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Was Riesa von den Nachbarstädten lernen kann

Mit Leerständen kämpft nicht nur die Riesaer Innenstadt. Ein Blick nach nebenan.

Von Jane Pabst

Dicht an dicht drängen sich Menschen auf dem Kopfsteinpflaster, hohe Kinderstimmen hallen über die Einkaufspassage, lärmende Musik dröhnt über der Szenerie - so gut gefüllt wie zur Automeile im Mai sieht man die Riesaer Hauptstraße selten. Auf Veranstaltungen wie diese setzen auch die Nachbarstädte. Wie ist es dort um die Innenstadt bestellt? Die SZ hakte nach.

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Kaum Leerstand in Oschatz

Über weniger als fünf Prozent Leerstand kann sich die Kreisstadt östlich von Leipzig freuen. „Die Innenstadt in Oschatz funktioniert bestens“, sagt die Stadtsprecherin Anja Seidel. Von den rund 120 Geschäften stehen nur wenige leer. Carola Schönfeld, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Oschatz e.V., erklärt das so: „Wir haben eine sehr schöne und attraktive Innenstadt mit inhabergeführten Läden.“ Gerade einmal zwei, drei Läden sind Filialen großer Ketten. „Bei uns wird der Kunde persönlich betreut. Hier kann man auch mal sein Herz ausschütten“, meint die Inhaberin des gleichnamigen Bastelstudios. Doch von ungefähr kommt dieser Erfolg nicht. „Wir müssen ständig daran arbeiten“, sagt die studierte Textiltechnologin. So sind die 68 Mitglieder der Werbegemeinschaft auf einer Internetseite gemeinsam vertreten, seit vier Wochen nutzt man das Soziale Netzwerk Facebook als Kundenbindungsinstrument und einige Händler führen zudem Onlineshops. „Aber die größte Herausforderung ist für uns demnächst, Nachfolger für die Läden zu finden“, so Carola Schönfeld.

Höchste Kaufkraft in Großenhain

Mit 84,9 Prozent triumphiert die Röderstadt nicht nur über Riesa, Meißen und Oschatz, sondern sogar über Sachsen. Der Freistaat weist einen Kaufkraftindex von 82,8 Prozent auf. Das heißt, dass 17 544 Euro pro Kopf im Jahr als Kaufkraft zur Verfügung stehen. „Ausschlaggebend für die Berechnung des Indexes sind das allgemeine Lohnniveau. Von den Einkünften aus selbstständiger und nicht-selbstständiger Arbeit, Transferleistungen, Sozialzuwendungen, EU-Zuschüsse werden hier die Steuern und Sozialabgaben abgezogen“, sagt Cornelia Lichtner, Pressesprecherin des Marktforschungsunternehmen GfK. Jährlich ermittelt es die Kaufkraft in Deutschland. Das verfügbare Einkommen, das jedem privaten Haushalt zur Verfügung steht, ist dabei ein wichtiger Indikator. Es rangiert im Landkreis Meißen mit 17 961 Euro ebenfalls über dem Sachsen-Durchschnitt von 16957 Euro. Besonders für Unternehmen auf Standortsuche ist die Kaufkraft eine interessante Größe. Um die Kaufkraft in der Stadt zu halten, verfügt Großenhain außer dem Kauflandstandort über keine Zentren auf der grünen Wiese. Stadtsprecherin Diana Schulze: „Mit dem Einzelhandelskonzept von 2008 gelang es, die Innenstadt als Haupteinkaufsbereich zu stärken, indem größere Neuansiedlungen auf der grünen Wiese verhindert wurden.“ Diese Bemühungen verdeutlichen Auszeichnungen wie 1A-Einkaufsstadt und zahlreiche Anerkennungen städtischer Gewerbetreibender als 1A-Fachhändler.

Kostenlos-Parken unbezahlbar

„Das kann man in Geld gar nicht aufwiegen“, sagt die Oschatzerin Carola Schönfeld und meint damit das kostenfreie Parken in der Innenstadt. Sie glaubt, dass der Erfolg der Kleinstadt sich auch darin begründet. Auch Großenhain verfügt mit 648 Parkplätzen über das größte Angebot an Gratis-Parkflächen.

„Im Zentrum ist es immer möglich, einen freien Parkplatz zu finden“, sagt Sprecherin Diana Schulze. Auch über die öffentlichen Verkehrsmittel ist die Stadt gut erreichbar. Ob Oschatz, Meißen oder Großenhain - alle Nachbarstädte berichten, wie sehr Veranstaltungen wie Bauernmarkt, Glühweinfest oder Weinfest tausende Sachsen in die Stadt locken. Und das funktioniert auch in Riesa bestens.