merken
PLUS Sachsen

Was man zur Großübung "Defender" wissen muss

Die größte Übung seit 25 Jahren führt durch den Freistaat. Zu den Folgen gehört nächtlicher Lärm – und Unmut im Osten.

Wie hier in Mecklenburg-Vorpommern sind US-Truppen gen Polen unterwegs. Auch durch Sachsen werden sie rollen.
Wie hier in Mecklenburg-Vorpommern sind US-Truppen gen Polen unterwegs. Auch durch Sachsen werden sie rollen. © dpa/Jens Büttner

Alles an der Übung klingt imposant. Zahlen, Titel, Namen. Seit einem Vierteljahrhundert hat die Nato nicht mehr in so großem Stil geübt. Im Januar hat „Defender Europa“ begonnen, Mitte März soll die Übung Sachsen erreichen. 

20.000 amerikanische Soldatinnen und Soldaten verlegen über den Atlantik und Zentraleuropa nach Polen und ins Baltikum. Weitere US-Kräfte und die der 17 beteiligten Staaten aus Europa kommen hinzu. 37.000 Menschen üben letztlich für den Ernstfall, die militärische Verteidigung Europas. Die Rückverlagerung soll im Juli abgeschlossen werden. 

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Am Mittwoch informierte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Frankenberg gemeinsam mit Militärvertretern, lettischer Botschafterin und US-Generalkonsul über Hintergründe und Folgen der Übung.

© SZ Grafik

Etwa 3.000 US-Soldaten werden sich von Mitte März bis Ende April durch Sachsen bewegen. Der erste Teil wird auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser rasten und übernachten, bevor er gen Osten weiterfährt. Nach Ostern soll es Truppentransporte über die Bundesstraßen B115 und B156 sowie die Autobahnen A72 und A4 geben. Mit Rast und Betankung in Frankenberg und Übernachtung in der Oberlausitz. Die Militärkolonnen werden vor allem nachts durch Sachsen fahren, um den Autobahnverkehr möglichst wenig zu stören. Eine Kolonne ist im Schnitt 1,2 Kilometer lang und besteht aus 20 Lkw, die Geräte wie Panzer gelagert haben. Die betroffenen Kasernen in Sachsen sind geübt in den Aufgaben, die ihnen zukommen. Sie sind vor allem für die effiziente Umverlagerung und Infrastruktur verantwortlich.

Ministerpräsident verteidigt die Nato

Michael Kretschmer positionierte sich am Mittwoch klar als Befürworter des Nato-Einsatzes. Die Sicherheit Europas sei nicht so garantiert, wie man es lange gehofft habe, sagte er. Deutschland müsse in die Nato investieren, die Landesregierung bekenne sich zur „Steigerung der Verteidigungsausgaben.“ Sicherheit, so der CDU-Landeschef, sei „nur dann gewährleistet, wenn man eine eigene Stärke hat, eine eigene Möglichkeit, sich zu verteidigen.“ Auch mit Blick auf die anwesende Botschafterin Lettlands sagte er, dass osteuropäische Mitgliedsstaaten eine andere Bedrohungslage spüren würden. Den Nato-Einsatz ertrage man in Sachsen nicht, sondern man habe ihn „gemeinsam gewollt“.

Timothy Eydelnant (l-r), amerikanischer Generalkonsul, Inga Skujina, lettische Botschafterin, und Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen.
Timothy Eydelnant (l-r), amerikanischer Generalkonsul, Inga Skujina, lettische Botschafterin, und Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. © dpa-Zentralbild

Wen die Übung adressiert, sprachen die Beteiligten am Mittwoch nur teilweise konkret aus. US-Generalkonsul Timothy Eydelnant sagte, dass die Übung sich „nicht gegen ein bestimmtes Land“ richte und „nichts mit Bedrohung oder Provokation zu tun“ habe. Es gehe um Unterstützung und „glaubwürdige Abschreckung“. Dabei hat die Nato überhaupt erst als Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland beschlossen, häufiger international zu üben. Michael Kretschmer erinnerte daran, dass er sich immer wieder für ein gutes Verhältnis zu Russland eingesetzt habe. 

Den Einsatz halte er dennoch für richtig. „Wir werden in diesem Jahr mindestens zwei Mal nach Russland fahren, mit den politisch Verantwortlichen, mit der Regierung sprechen.“ Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte im Februar, dass man auf die Übung reagieren werde. Man könne Prozesse nicht ignorieren, „die große Sorgen erregen.“ Das werde man auf eigenem Territorium und nicht in „unnötig riskanter“ Weise tun.

Protest und Akzeptanz

Kretschmer lobte die „große Gastfreundschaft“ und Unterstützung der Sachsen für den Einsatz. Doch ist das wirklich so? Gegen eine Nato-Übung im vergangenen Jahr regte sich unter anderem in der Oberlausitz Unmut. In Frankenberg stehen am Mittwochvormittag drei Menschen mit Protestbanner vor der Kaserne. In der Innenstadt reagieren die Leute mit Schulterzucken. „Ich habe kein Problem damit, irgendwo müssen die ihren Sprit ja auftanken“, sagt ein Rentner. 

Weiterführende Artikel

USA schicken Streitkräfte nach Deutschland

USA schicken Streitkräfte nach Deutschland

600 Soldaten sollen im Juli an einer Übung teilnehmen, die wegen der Corona-Pandemie zunächst abgesagt wurde.

Militärhubschrauber über Mittelsachsen

Militärhubschrauber über Mittelsachsen

Anfang April wunderten sich viele Anwohner über Flugzeugkrach über dem Landkreis. Grund dafür waren Militärstreitkräfte.

Defender-Militärmanöver wird beendet

Defender-Militärmanöver wird beendet

Die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte seit 25 Jahren muss wegen Corona vorzeitig eingestellt werden.

Linke protestieren gegen Kriegsmanöver

Linke protestieren gegen Kriegsmanöver

Mit einer Kundgebung in Zittau setzt die Partei ein Zeichen gegen "US Defender Europe 2020" - und fordert nichts weniger als die Auflösung der Nato.

Das kommt mit Defender noch auf uns zu

Das kommt mit Defender noch auf uns zu

Vor allem nachts rollen US-Militärkolonnen durch die Oberlausitz. Am Sonntag kann man sich informieren: in der Eisarena Weißwasser.

Eine Frau ähnlichen Alters gibt an, den Einsatz „nicht in Ordnung“ zu finden, die Konvois würden Stau verursachen. Ein 50-Jähriger, der in unmittelbarer Nähe der Kaserne wohnt, sagt, dass man es gewohnt sei. „Nachts gibt‘s bissel Krach, dann sind se wieder weg, stört mich nicht.“ Dass es andere Meinungen als die der Landesregierung gibt, sei ihm bewusst, sagt Kretschmer. Als Entschädigung will er die Konzerte einer US-Army-Band am kommenden Wochenende in Weißwasser und Frankenberg aber nicht verstanden wissen. Sie seien ein „sympathisches Angebot“ der Amerikaner.

>> Abonnieren Sie den täglichen Newsletter "Politik in Sachsen - Die Morgenlage". Damit sind Sie immer bestens über das Geschehen in Sachsen informiert.<<

Mehr zum Thema Sachsen