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Was macht die Wildsau im Schlafsaal?

In den Nischen des Raumes gibt es viel zu entdecken: Sterne, Kreise und Bilder sind Hinweise auf eine frühere Nutzung.

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Von Tina Soltysiak

Nur, wer genau hinschaut, kann die Umrisse eines Wildschweines erkennen. Es steht direkt vor einem Haus. Bäume runden dieses zum Teil geritzte, zum Teil gemalte Natur-Stillleben ab. Es ist eine der jüngsten Entdeckungen von Thomas Schmidt, Restaurator im Kloster Buch.

Kreise, blumenähnliche Muster und verschiedene Farben sind zu sehen.
Kreise, blumenähnliche Muster und verschiedene Farben sind zu sehen.
Besonders ungewöhnlich ist die Darstellung eines Wildschweines.
Besonders ungewöhnlich ist die Darstellung eines Wildschweines.

Geschaffen hat das Werk ein Mönch. Gefunden wurde es in einer Nische des Dormitoriums. So wird der Schlafsaal der Mönche bezeichnet. Die Malerei wirkt, wie mit einer grünen Farbe gemalt. „Weiß, rot, schwarz und grau waren die Farben, die die Mönche am meisten verwendet haben“, erklärt Schmidt. Auch deshalb falle dieses kleine Bild aus dem Rahmen.

In einer anderen Nische direkt daneben sind zahlreiche Sterne zum Vorschein gekommen. Es seien Negativabdrücke von Holz gefunden worden. „Vermutlich stand hier mal ein Wandschrank, der als Schrein genutzt wurde“, erzählt Thomas Schmidt. Diese Vermutung sei nicht abwegig, denn die halbrunde Nische ist nach Osten hin ausgerichtet. Und außer den Sternen sind einige Buchstaben zu sehen. Das lasse auf eine Inschrift schließen.

Malverbot für Mönche

Diese farbigen Malereien finden sich vor allem in den Nischen des Schlafsaals. Diese Bezeichnung sei jedoch nicht ganz korrekt. Denn es sei belegt, dass das Areal in Zellen unterteilt war. So hat vermutlich jeder Mönch die Gelegenheit gehabt, sein eigenes Bild zu malen. Bei der Untersuchung durch den Restaurator sind mehrere Farbschichten zutage getreten. So sind auf der untersten Schicht kreisförmige Ritzungen zu sehen. Darüber wurde dann die Naturszene mit dem Wildschein gemalt. „Eigentlich waren den Zisterziensern Bilddarstellungen verboten. Das sagten die Ordensregelungen im 13./14. Jahrhundert“, erzählt Thomas Schmidt.

Zerstörung durch Landwirtschaft

Bedauerlich sei, dass einige Malereien – nicht nur im Dormitorium – aufgrund der landwirtschaftlichen Nachnutzung des ehemaligen Zisterzienserklosters unwiederbringlich verloren sind. „Durch den Scheuneneingang zum Beispiel sind Wandmalereien gestört“, so Schmidt. Der Restaurator ist sich sicher, dass noch weitere, von Mönchen gezeichnete und geritzte Darstellungen im Schlafsaal zu finden wären. Denn es sind noch nicht alle Nischen freigelegt. „Dafür ist momentan kein Geld da“, sagt er. Der Förderverein investiert gerade nahezu ausschließlich in die Sicherung und Sanierung des Daches des gegenüberliegenden Abthauses. Im vergangenen Jahr hatte der Verein 1 500 Euro von der Leisniger Charlotte-Weiß-Stiftung für die „museale Präsentation der Laienmalereien von Mönchen im Dormitorium“ erhalten. Mit dem Geld konnten dringend notwendige Elektroarbeiten in Auftrag gegeben und bezahlt werden.

Wenn Thomas Schmidt Besucher des Klosters durch den Schlafsaal führt, laufen sie auf einem hölzernen Steg entlang. Dieser ist vor rund zwei Jahren gebaut worden. Er soll sowohl den Besuchern Sicherheit geben als auch den Fußboden für weitere Untersuchungen schützen. Damit das darunterliegende Gewölbe für die Gäste in seiner vollen Pracht sichtbar wird, sei geplant, das Provisorium zu verändern. „Der Laufsteg soll noch hergerichtet und verglast werden“, erzählt Thomas Schmidt. Wann das passiert, sei noch unklar. Auch hier gelte das Motto: ein Schritt nach dem anderen. Erst muss das nötige Kleingeld in der Vereinskasse sein.