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Was passiert mit Roßweins Ehrenfriedhof?

Das Denkmal muss nach einem Abkommen mit Russland erhalten bleiben. Eine Vertreterin der russischen Botschaft überlegt nun mit, wie das gehen kann.

Olga Titkova, Leiterin des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin (Dritte von links), hat sich am Mittwoch den Sowjetischen Ehrenfriedhof in Roßwein angeschaut. Dort muss mittelfristig i
Olga Titkova, Leiterin des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin (Dritte von links), hat sich am Mittwoch den Sowjetischen Ehrenfriedhof in Roßwein angeschaut. Dort muss mittelfristig i © Norbert Millauer

Roßwein. Gerade erst hat ein Bauhofmitarbeiter die Pflanzen der 20 Einzelgräber des Sowjetischen Ehrenfriedhofes an der Etzdorfer/Ecke Bergstraße gewässert, als dort ein Kleintransporter vorfährt. Aus dem steigt Olga Titkova, die Leiterin des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin.

Sie hat sich auf Einladung der Kommune nach Roßwein aufgemacht. Bürgermeister Veit Lindner (parteilos), sein zweiter Stellvertreter Peter Krause (Die Linke), Stadtrat Daniel Müller (CDU) und Bauhofchefin Monika Weigel wollen, dass auf diesem Ehrenfriedhof etwas passiert. 

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Doch bei diesem Areal handelt es sich nicht nur um ein Flächendenkmal, sondern auch um ein Grundstück, auf das die Regeln des Staatsvertrages von 1992 zutreffen, wie Peter Krause recherchiert hat. So einfach loszulegen, ist deshalb nicht möglich.

Außer dem Ehrenfriedhof in Roßwein gibt es noch mehr Gedenkorte: Im Zweiniger Grund wurde 1943 ein polnischer Zwangsarbeiter gehenkt. Er liebte eine Deutsche. Das war verboten.
Außer dem Ehrenfriedhof in Roßwein gibt es noch mehr Gedenkorte: Im Zweiniger Grund wurde 1943 ein polnischer Zwangsarbeiter gehenkt. Er liebte eine Deutsche. Das war verboten. © Heike Heisig
Mit diesem Stein wird an sieben Häftlinge des KZ-Buchenwald Außenlagers Colditz erinnert. Sie wurden 1945 auf dem Todesmarsch von SS-Angehörigen ermordet.
Mit diesem Stein wird an sieben Häftlinge des KZ-Buchenwald Außenlagers Colditz erinnert. Sie wurden 1945 auf dem Todesmarsch von SS-Angehörigen ermordet. © Norbert Millauer
Der Widerstandskämpfer Paul Rockstroh (geboren in Böhrigen) und Kurt Schmidt, die beide im KZ Sachsenhausen ums Leben kamen, wird in Roßwein ebenfalls gedacht.
Der Widerstandskämpfer Paul Rockstroh (geboren in Böhrigen) und Kurt Schmidt, die beide im KZ Sachsenhausen ums Leben kamen, wird in Roßwein ebenfalls gedacht. © Heike Heisig

Aber das wollen die Vertreter der Kommune auch nicht. Ihnen geht es darum, die Fläche in Ordnung zu halten und, wenn möglich, etwas pflegeleichter zu gestalten. Zu DDR-Zeiten hatten Angehörige verschiedener Roßweiner Betriebe die Pflege übernommen. Mittlerweile lastet dies und vieles andere mehr auf den Schultern des Bauhofteams. Unterstützungsangebote gibt es nur wenige.

Aber etliche Probleme: Die Einzel- und die beiden schmucklosen Gemeinschaftsgräber sind eingefasst, der Stein bricht hier und da aus. Zwei Metallsterne sind in den Boden eingelassen. Drinnen wächst häufig Unkraut, rundherum ist Rasen zu mähen – wenn der unter den alten Bäumen nicht vertrocknet, wie im Moment gerade.

 Außerdem gehören ein Obelisk, dessen Sockel bröckelt, sowie ein Gedenkstein für die Opfer eines Unfalls vom 23. Oktober 1945, wie Olga Titkova entziffern kann, zum Ehrenfriedhof. Was es genau mit den Unfallopfern auf sich hat, das will Peter Krause versuchen, mit den Heimatfreunden herauszufinden.

Letzte Ruhe für erschossene Kriegsgefangene

Insgesamt sollten die meisten der (Grab-)Steine gereinigt, die Inschriften nachgearbeitet und dadurch wieder leserlich werden.Außer den beiden Unfallopfern ruhen an dieser Stelle rund 50 sowjetische Kriegsopfer. 

Die meisten wurden 1957, als dieser Ehrenhain entstand, von Friedhöfen der Umgebung an diesen Hang am Stadtrand umgebettet. Aber auch Kriegsgefangene haben dort ihre letzte Ruhe gefunden, darunter zwei Männer, die im Steinbruch Berbersdorf erschossen worden waren.

Wie der Zaun, der das Grundstück umgibt und der zu großen Teilen mit Flechten überzogen ist, aufgearbeitet oder neu gestaltet werden kann, dafür hat Olga Titkova aus dem Stegreif keine Idee. Manches, was sich die Vertreter der Stadt vorstellen, hält sie für realisierbar, anderes schließt sie aus. Ein Projekt mit einer Zustandsanalyse und den nötigen Arbeiten, das würde sie sich auf ihrem Schreibtisch wünschen.

Peter Krause schwebt eine Renovierung des Areals in der Art vor, wie sie die Stadt Lommatzsch mit finanzieller Unterstützung der Landesdirektion bewältigt hat. Darum will sich das Quartett Lindner-Weigel-Krause-Müller nach dem Gespräch jetzt bemühen. „Das wird ein langer Weg“, denkt Monika Weigel.

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