderte eine rasche Entscheidung zur Neuvergabe.

Diese strebt der Verkehrsverbund an, obwohl sowohl der Insolvenzverwalter als auch der VVO im Großen und Ganzen zufrieden sind. „Der Betrieb läuft sehr gut. Wir sind mit der Auslastung der Züge sehr zufrieden“, sagt Sutter. Ähnlich schätzt es Schlemper ein. Der Betrieb laufe nach Plan. „Wir erhalten nur in Einzelfällen Beschwerden, dass der Umstieg in Ottendorf-Okrilla vom Bus zum Zug nicht klappt“, erklärt Schlemper. Auch im Landratsamt Pirna, das für die Schülerbeförderung zuständig ist, scheint man zufrieden zu sein. „Die Schüler nutzen die Städtebahn zwischen Heidenau und Altenberg gemäß Fahrplan“, sagt Irina Heise, Leiterin des Jugend- und Bildungsamtes. Die Schüler zwischen Pirna, Neustadt/Sachsen und Sebnitz fahren hingegen weiter mit den Bussen, die im Schienenersatzverkehr unterwegs sind.

Dass der VVO trotzdem auf einen neuen Betreiber drängt, hat einen anderen Grund. Der Verkehrsverbund möchte einen starken, wirtschaftlich gesunden Partner haben, der das Dresdner Dieselnetz – zu dem die Strecken Heidenau – Altenberg, Dresden – Kamenz, Dresden – Königsbrück und Pirna – Neustadt – Sebnitz gehören – betreibt. Nach ihrer Insolvenz erfülle die Städtebahn nicht mehr dieses Kriterium, so Schlemper. Wenn die Städtebahn ihren Betrieb endgültig einstellen muss, haben deren Mitarbeiter gute Aussichten, neue Jobs zu finden. „Ihr Know-how ist gefragt“, sagt Sutter. Die Mehrkosten, die durch den insolvenzbedingten Ersatzverkehr angefallen sind, bezahlt indes der Steuerzahler, so Schlemper. Wie hoch die Mehrkosten sein werden, könne derzeit nicht genau abgeschätzt werden, da der Übergang noch nicht abgeschlossen ist, sagt Schlemper.

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