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„Was sollen wir noch tun?“

Immer wieder gibt es Bürgerbeschwerden über den Schießplatz in Weißwasser. Zu Unrecht, sagt der Schützenverein.

Heiko Slama, Präsident des Schützenvereins Weißwasser, auf der Schießbahn des Vereins. Hier trainieren die Mitglieder, hier finden auch die Wettkämpfe mit Gastschützen statt.
Heiko Slama, Präsident des Schützenvereins Weißwasser, auf der Schießbahn des Vereins. Hier trainieren die Mitglieder, hier finden auch die Wettkämpfe mit Gastschützen statt. © Sabine Larbig

Schon zu DDR-Zeiten gab es in der Muskauer Straße in Weißwasser einen Schießplatz. Damals wurde er von der Polizei und der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) genutzt. Als sich 1990 der Schützenverein Weißwasser gründete, übernahm er den Standort.

Seither hat sich viel verändert. Der Platz gehört zum Außenbereich des Bebaungsplans der Stadt Weißwasser und wurde entsprechend den gesetzlichen Vorgaben vom Schützenverein um- und ausgebaut. Immerhin hat der im Wettkampfbetrieb auf Kreis-, Land- und Bundesebene erfolgreiche Verein 120 Mitglieder, die auf dem Platz in Weißwasser trainieren, Wettkämpfe ausrichten und ihren Vereinssitz haben. Bis vor wenigen Jahren störte dies niemanden. Inzwischen sieht die Lage anders aus, wie erst kürzlich die Beschwerde einer Anwohnerin der Muskauer Straße bei der OB-Gerüchteküche zeigte. „Der Lärm ist manchmal unerträglich. Selbst in der Waldhausstraße hört man ihn. Man kann nicht auf der Terrasse sitzen. Es wäre schön, wenn mal eine Lösung gefunden werden könnte. Und wir müssten Schallschutz haben.“ Abgesehen davon, so die Bürgerin weiter, vermute sie, dass auf dem Platz auch mit sehr lauten Großkaliber-Waffen geschossen werde.

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Gutachten gibt dem Verein recht

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch kennt die Problemlage. „Es gibt viele Beschwerden, die wir alle an den Landkreis weitermelden. Aber der Schießplatz ist vom Kreis genehmigt“, so der Stadtchef.

Dies bestätigen Schützenverein-Präsident Heiko Slama und Schatzmeister Olaf Blasek gegenüber Tageblatt. „Wir wissen, es liegen Beschwerden bei Stadt, Kreis und Land vor“, so Präsident Heiko Slama. Erst vor vier Jahren habe der Verein jedoch erneut ein Schallschutzgutachten erstellen lassen. Da seien auch die genehmigten Schusszahlen zulässiger Waffen als Grundlage für erfolgte Lärm-Emissions-Messungen festgelegt worden. „Es gab drei Messpunkte im direkten Umfeld des Schießplatzes. Auf Grund der Beschwerden und nach Gesprächen mit Anwohnern, Oberbürgermeister und Stadtvertretern haben wir sogar die Schießzeiten angepasst“, so Slama weiter. Und dies, obwohl der Verein eine Genehmigung des Umweltamtes habe, wonach werktags von 7 bis 19 Uhr im Rahmen der genehmigten Schusszahlen geschossen werden dürfe. Genutzt werde der Platz aber nur von Montag bis Freitag von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr sowie sonnabends 9 bis 12 Uhr. Sonntags werde von 9 bis 12 Uhr ausschließlich im Kleinkaliber-Bereich geschossen. „Bei den Messungen durch ein vereidigtes Ingenieurbüro konnte der Schusslärm teilweise gar nicht registriert werden, weil der Straßenlärm ihn übertönte“, erinnert sich Heiko Slama.

„Abgesehen davon wird jeder Schuss in Schussbüchern dokumentiert. Auch Gastschützen müssen sich an die Vorgaben halten, die selbst bei Wettkämpfen gelten. Wir haben alle nötigen Gutachten und Genehmigungen. Alles, was wir auf dem Platz machen, ist gesetzeskonform. Trotzdem sind wir ständig Anfeindungen und Anzeigen ausgesetzt. Wir sind seit Jahren fester Bestandteil der Sportstätten und der Sportstättenplanung der Stadt Weißwasser, was uns auch immer wieder bestätigt wird“, meint Schatzmeister Blasek.

Schützenverein fordert Toleranz

Zudem, so Präsident Slama, habe man schon viel Geld in Umbau und verbesserten Schallschutz investiert und mache dies weiter. Auch eine Zutrittskontrolle sei eingeführt worden, damit die Einhaltung der Festlegungen nachverfolgbar und mit den Schussbüchern vergleichbar seien. „Was sollen wir noch tun? Und warum haben sich die Leute nicht schon früher beschwert, sondern erst seit etwa 2015?“. Was Aussagen betreffe, dass auch am Sonntagnachmittag auf dem Platz geschossen werde, dementiert er diese konsequent. „Aber hinter dem Platz ist auch ein Jagdrevier“, gibt Heiko Slama zu bedenken und setzt hinzu: „Bei allen Beschwerden sollte bedacht werden, dass wir Schützen immaterielles Kulturerbe sind, als Sportschützen Training und Wettkämpfe brauchen und im direkten Umfeld unseres Platzes auch Bundesstraße, Deponie und Bauhof sind, von denen ebenfalls Lärm- und Geruchsbelästigung ausgehen. Haben die Leute bei allem vielleicht einfach verlernt, etwas toleranter zu sein?“

Indes gab OB Pötzsch bei seiner Gerüchte-Küche den Rat, dass Bürger, die sich von Schießlärm belästigt fühlen, die Zeiten dokumentieren sollen. Damit könnten sie formlose Anzeigen bei der Emissionsschutzbehörde des Kreises stellen, die darauf basierend entsprechende Prüfungen oder Festlegungen einleiten könne. „Wir als Stadt können uns nicht über Genehmigungen hinwegsetzen“, erklärte Pötzsch.

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