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Was machen die Rehe im Vorgarten?

In Ebersbach-Neugersdorf sind die Waldbewohner inzwischen Gesprächsthema. Ihr Auftauchen hat auch etwas mit dem Wolf zu tun.

Rehe treiben sich längst nicht mehr nur auf Feldern und im Wald herum.
Rehe treiben sich längst nicht mehr nur auf Feldern und im Wald herum. © dpa

Dunkelfeuchte Augen, braunes Fell, „Bambiblick“: Seit dem Frühjahr tauchen in Ebersbach-Neugersdorf immer wieder mal Rehe auf. Sie kommen nah an die Siedlungen heran, zeigen offensichtlich wenig Scheu vor den Menschen. „Wir haben sie bei uns fast vor der Haustür gesehen“, erzählt Maurice Nesdropa. Der 19-Jährige griff zur Kamera und machte Fotos. Zuletzt vor wenigen Tagen von einem Rehkitz. Das springt vor einer Hecke herum. Im Hintergrund befinden sich die Häuser – nur wenige Meter vom Kitz entfernt. „Die Tiere sind auf und um den ehemaligem Sportplatz hinter dem Stad'l und dem angrenzenden alten Friedhof zu entdecken gewesen“, erzählt der junge Mann. 

Nun grübeln er und seine Eltern, woher die Rehe kommen und weshalb sie sich so nahe an bewohntes Gebiet heran trauen. Selbst im Vorgarten standen die Waldbewohner schon. Gesprächsthema in der Nachbarschaft seien die Rehe mittlerweile. Schon einige Einwohner hätten die Tiere zu Gesicht bekommen. „Die Rehe fraßen bei uns die Blumen weg“, berichtet Maurice Nesdropa. Vor allem auf die Stiefmütterchen hätten sie es abgesehen. Offensichtlich eine Delikatesse bei Familie Rotwild. Waren es im späten Frühling vermutlich zwei Ricken und ein Rehbock, seien in letzter Zeit nur noch eine Ricke, der Bock und neuerdings das Jungtier aufgetaucht. 

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Gesichtet wurden sie ebenfalls an einem abbiegenden Weg von der Hauptstraße. Vielleicht hätten die Wildtiere den ehemaligen Friedhof mit seinem alten Baumbestand als Revier auserkoren, mutmaßen Maurice und seine Familie. Ganz sicher sind sich die Neugersdorfer aber nicht. Aktuell jedenfalls sind die tierischen Stadtbesucher wieder verschwunden. In der Nähe finden Bauarbeiten statt. Das könnte dafür der Grund sein.

Dass Rehe und andere Wildtiere immer öfter in bewohnten Gebieten auftauchen, bestätigt Detlef Eckert, Vorsitzender vom Kreisjagdverband Oberlausitz. Ihm sei das schon einige Male zu Ohren gekommen. Wie oft genau, kann er nicht sagen. Der tierische Ausflug von Waldbewohnern in für sie untypische Gebiete sei unter anderem eine Reaktion des Wildes auf den Wolf, schätzt Detlef Eckert ein. Isegrimm würde Druck auf die Tiere ausüben, die sich dann auch mal außerhalb vom Forst aufhalten. Zudem würden Hundehalter nicht immer Rücksicht nehmen, unvernünftige Motorradfahrer und andere Fahrzeugführer scheuchten laut Eckert ebenfalls das Wild auf, was dann im Wald keine Ruhe fände. 

So ähnlich war das zumindest vor vier Jahren in Eibau. Da sorgte im August 2015 ein Reh für große Aufregung im Kinderzimmer. Der Vorfall schaffte es sogar in überregionale Medien. Das Tier war vermutlich durch einen Radfahrer aufgeschreckt worden und sprang durch die geschlossenen Scheiben eines Hauses. Dabei verwüstete das Reh in Panik die Inneneinrichtung. Geistesgegenwärtig öffnete der Hausbesitzer ein anderes Fenster. Das Tier flüchtete in die Freiheit. Bei dem spontanen Besuch des Rehs befand sich der Sohn des Hauseigentümers im Zimmer. Er blieb zum Glück unverletzt.

Bei Verkehrsunfällen geht das nicht immer so glimpflich aus. Von den 3.125 Wildunfällen im Vorjahr endeten 25 mit Verletzungen. 46 passierten auf der Autobahn und damit etwa ein Zehntel aller Verkehrsunfälle 2018. Vor zwei Jahren sorgte im Winter eine Rotte Wildschweine für einen Unfall auf der Bundesstraße 6 am Zoblitzer Berg unweit von Löbau. Ein Auto prallte gegen einen der Schwarzkittel, drei weitere Fahrzeuge fuhren über das verstorbene Tier. Es blieb bei Sachschaden. Einen Tag zuvor gab es an gleicher Stelle eine Kollision mit einem Reh.

An der Autobahn sind streckenweise Wildschutzzäune angebracht. Dennoch sei der Anteil der Wildunfälle im Vergleich zu den Gesamtunfallzahlen in der Polizeidirektion Görlitz doppelt so hoch wie im gesamtsächsischen Vergleich. So ist das auf der Internetseite der Polizei Sachsen aufgeführt. Da ist nachzulesen, dass laut einer Studie der TU Dresden das Verkehrszeichen „Achtung Wildwechsel“ keinen geschwindigkeitsmindernden Effekt auf Kraftfahrer habe. Umstritten seien außerdem die Wildwarnreflektoren. Die blau leuchtenden Reflektoren gibt es unter anderem auf der Strecke zwischen Reichenbach und Königshain beim Kanonenbusch. Mehrere Studien in Deutschland hätten den Nutzen der Reflektoren infrage gestellt. 

Mitten in Neugersdorf, Nähe Stadt Zittau, war ein junges Reh unterwegs. 
Mitten in Neugersdorf, Nähe Stadt Zittau, war ein junges Reh unterwegs.  ©  privat

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