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Was Polen zur Grenzkriminalität schreibt

"Deutscher Felsbrocken macht polnischen Dieben das Leben schwer". So heißt die Schlagzeile einer Reportage in der großen Tageszeitung "Republik".

Polens große Tageszeitung "Republik" - hier in der Internet-Version schreibt über die Grenzkriminalität in Ostritz.
Polens große Tageszeitung "Republik" - hier in der Internet-Version schreibt über die Grenzkriminalität in Ostritz. ©  Screenshot: SZ

Jerzy Haszczynski ist ein sehr bekannter Journalist in Polen. Der 52-Jährige arbeitet als Auslandskorrespondent der großen polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita", auf Deutsch "Republik" in Warschau. Für seine Reportagen hat Haszczynski schon Preise gewonnen. Er spricht auch sehr gut deutsch.

Vorige Woche war er zwischen Zittau und Görlitz entlang der Grenze unterwegs. Er wollte wissen, wie sich das deutsch-polnische Verhältnis in den letzten 20 Jahren verändert hat. Denn vor 20 Jahren, so hat er bei einem Kurzbesuch in der SZ-Lokalredaktion erzählt, sei er schon einmal in Zittau gewesen und habe über die Stadt berichtet. 

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Diesmal aber wird nichts über Zittau in seiner Reportage stehen. Seine Recherchen vor Ort haben den Journalisten offenbar auf einen anderen Focus gelenkt. Jerzy Haszczynski schreibt über Ostritz, dem Städtchen direkt an der Grenze, in dem es mit dem deutsch-polnischen Verhältnis gerade nicht zum Besten steht. Ausgangspunkt ist die Meldung "Diebe ziehen durch Ostritz" über eine nächtliche Diebstahlserie, die - der Zufall will es - am Tag seines Besuchs in der Sächsischen Zeitung stand.

"Deutscher Felsbrocken macht polnischen Dieben das Leben schwer", so titelt der Auslandsteil der "Republik" am vergangenen Sonnabend. Jerzy Haszczynski schreibt davon, wie die Ostritzer Stadtoberen den einzigen Weg blockieren, auf dem geklaute Autos nach Polen gebracht werden könnten. Und dass die Grenzkriminalität eines der Hauptthemen im sächsischen Landtags-Wahlkampf ist, den die radikale AfD gewinnen könnte. 

Haszczynski zitiert den Ostritzer Stadtrat Thomas Göttsberger, der sich freut, dass die Brücke nun von deutscher Seite mit dem Felsbrocken zumindest für Autodiebe unpassierbar geworden ist. Es sei "endlich ein Meilensteinchen" im Kampf gegen die Grenzkriminalität. Die Medien auf deutscher Seite der Grenze würden beinahe jeden Tag über Diebstähle über die Neiße berichten. Die Diebe kämen über diese Brücke und würden buchstäblich alles klauen, was ihnen gerade in die Hände fällt. "Nichts hat sich wirklich verändert seit der Zeit vor dem Schengener Abkommen, als die Polen nur als Autodiebe wahrgenommen wurden." Es sei seit Öffnung der Grenzen sogar noch schlimmer geworden.

"Die CDU wird von vielen Sachsen dafür verantwortlich gemacht, Polizeistellen liquidiert zu haben. Auch in Ostritz", zitiert der Journalist den Görlitzer AfD-Stadtrat Lutz Jankus. Haszczynski schreibt: "Seit der Wende hat die CDU in Sachsen stets die Mehrheit im Landtag besessen. Diesmal sieht es anders aus. Nicht wenige Polizisten sind frustriert und sympathisieren mit der AfD – ein Novum."  

Sein Bericht ist in Polen auf ein großes Echo gestoßen. Der Tenor der Leserkommentare im Internet: Durch die Diebstähle würde ein schlechtes Licht auf alle Polen fallen. Viele Leser distanzieren sich von der Kriminalität über die Grenze. Ein Leser schreibt: "Sie schädigt unser zivilisiertes Land."

Den polnischen Artikel sehen Sie hier.

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