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Löbau

Was Mühlen-Experten in die Gegend zieht

Eine internationale Gruppe besucht derzeit die südliche Oberlausitz, um sich Mühlen-Standorte anzusehen. Diese bieten eine Einmaligkeit.

Mühlenexperten aus der ganzen Welt haben die Oberlausitz besucht, um sich Bauwerke anzuschauen - natürlich auch das Mühlendorf Oderwitz.
Mühlenexperten aus der ganzen Welt haben die Oberlausitz besucht, um sich Bauwerke anzuschauen - natürlich auch das Mühlendorf Oderwitz. ©  privat

Der "Hopperboy" hat es ihnen angetan. Womit die wenigsten etwas anzufangen wissen, kennen die 40, teils weitgereisten Damen und Herren genau. Sie sind in diesen Tagen in der südlichen Oberlausitz unterwegs und alle Mitglieder der "The International Molinological Society" (Tims). Dahinter steckt die seit 1965 aktive, weltweit einzige Organisation, die sich mit Mühlen aller Art befasst und inzwischen rund 500 Mitglieder in über 30 Ländern hat. Unter ihnen sind Mühlenbesitzer und -liebhaber, Wissenschaftler, Techniker, Historiker und Archäologen zu finden.

Und so kommen sie zum Oberlausitz-Besuch aus allen deutschen Bundesländern, Italien, den Niederlanden, Japan und den USA. Genau wie auch jener "Hopperboy". Dabei handele es sich um ein sogenanntes Kühlschiff, einen drehbaren Rechen, der das Getreide beim Mahlen immer wieder wende und so die durch die Reibung entstehende Wärme ausgleicht, erklärt Tims-Vizepräsident Gerald Bost. Im 19. Jahrhundert sei immer die Frage aufgekommen, warum das amerikanische Mehl viel länger haltbar sei als das deutsche, erzählt der 70-jährige Berliner. Erst 1834 erkannten zwei deutsche USA-Studenten das Geheimnis und brachten es – fast wie Spione – mit nach Hause. Und was hat das Ganze mit uns zu tun? Dazu Gerald Bost:

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"Bei unseren Jahressymposien organisieren wir immer eine Vorher- und eine Abschlusstour, wo jeder teilnehmen kann, der will." Und das nächste ist vom 17. bis 25. August in Berlin. Er selbst habe diesmal bewusst die Oberlausitzer Standorte ausgewählt, da ihm diese schon länger bekannt seien und sie zudem Einmaligkeit zu bieten hätten, so der Vize-Präsident. Eben jenen "Hopperboy". Der findet sich nämlich tatsächlich sowohl an der noch immer flügellosen Hetzemühle im Leutersdorfer Ortsteil Hetzwalde als auch an der Bockwindmühle auf dem Kottmarsdorfer Pfarrberg. 

Ein weiterer Höhepunkt des Besuchsprogramms sind die für Gerald Bost die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche. "Es gibt in Deutschland kaum noch so eine Anlage, in welcher man nicht nur die Steine selbst ansehen kann, sondern alles erklärt und vorgeführt bekommt", sagt er. "Viele aus meiner Reisegesellschaft erleben das zum ersten und vielleicht aufgrund ihrer langen Anreise auch zum letzten Mal."

Beim aktuellen Besuch der internationalen Gäste gehe es nicht nur um das bloße Anschauen, so der Vize-Präsident. Man wolle zudem Erfahrungen sammeln, wie man an den Oberlausitzer Beispielen die Arbeit zu Hause vielleicht mit neuen Anregungen weiterführen könne. Das Gespräch mit den Menschen vor Ort sei dabei wichtigste Quelle, sagt Bost. So gesehen ist diese Mühlen-Tour durch die Oberlausitz nicht nur simples Schauen, Fotografieren und wieder weg, sondern bereits ein erster Teil der während des eigentlichen Symposiums in der nächsten Woche vermittelten Weiterbildung. Die steht unter dem Motto: "Mühlen in der Historie und Archäologie".

"Wir dürfen nicht im eigenen Saft schmoren", meint er, "sondern müssen die Menschen und vor allem auch die Politiker in den Städten, Gemeinden, Regionen und Ländern dafür sensibilisieren, uns bei der Pflege und Erhaltung dieses Kulturerbes zu unterstützen."

Auch am Rande des Berliner Programms sind Exkursionen in das Umfeld bis hin nach Brandenburg vorgesehen. Eines der Ziele ist wohl die Britzer Mühle, Wirkungsstätte in der ehrenamtlichen "normalen Alltagstätigkeit" von Gerald Bost. Diese erfreue sich am Rande der Hauptstadt großer Beliebtheit, betont er, der dort seit Jahren als Ausbilder für Hobby-Müller und Mühlenführer tätig ist. Ein solcher Kurs dauere immerhin eineinhalb Jahre. Großes Interesse gebe es auch seitens der umliegenden Schulen. Manchmal habe man zwei Klassen täglich zu Gast, berichtet Bost. Für ihn eine überaus erfreuliche Sache.

Auch nach dem 25. August fahren nicht alle der etwa 100 Teilnehmer umgehend wieder nach Hause. Für Interessenten folgt diesmal die bereits erwähnte Abschlusstour in den Harz und Richtung Braunschweig.      

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