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Löbau

So krempelt Corona die Arztpraxen um

Akute Erkrankungen, Zahnersatz, Schwangerschaft - Mediziner haben gut zu tun. Erste Fachärzte haben mangels OPs oder Terminen aber Sprechzeiten gekappt.

Ein Ideal in Zeiten von Corona: möglichst leere Wartezimmer.
Ein Ideal in Zeiten von Corona: möglichst leere Wartezimmer. © www.foto-sampedro.de

In der Löbauer Zahnarztpraxis von Armin und Andrea Schuster ist es spartanischer geworden: Wasserspender, Zeitschriften, Kinderspielzeug - alles weggeräumt, um dem Coronavirus kein Sprungbrett zu bieten. Die Zahl der Stühle im Wartezimmer ist von sechs auf vier geschrumpft. "Natürlich verschieben wir jetzt alle Behandlungen, die nicht nötig sind", sagt Armin Schuster, der mit seiner Mutter Andrea Schuster neben klassischer Zahnmedizin auch Kieferorthopädie anbietet.

Aber was ist nötig? Wie steht es mit dem Zahnersatz, für den die Krankenkassen bereits eine Bewilligung gegeben haben? "Das müssen wir im Fall des Falles entscheiden, denn diese Bewilligungen gelten nur für sechs Monate und die sind schnell vergangen", skizziert Armin Schuster die Lage und ergänzt: "Was wir angefangen haben, machen wir aber auch zu Ende, damit niemand unnötig mit einem Provisorium leben muss."

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Gleiches gilt für die Kieferorthopädie: Wenn es hier dringenden Behandlungsbedarf im Rahmen einer begonnenen Therapie gibt, werde das auch gemacht. Wobei Kieferorthopädie mit Blick auf die Infektionsgefahr gar nicht so problematisch ist, denn hier wird nicht mit Wassersprüher im Mund des Patienten gearbeitet wie bei einer normalen Zahnarztbehandlung. Da akute Fälle genauso oft wie üblich in der Praxis behandelt werden müssen, ist den Ärzten das Thema Schutzkleidung besonders wichtig: "Die ist kaum zu bekommen, wir hoffen, dass das mit der zentralen Bestellung funktioniert", erklärt Zahnarzt Schuster.

Allgemeinmediziner haben viel zu tun

Diesbezüglich hat die Zittauer Allgemeinmedizinerin Ilka-Maria Krause Glück: "Wir hatten aus der Schweinegrippezeit noch Schutzmaterial übrig, das kommt uns jetzt zugute", sagt sie. Aufgerüstet hat die Praxis dennoch: "Unsere Schwestern an der Anmeldung haben jetzt einen kleinen Käfig", beschreibt die Ärztin. Gemeint ist eine Plexiglasscheibe, die inzwischen in einigen Praxen und in Supermärkten die Menschen besser voneinander abschirmt.

Insgesamt laufe der Praxisbetrieb zu den gewohnten Sprechzeiten weiter, ebenso die Hausbesuche, betont Frau Krause: Akute Rückenschmerzen und Virusgrippe sind nach wie vor da. "Ich habe aber allen chronisch kranken Patienten, die versorgt sind und nur zur Kontrolle kämen, abgesagt", erklärt sie. Weiterführende Rezepte werden derzeit postalisch versandt.

Von Videosprechstunden ist Ilka-Maria Krause aber nach wie vor nicht überzeugt. Da setze sie lieber auf eine persönliche Untersuchung, wobei die Bestellzeiten jetzt etwas mehr gestreckt werden, damit sich möglichst wenig Patienten im Wartezimmer aufhalten. Zum Glück hatte die Ärztin bislang noch keinen wirklich schlimmen Corona-Verdacht. "Aber es gab Fälle, wo sich die Patienten und auch ich nicht sicher waren, ob sie sich infiziert haben könnten", betont sie.

Ärzte trennen Patienten und Sprechzeiten

Betont sachlich und strukturiert geht auch die Herrnhuter Hausarztpraxis von Kay Herbrig mit der Lage um: Er und sein Kollege Thomas Pfefferkorn arbeiten gewissermaßen im Schichtdienst in getrennten Sprechstunden und getrennten Räumlichkeiten, damit sich möglichst wenig Patienten begegnen. Er spüre, dass die Leute verhaltener in die Sprechstunde kommen und besorgter sind, sagt aber auch: "Gallensteine machen auch bei Corona keine Pause." Zusätzlich nutzt Herbrig vermehrt Möglichkeiten der modernen Medizin - per telefonischer Betreuung, um die Besuche in der Praxis zu minimieren.

Das geht in Kinderarztpraxen natürlich schlecht - denn die kleinen Patienten können ihre Beschwerden selten verlässlich beschreiben. Deshalb achten Kinderärzte sehr auf die Trennung von gesunden und akut erkrankten Kindern. In der Löbauer MVZ-Praxis setzt Ärztin Katharina Leopold von Anfang an auf getrennte Wartezimmer für gesunde Kinder, die zu den nötigen und vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen kommen, und erkrankte Kinder. Das kommt ihr jetzt zugute, damit sie ihren Praxisalltag weitgehend normal fortführen kann.

Corona-Patientin muss auch zum Frauenarzt

Fortgeführt werden auch die Vorsorgeuntersuchungen für werdende Mütter. "Dazu sind wir auch angehalten", betont die Zittauer Gynäkologin Iris Jaenicke. Insgesamt besuchen in diesen Tagen deutlich weniger Patientinnen ihre Praxis, in der wie überall die Hygiene- und Abstandsregeln im Wartezimmer angehoben wurden. Neben Schwangeren und akut Erkrankten werde mit allen, die einen Vorsorgetermin haben, besprochen, ob sie ihn wahrnehmen wollen, erklärt die Ärztin. Viele verzichten. "Es sind Ängste da und die sind auch nicht unberechtigt", sagt Iris Jaenicke. In der Tat, wie sich vor Kurzem zeigte: Eine Frau aus Zittau, die positiv getestet wurde, ist schwanger.

Bleibt die Frage, ob das Ausdünnen der Patientenzahlen durch den Wegfall von Vorsorgeuntersuchungen und dem Verschieben von geplanten OPs bei den niedergelassenen Ärzten zu wirtschaftlichen Problemen führen kann - erste Facharztpraxen wie eine HNO-Praxis in Löbau haben wegen Corona bereits ihre Öffnungszeiten reduziert.

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Sie ist nur noch an vier Wochentagen am Vormittag im Dienst. Zumindest bei den Fachärzten ist das nicht auszuschließen, hängt aber sehr stark davon ab, ob man eine gut und lange etablierte Praxis hat oder man gerade viele Kredite zu bedienen habe, bestätigt in diesem Zusammenhang der Löbauer Zahnarzt Schuster. Er persönlich sieht Arztpraxen jetzt nicht an vorderster Stelle in Gefahr. Aber natürlich sind auch niedergelassene Ärzte Unternehmer - und tragen in solchen Fällen ein Risiko.

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