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Was sich nach dem Kutschen-Unfall ändert

Die Gemeinde Moritzburg hat mit Verkehrsbehörden und Polizei zehn Vorschläge für mehr Sicherheit geprüft.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

Noch immer untersuchen Experten, wie es zu dem folgenschweren Unfall kam, bei dem Mitte August auf der Radeburger Straße in Moritzburg ein Motorradfahrer und zwei Pferde starben. Unabhängig von dem Ergebnis sind sich Gemeinde, Kutschenunternehmer und Reiter einig, dass etwas passieren muss, um die Straßen in dem Tourismus- und Pferdeort sicherer zu machen. Und zwar für alle. Am Mittwoch waren Vertreter vom Landratsamt Meißen, der Polizei und dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach Moritzburg gekommen, um mit der Gemeindeverwaltung über Lösungen zu sprechen. Dabei ging es um zehn Vorschläge, die in einem Treffen formuliert worden waren, zu dem Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) vor vier Wochen die Pferde-Akteure des Ortes eingeladen hatte.

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„Wir sind in dieses Gespräch nicht als Bittsteller gegangen“, sagte der Bürgermeister danach zur SZ. „Wir hatten aber auch nicht die Position, alle unsere Vorstellungen durchknüppeln zu wollen.“ Einiges, so die positive Nachricht, kann in den nächsten Wochen verändert werden. Andere Vorschläge lassen sich rechtlich nicht umsetzen, was die Gemeinde auch akzeptiere. In einem Punkt gab es am Ende keinen Konsens.

Tafeln und Verkehrsschilder sollen auf Reiter und Kutschen hinweisen

Die Absicht der Gemeinde, Besucher schon an den Ortseingängen auf die besondere Situation in Moritzburg hinzuweisen, fand Zustimmung: „Pferdefreundliche Gemeinde – Achtung Kutschen und Pferde!“ könnte künftig auf von der Gemeinde aufgestellten Tafeln stehen. „Dafür müssen wir lediglich die Baugenehmigungen beantragen“, so der Rathauschef.

Sehr aufgeschlossen hätten sich die Behörden auch in einem weiteren Punkt gezeigt: Dem Aufstellen von Verkehrszeichen, die auf eine Gefahrenstelle hinweisen, versehen mit dem Zusatzschild „Gespanne“. „Allerdings werden wir das auf die Stellen beschränken, die tatsächlich unübersichtlich sind oder wo die Autofahrer nicht mit Kutschen und Reitern rechnen“, sagt Jörg Hänisch. So beispielsweise am Ochsenbruchweg, wo mitten im Wald nicht nur Kutschen, sondern auch ein Fernreitweg die Staatsstraße zwischen Moritzburg und Auer kreuzen. Eine Gefahrenstelle ist auch der Waldausgang Richtung Radeburg an der Torwiese. „Dort haben wir auch grünes Licht bekommen, zusätzlich einen Verkehrsspiegel anzubringen“, ergänzt der Bürgermeister. Das soll noch dieses Jahr passieren. Keine neuen Verkehrszeichen wird es dagegen an der Einmündung der Großen Fasanenstraße in die Radeburger Straße geben. Dort hat die Gemeinde Sträucher zurückschneiden lassen und damit die Sichtbehinderung beseitigt.

Kein Tempo 30 für Lkw, Umleitung für Autobahn soll aber verlegt werden

Dem Moritzburger Wunsch nach einem generellen Tempo-30-Limit für Lkw auf der Schlossallee und der Radeburger Straße folgten die Verkehrsbehörden und die Polizei nicht. Die vor ein paar Jahren komplett neu ausgebaute

Allee sei sicher für Fußgänger und Radfahrer. Das belege auch die Unfallstatistik. Zudem würden die Verkehrszahlen eine solche Einschränkung nicht rechtfertigen. Das gelte auch für die Radeburger Straße.

Hoffen kann Moritzburg dagegen in einem anderen Punkt. „Das Landratsamt hat bereits ein Verfahren angeschoben, um die Bedarfsumleitung für die Autobahn aus Moritzburg raus zu bekommen“, so Jörg Hänisch. Diese könnte künftig zwischen Radeburg und dem Dresdner Norden über die neue S 81 führen.

Noch keine Übereinstimmung gibt es bei der Forderung nach einem generellen Überholverbot auf der Radeburger Straße zwischen Schlosskreuzung und Torwiese. Die Behörden halten die jetzigen Reglungen für ausreichend, die Gemeinde will, dass vor allem im Wald, wo auch der Unfall passiert ist, noch nachgebessert wird. Entweder mit Sperrlinien oder Schildern.

Zugesagt haben Landratsamt und Polizei der Gemeinde dagegen verstärkte Geschwindigkeitskontrollen. Auch gegen das wilde Parken an der Radeburger Straße soll vorgegangen werden.

Separater Kutschenweg an Radeburger Straße wäre möglich

Mit einem Umbau des Fußweges auf der Gestütsseite zu einem Kutschenweg würde sich die Situation auf der Radeburger Straße entspannen, weil die Kutschen auf dieser dann nur noch in einer Richtung fahren würden.

Prinzipiell gab es dagegen von den Behörden keine Einwände. „Allerdings wären relativ lange Auf- und Abfahrten für die Gespanne erforderlich und auch die Regelbreite muss eingehalten werden“, sagt der Bürgermeister. Die Polizei habe zu bedenken gegeben, dass dann nur noch ein Fußweg zur Verfügung steht. „Der Ausbau würde zudem eine Menge Geld kosten. Der Ball ist jetzt also bei uns als Gemeinde.“