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Was macht die Miez im Fundbüro?

Großenhains Tierschützer sind sauer: Weil laut Gesetz Katzen als Sache gelten, fühlen sich manche Städte nicht zuständig für die Vierbeiner. Bis jetzt.

Noch immer werden Katzen ausgesetzt, wie Pussy aus dem Tierheim.
Noch immer werden Katzen ausgesetzt, wie Pussy aus dem Tierheim. © privat

Landkreis Meißen. Wenn das Telefon klingelt, ist Armin Krake schon in Halbachtstellung. Zumindest momentan befürchtet der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereines, dass in irgendeiner Ecke des Landkreises schon wieder eine Streunerkatze aufgefunden worden ist. Eine zuviel. Sowieso und gerade zurzeit, wo alle Unterbringungsmöglichkeiten restlos ausgereizt sind. 

„Die Kapazitäten der Pfötchenhilfe Priestewitz sind ebenso erschöpft wie die der Pflegestellen in Coswig und anderen Teilen der Region“, bekennt Armin Krake. Das ausgerechnet jetzt, da die Temperaturen kontinuierlich in Richtung null Grad und bald einsetzenden Nachtfrösten tendieren, immer noch Katzen ausgesetzt werden, ist für den passionierten Tierschützer einerseits moralisch unverzeihlich. Andererseits trete damit aber auch ein massives Problem zutage, mit welchem der landkreisweit tätige Verein seit Jahren zu kämpfen habe. 

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„In der vergangenen Woche hatten wir beispielsweise den Fall, dass eine Familie dem zuständigen Ordnungsamt mitgeteilt hat, das sich zwei frei lebende Katzen in ihrem Grundstück aufhalten. Sie bekamen zur Antwort, diese würden sich schon wieder woanders hin verziehen“, erzählt Armin Krake.

Der Vorfall mache sehr deutlich, wie es um den Tierschutz im Land Sachsen bestellt sei. Es gebe keine klaren, verbindlichen Regelungen, und jede Kommune könne tun und lassen, was sie will. Da spielen weder das Tierschutzgesetz eine Rolle, noch die Tatsache, dass die Verwahrung von Fundsachen eigentlich eine Pflichtaufgabe wäre.

 Immerhin müsse die Kommune nach Paragraf 2 der sächsischen Gemeindeordnung sogenannte Fundtiere entgegennehmen und ihnen eine artgerechte Pflege, Ernährung und Unterbringung gewährleisten. 

Allerdings: genau da liege die Schwierigkeit. Während von der Polizei aufgegriffene Hunde schon von vorn herein als gefährlich eingestuft werden, um deren Verbleib man sich tatsächlich kümmern müsse, sei das bei ausgebüchsten Katzen oder Streunern ganz anders. Die Miezen würden juristisch zwar als ein Gegenstand oder eine Sache betrachtet. „Das bedeutet theoretisch, wer eine findet, könnte sie ins städtische Fundbüro bringen und das müsste sich eigentlich darum kümmern“, gibt Armin Krake zu bedenken.

In der Praxis schaue das indes vollkommen anders aus. Da würde im besten Falle der Tierschutzverein alarmiert und gehofft, die ehrenamtlich Engagierten, würden der heimatlosen Fellnase schon eine neue Unterkunft verschaffen. „Unseren Verein ärgert besonders die Intransparenz, wie jede Kommune die Angelegenheit regelt. In Großenhain etwa sei die Verfahrensweise geregelt – die Röderstadt fühle sich für derlei Tiere in Not verantwortlich. 

Ganz anders dagegen in den ländlichen Gemeinden. Da gebe es eben keinerlei Anleitung zum Handeln. Vor allem deshalb, weil man paradoxerweise den Standpunkt vertrete, Katzen würden sich schon selbst einen für sie geeigneten Aufenthaltsort suchen. „Was sogar zutrifft, jedoch mit der fatalen Folge, dass, wie vielerorts geschehen, wilde Populationen entstehen und sich die Tiere ungehindert vermehren.“

 Der Ausbreitung von Krankheiten und Keimen werde damit jeglicher Weg eröffnet. Eine Situation, die Sachsens Tierschützer so nicht mehr hinnehmen wollen. Auf Initiative des Freitaler Vereins wolle man sich gemeinsam mit Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes am Donnerstag zu einem Erfahrungsaustausch in Leipzig treffen. 

Auch eine Großenhainer Vertreterin werde teilnehmen. „Es ist dringend notwendig, dass sich etwas ändert! Staat und Gesellschaft können nicht einfach tatenlos zuschauen“, betont Krake. Auch wenn ehrenamtliches Engagement im Sinne von Natur und Tier heute geradezu schick sei. Sich allein darauf verlassen, dürfe man nicht.

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