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Was Krug und Kate verbindet

Der Regio-Kulturverlag arbeitet an „Drehort Görlitz“, einer Broschüre zur Filmgeschichte.Sie soll pünktlich zu Weihnachten erhältlich sein – aber erst im nächsten Jahr.

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Von Daniela Pfeiffer

Wer ist der treueste Görlitz-Besucher überhaupt? „Der Film“, sagt Heiner-Michael Platner, Görlitzer Konzertveranstalter und Inhaber des Regio Kulturverlages Görlitz. Nach sechs Jahrzehnten Filmgeschichte und angesichts des spektakulären neuen Hollywood-Projekts in der Stadt dachten sich Platner und sein Mitstreiter Michael Gürlach, dass es höchste Zeit ist für eine schriftliche Würdigung des Ganzen. Eine Broschüre soll entstehen, die Touristen wie Einheimische gleichermaßen interessieren soll. Ein Heft, das voraussichtlich „Drehort Görlitz. Filmgeschichten aus sechs Jahrzehnten“ heißen wird und in dem Manfred Krug, Kate Winslet, Angelica Domröse und Quentin Tarantino zusammenkommen werden.

„Wir haben es bewusst Filmgeschichten genannt, denn es sollen Geschichten erzählt werden, die mit dem Drehort Görlitz in Verbindung stehen“, sagt Heiner-Michael Platner. Eine vollständige Filmgeschichte im Sinne einer Chronik werde es definitiv nicht, betont er. „Wir werden zum Beispiel den Jahrzehnten vor der Wende, in denen natürlich viel mehr Filme gedreht wurden als in den vergangenen 20Jahren, nur etwa 40Prozent der Broschüre widmen“, betont Platner. Der größere Anteil wird sich mit aktuellen Filmen befassen, den Hollywood-Produktionen, auf denen nunmal viel mehr Gewicht liege. Die DDR-Filme seien maximal von 17Millionen Menschen geschaut worden, während die großen Streifen der vergangenen Jahre, wie „Der Vorleser“, „In 80Tagen um die Welt“, „Lore“, „Inglourious Basterds“ oder „Die Vermessung der Welt“ ein Vielfaches an Zuschauern erreichen. Weltweit.

„Ich möchte das von Anfang an klar sagen, ohne das Empfinden vor allem der Alt-Görlitzer verletzen zu wollen, aber ich will auch keine falschen Erwartungen wecken“, sagt Heiner-Michael Platner. Natürlich sei bereits 1954 mit „Der Ochse von Kulm“ der erste Film in Görlitz gedreht worden, dem sehr viele folgten. Doch könne man sich nicht hauptsächlich und ewig in der Geschichte aufhalten.

Unterhaltsam und informativ soll das Gemeinschaftswerk von Platner und Gürlach sein. Mit vielen Bildern wollen sie es schmücken, zeigen, wer wo was gedreht hat, und das Ganze mit Anekdoten anreichern. Vor allem von Görlitzer Komparsen. „Es haben sich schon einige gemeldet“, sagt Platner. Wer noch die eine oder andere ganz besondere Geschichte zu erzählen hat, die über ein Händeschütteln mit einem Schauspieler hinausgeht, könne sich auch gern melden. Platner selbst hat vor drei Monaten Kontakt nach Potsdam-Babelsberg aufgenommen. Vor dort erhofft er sich viele Informationen und umfangreiches Bildmaterial. Ein bisschen Wissen wird er auch selbst beisteuern können. Denn der 63-Jährige war früher selbst im Filmgeschäft, hat für das DDR-Fernsehen Drehbücher geschrieben, ist beispielsweise mit Manfred Krug befreundet.

Bislang sind Platner und Gürlach noch in der Anfangsphase des Projekts. Fest steht, dass es nächstes Jahr pünktlich vor Weihnachten erscheinen und etwa 140Seiten stark sein soll. Sicher wird auch das neueste und wohl bislang bedeutendste Film-Kapitel der Stadt darin gewürdigt sein: Im früheren Hertie-Kaufhaus wird im Winter „The Grand Budapest Hotel“ gedreht.