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Was macht die Kirchenbank im Partyraum?

Lange verfiel ein Haus an der Pulsnitzer Straße in Kamenz, bis Jens Krüger daraus einen Platz zum Feiern machte. Dort steht nun eine besondere Errungenschaft.

Jens Krüger in seinem Partyraum "Siebzig" an der Pulsnitzer Straße in Kamenz. Die alte Kirchenbank von 1830 aus der Klosterkirche ist die neueste Errungenschaft des Lehrers.
Jens Krüger in seinem Partyraum "Siebzig" an der Pulsnitzer Straße in Kamenz. Die alte Kirchenbank von 1830 aus der Klosterkirche ist die neueste Errungenschaft des Lehrers. © Matthias Schumann

Kamenz.  Da steht es - das gute Stück. Eine frisch aufgearbeitete Kirchenbank aus dem Jahr 1830. Sie füllt mit ihren sechs Metern die komplette Fensterfront des Partyraumes in der "Siebzig" an der Pulsnitzer Straße in Kamenz. Bald werden hier die ersten Gäste sitzen und ein Bier genießen. Doch keine Spur von Blasphemie!

Jens Krüger streichelt liebevoll über das uralte Eichenholz. Viel Arbeit steckt da drin. Unzählige Stunden, in denen der Kamenzer die Bank fachmännisch aufgearbeitet hat. Freunde und Bekannte halfen. Bereits vor zehn Jahren hatte er sich das ungewöhnliche Möbelstück gesichert. "Es wurde Zeit, dass ich die Kirchenbank aus dem Carport geholt habe und das aufwändige Projekt endlich angegangen bin", sagt der Gymnasiallehrer.

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Einst gehörte die Bank zum Gestühl der Klosterkirche zu Kamenz. Ende August 2011 konnte St. Annen nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet werden. In Kooperation der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde mit der Stadt wurde dort zugleich ein Sakralmuseum eröffnet.

Jens Krüger war damals schon Mitglied des hiesigen Kirchbauvereins. "Wir haben die Bänke mit ausgebaut und sie erst einmal in der ehemaligen Sparkasse an der Zwingerstraße eingelagert", erzählt er. Heute  ist dieses Haus längst saniert, befinden sich Arztpraxen darin. Krüger sicherte sich damals eine der langen Bänke. "Was mit den anderen passiert ist, weiß ich nicht", sagt er.

Wo Lehrer Doppelkopf spielen

Gut für die Kirchenbank, dass sie Jens Krüger ins Auge stach. Denn der hat ein Faible für alte Sachen und ihre Historie. Seit Jahren ist er obendrein Hausbesitzer an der Pulsnitzer Straße. Eigentlich hatte er schon mit  seinem Wohnhaus ein paar Meter weiter genug zu tun. Aber dann kam er noch zum Nebengelass Nummer 70. 

Selbiges war ziemlich alt, auch der Garten dahinter. Im Sommer wuchs das Gras kniehoch. „Ich habe einfach dort mit gemäht. Die ehemaligen Besitzer, alte Leutchen, waren ins Heim gezogen. Und es stand lange Zeit leer. Eines Tages sahen mich Spaziergänger dabei, und ich dachte mir: Rufst du besser mal bei den Kindern an und erklärst, warum du hier auf ihrem Grundstück herumwirbelst“, sagt der 52-Jährige lachend. 

Und das war gut so. Vor allem für das uralte Gemäuer. Die Besitzer wechselten. Da Krüger nicht noch mehr Wohnraum brauchte, baute er mit Freunden das Haus in eine Freizeitoase um. Dart-Ecke, Skat-Stube, ein Fetenraum – das schwebte ihnen vor. In Szenekreisen wird das Objekt seitdem die "Siebzig" genannt.  Freunde und  Bekannte feiern hier mittlerweile. Auch der Doppelkopf-Stammtisch der Gymnasiallehrer trifft sich regelmäßig.

Das älteste Fenster der Stadt

"Das  Erdgeschoss war einst in desolatem Zustand, enthüllte aber nach und nach seine Pracht. Wie alt das Gemäuer ist, weiß keiner. In der Pulsnitzer Vorstadt ist nicht viel verbrieft“, so Krüger.  Ein uraltes Holzfenster, welches vor Jahrzehnten zugemauert worden war, wurde auch freigelegt. „Es ist eines der letzten erhaltenen Holzfenster der Stadt“, sagt Jens Krüger stolz. Es könnte aus dem 16. Jahrhundert stammen.  

Mit der Kirchenbank - die vom Fachmann gekürzt werden musste und dann einfach um die Ecke gebaut wurde - ist der Partyraum komplett. Oder? "Ich denke, hier kommt noch einiges im Laufe der Zeit dazu", lacht Jens Krüger. Erst einmal muss aber die Bank eingeweiht werden. 

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