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Was nun mit dem Lärm?

Pulsnitz und Ohorn fordern Schutz vor dem Krach im Straßenverkehr. Umgehung für Pulsnitz wird neu geprüft.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Pulsnitz/Ohorn. Lärm macht krank. Das hat die EU erkannt. Lärmaktionspläne haben deshalb Konjunktur. Die Ergebnisse sind noch mager. Pulsnitz und Ohorn schlagen sich derzeit mit dem Thema herum. In Pulsnitz liegt jetzt der Entwurf für einen solchen Plan auf dem Tisch. Allerdings ohne konkrete Maßnahmen. Die Stadt habe weder die nötigen Finanzreserven noch den entsprechenden Handlungsspielraum. Bei einer Staatsstraße seien übergeordnete Behörden wie der Freistaat in der Pflicht, heißt es. Größter Lärmfaktor in Pulsnitz ist der Straßenverkehr auf den Staatsstraßen 95/56 zwischen Mittelbacher Straße bis zum Wettinplatz mit dem Schützenhaus.

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Die Situation ist unbefriedigend. So gibt es im Ergebnis von Berechnungen klare Aussagen, wie viele Anwohner betroffen sind. Das summiert sich in Pulsnitz auf bis zu knapp 200, für die die Belastung hoch ist. In Ohorn betrifft es Anwohner an der Autobahn. Dass Veränderungen nötig sind, ließ zum Beispiel Stadträtin Heike Kühnel (CDU) unmissverständlich wissen: „Die Häuser wackeln, außer sonntags.“ Ähnlich leiden die Anwohner in Ohorn. Doch bisher hat der Lärmaktionismus der Vorjahre kaum etwas gebracht. Ist es ein zahnloser Tiger? Das sächsiche Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) warnt selbst vor zu hohen Erwartungen an die eigene Behörde und verweist auf die Möglichkeiten der Kommunen. Die geben den Ball aber prompt zurück. Rückendeckung kommt aber vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Das ist federführend in der Lärmaktionsplanung. Das Landesamt unterstützt die Kommunen und sieht ebenfalls kaum Gestaltungsraum bei den Gemeinden. Das ist der Antwort auf eine Anfrage der SZ zu entnehmen. Pulsnitz hat das jetzt auch in seinem Lärmbericht klargestellt. Die übergeordneten Behörden mögen ihre Hausaufgaben machen. Denn weder könne die Stadt eine Umgehung bauen, noch lärmmindernden Asphalt verlegen oder die Zone mit dem Tempolimit erweitern. Auch könne die Stadt private Hauseigentümer nicht zu Lärmschutzverglasung verdonnern. Die Stadt könne nur in der Kreisbehörde und beim Landesamt drängen und werde das tun, verspricht Bürgermeisterin Barbara Lüke. Das betreffe auch den Vorschlag eines Bürgers zur Ampelschaltung am Wettinplatz. Die müsste verändert werden und dynamischer reagieren, damit sich nicht soviel Verkehr aufstaut und den Lärmpegel noch verstärkt.

Ortsumgehung wird neu geprüft

Trotz gedämpfter Erwartungen verspricht sich die Stadt diesmal mehr von der Lärmanalyse. Mit den konkreten Ergebnissen habe die Stadt etwas in der Hand, mit dem sich stärkerer Druck ausüben lässt, um die Situation zu verbessern, ließ Ordnungsamtsleiter Heiko Hirsch innerhalb der Debatte der vergangenen Wochen wissen. Zum Beispiel für eine Ortsumgehung.

Auf die spielt auch Isabel Siebert, die Sprecherin des Lasuv, an. Im Landesverkehrswegeplan gehört die Pulsnitzer Ortsumfahrung in der Tat zu den geprüften Neubauvorhaben. Sie ist dort mit einer Länge von 3,9 Kilometern angegeben. Allerdings ist die Umfahrung nicht in der höchsten Dringlichkeitsstufe eingeordnet und damit noch gar nicht in der Planung, so die Auskunft des Amtes. Noch schlimmer: Laut Plan soll überhaupt erst über die Trasse entschieden werden, wenn die neue S 177 von Pirna über Radeberg bis zum neuen A 4-Anschluss am Eierberg ihre volle Verkehrswirksamkeit entfaltet hat. Wird sich jetzt also über Jahre nichts tun? Zumindest eine Hoffnung gibt es. Der Plan werde derzeit überarbeitet. Dabei werde die Pulsnitz-Umgehung neu überprüft und eingeordnet, lässt Isabel Siebert wissen. Eines schließt sie in jedem Fall aus: Dass für die Zwischenzeit Flüsterasphalt auf die S 95 kommt. Der bringe nur auf Strecken etwas, wo hohe Geschwindigkeiten gefahren werden. Die Stadt macht aber im Entwurf des Lärmplanes auch auf den schlechten Zustand der Ortsdurchfahrt aufmerksam. Schon eine Sanierung könnte den Lärm dämpfen. Das schätzt auch das Landesamt selbst so ein. Wann die Asphaltmaschinen anrollen könnten bleibt aber offen. Es wäre überfällig, denn die Straße wurde laut Stadt zuletzt in den 1990er Jahren erneuert. Und die Dresdner Behörde schreibt selbst, dass das alle 12 bis 15 Jahre zu erfolgen sei.

Karin Bernhardt ist Sprecherin im Landesumweltamt. Sie unterbreitet noch einen anderen Vorschlag. So könnten Schallschutzfenster im Pulsnitzer Stadtzentrum die Belastung mindern. Es sei zu prüfen, ob der Freistaat die Kosten übernehmen kann, schlägt sie vor. Das sei durchaus möglich. So sieht sie in der Lärmkartierung auch keinen zahnlosen Tiger. Die Bedingungen für den Lärmschutz würden sich verbessern, wenn auch langsam. Dazu trage jetzt gerade der öffentliche Druck aus den Kommunen bei. Die müssten zusammen mit den zuständigen Behörden auf die Umsetzung hinwirken, ermuntert Karin Bernhardt.

Damit versucht es Ohorn schon länger. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Gegenüber der SZ ließ Isabel Siebert vom Lasuv wissen, die Behörde habe eine schalltechnische Untersuchung beauftragt. Geprüft werde, ob sich der Bund zu „freiwilligen Schallschutzmaßnahmen“ bereiterklärt. Allerdings würden die Grenzwerte beim Lärmpegel dafür sehr hoch liegen, räumt die Sprecherin ein und dämpft Hoffnungen gleich wieder: „Das Untersuchungsergebnis muss zunächst abgewartet werden“, sagt sie.

Der Pulsnitzer Entwurf des Lärmberichts liegt bis zum 8. Juni aus, so dass Bürger ihre Hinweise dazu noch geben können. Bis Mitte Juli muss der Aktionsplan beim Landesamt für Umwelt vorliegen.