merken
PLUS Feuilleton

Was macht das Fernsehen ohne Olympia?

Die Fernsehsender müssen mitten im Sommerloch hunderte Stunden Programm füllen. Und das, obwohl Produktionen ohnehin knapp sind.

Tokyos Olympische Spiele sind verschoben - einigen Demonstrierenden reicht das nicht.
Tokyos Olympische Spiele sind verschoben - einigen Demonstrierenden reicht das nicht. © kyodo/dpa

Von morgens bis abends olympische Wettkämpfe im Fernsehen – darauf hatten sich viele Sportfans in diesen Wochen gefreut. Denn ursprünglich sollten die – offiziell – Spiele der XXXII. Olympiade vom 24. Juli bis 9. August 2020 stattfinden, doch wegen der sich ab dem Frühjahr 2020 weltweit ausbreitenden Covid-19-Pandemie wurden sie um fast genau ein Jahr verschoben. 

Damit wurden erstmals Olympische Spiele außerhalb des üblichen 4-Jahres-Rhythmus angesetzt. Nicht nur Sportler und Fans haben damit ihre Not. Auch für die Sender ist die Verschiebung der Sommerspiele in Tokio 2021 unangenehm – und sie führt zu einigen Problemen.

Anzeige
So natürlich ist unser Trinkwasser
So natürlich ist unser Trinkwasser

Trinkwasser aus der Leitung muss chemisch gereinigt werden, Mineralwasser hingegen stammt aus einer geschützten Quelle. Doch welches ist besser?

Wie viele Stunden TV-Programm fallen aus?

Insgesamt rund 260 Stunden Live-Berichterstattung hatten ARD und ZDF in den Olympia-Wochen geplant, dazu Berichterstattung in den Nachrichten- und Magazin-Sendungen. „Wir können das Programm mit Sport nicht füllen, nicht im Ansatz“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Da auch die Fußball-Europameisterschaft verschoben worden war, musste das Erste „etwa 200 Stunden Ersatzprogramm aus dem Boden stampfen“, wie der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow sagte. Ähnlich sind die Zahlen beim ZDF.

Was hat das für finanzielle Auswirkungen?

Spareffekte durch den Ausfall von Olympia und Fußball-EM gibt es in diesem Jahr nicht. „Es wird eher teurer“, sagte der ARD-Vorsitzende. Denn es „werden beide Großveranstaltungen im nächsten Jahr nachgeholt“. Und das Ersatzprogramm koste auch.

Was bedeutet die Verschiebung für die Planung?

Die knapp zweijährige Vorbereitung der TV-Sender für Tokio war vergeblich. Auch wenn für das kommende Jahr nicht alles neu konzipiert werden muss, geht es in vielen Bereichen wieder von vorne los. „Ein Problem ist, dass wir uns jetzt eigentlich schon mit der Vorbereitung von der Winter-Olympia 2022 in Peking beschäftigen müssen“, erklärte der ZDF-Sportchef.

Welche Unsicherheiten gibt es?

„Ich schaue mit Interesse auf alle Meldungen aus Tokio“, sagte Fuhrmann: „Ob die Olympischen Spiele tatsächlich stattfinden, kann momentan niemand sagen.“ Daher laufe vieles unter Vorbehalt. „Es fehlt die Planungssicherheit“, so der ZDF-Mann und: „Fußballspiele funktionieren ohne Publikum, aber Olympia ohne Zuschauer kann ich mir nicht vorstellen.“

Was zeigen die Sender statt Sport?

Wiederholungen und noch mehr Wiederholungen, vor allem Filme und Serien. „Auch in Nicht-Sportjahren werden in den Sommermonaten mehr Wiederholungen gezeigt als sonst“, so Buhrow. Kurzfristig ließen sich keine Neu-Produktionen erstellen, und durch die Corona-Krise sei zuletzt ohnehin weniger gedreht worden.

Welche Sportsendungen gibt es?

Live-Sport ist in diesen Wochen ein rares Gut. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am zweiten August-Wochenende in Braunschweig. Am Samstag wird die ARD nach Veranstalter-Angaben fast drei Stunden im Hauptprogramm live übertragen und am Sonntag das ZDF. Das Zweite zeigt zudem unter „zdfsport.de“ bis 9. August „Olympische Momente“ von früheren Spielen.

Was macht Eurosport?

Härter als ARD und ZDF trifft die Verlegung von Olympia vor allem Eurosport. Der Spartensender kann sein Programm nicht mit Film- und Serien-Wiederholungen füllen und greift auf Aufzeichnungen alter Sport-Übertragungen zurück. Zu den wenigen Live-Übertragungen gehören nach Senderangaben Snooker, Radsport und Formel E. (dpa)

Mehr zum Thema Feuilleton