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Was sucht die Bundeswehr im Wald?

Hitze und der Borkenkäfer setzen den Bäumen im Landkreis Bautzen zu. Jetzt kommt ungewöhnliche Hilfe.

Oberstabsgefreiter Tobias Sperling befreit einen Baum von der Rinde. 62 Soldaten der Bundeswehr helfen den Förstern in Sachsens Wäldern, gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Tobias Sperling ist einer derjenigen, die im Forstbezirk Neustadt zum Einsatz kommen
Oberstabsgefreiter Tobias Sperling befreit einen Baum von der Rinde. 62 Soldaten der Bundeswehr helfen den Förstern in Sachsens Wäldern, gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Tobias Sperling ist einer derjenigen, die im Forstbezirk Neustadt zum Einsatz kommen © René Plaul

Bautzen. Wer in den kommenden Tagen in Bautzens Wäldern unterwegs ist, sollte sich nicht erschrecken, wenn plötzlich ein Soldat der Bundeswehr im Weg steht. Sicher, es ist kein typischer Einsatzort für die Uniformierten – und doch: „Wir sind von frühmorgens bis zum Abend hier im Wald unterwegs“, erzählt Hauptfeldwebel Sven Schubert am Donnerstag bei Fischbach zwischen den Bäumen. Gemeinsam mit fünf anderen Soldaten wird er hier die kommenden Tage werkeln – in ungewöhnlicher Mission.

Er und seine Kameraden werden sachsenweit Bäume fällen, markieren und ihre Rinde entfernen. Mit dabei Kettensägen und Pflanzenschutzmittel. Die Soldaten sollen den Förstern helfen, gegen den starken Borkenkäferbefall vorzugehen.

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Um dem Schädling den Kampf anzusagen, bekommen die Soldaten an diesem Donnerstagmorgen im Wald einen langen Holzstab mit einer Art Hobel daran in die Hand gedrückt: ein sogenanntes Schäleisen. Mit diesem sollen die Bundeswehr-Soldaten bereits gefällte Bäume entrinden, damit die Käferlarven austrocknen und sich nicht mehr weiterentwickeln können.

Fernsehen filmt Einsatz

Vorerst werden die Soldaten, die hier in der Region eingesetzt werden, nur im zwischen Radeberg und Stolpen gelegenen Forstbezirk Neustadt, konkret im Revier Fischbach, aushelfen. Das gab die Pressestelle des Landeskommandos Sachsen der Bundeswehr bekannt. Ob es darüber hinausgehen wird, ist noch unklar. Weil dem Einsatz ein Hilfe-Gesuch des Freistaats vorausging, helfen die Bundeswehrsoldaten nur im Staatswald aus. Allein der Einsatz mit 62 Soldaten insgesamt in Sachsen über einen Zeitraum von etwa drei Wochen kostet einen niedrigen sechsstelligen Betrag, gab Sachsenforst-Pressesprecher Renke Coordes bekannt.

Das bedeutet nicht, dass andere Teile des Waldes im Kreis Bautzen weniger betroffen sind. Aber im Forstbezirk Oberlausitz, der sich über Großteile des Kreises Bautzen erstreckt, gibt es etwa 35 000 Waldbesitzer, der Wald gehört überwiegend Privatleuten. Und die müssten für einen solchen Einsatz nicht nur unter einen Hut gebracht werden, sondern im Zweifel auch selber dafür aufkommen.

Die Borkenkäferplage in den Wäldern in nahezu ganz Europa wird derzeit als so schlimm eingeschätzt, wie schon lange nicht mehr. Am Donnerstag interessierte sich deshalb selbst das tschechische Fernsehen für den ungewöhnlichen Einsatz gegen den Käfer.

Auch im Kreis Bautzen ist die Lage schlimm. Ganze Waldflächen, auf denen einst Fichten wuchsen, mussten gerodet werden. Im vergangenen Borkenkäferjahr, das von Juni bis Mai andauert, verursachten die Schädlinge 90 000 Festmeter Schadholz im Kreis Bautzen. Im Jahr zuvor waren es etwa 3 000 – und schon damals galt der Befall als groß. Auch für dieses Jahr gibt es bereits düstere Prognosen. Bis Mitte Juli waren schon wieder 9 000 neue Festmeter Schadholz angefallen.

Todesurteil für Fichten

Schuld an der Misere sind die vielen Stürme und die langen Trockenheitsphasen, die es in den vergangenen Sommern immer häufiger gab und die Bäume geschwächt haben. Die Fichten hatten nicht mehr genug Kraft, um Harz zu bilden – und somit die Buchdrucker- und die Kupferstecher-Borkenkäfer abzuwehren, die sich durch die Rinde von vor allem dieser Baumart fressen. Sie zerstören dabei die Nervenbahnen der Bäume – das Todesurteil für teilweise an die hundert Jahre alte Fichten.

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Besonders stark haben sich die Käfer in den vergangenen Jahren auch deshalb verbreitet, weil sie durch die für sie günstige Witterung eine ganze Käfergeneration mehr ausbilden konnten als üblich. Ein Käferweibchen zeugt um die 100 000 Nachkommen in einem Jahr – die Zahl der Tiere stieg rasant. Mit dem Entrinden der Bäume wollen Förster und Bundeswehr das rasante Heranwachsen der vielen Nachkommen unterbinden – in letzter Minute. Denn sind die Larven erst einmal ausgewachsen und schwärmen selber aus, ist es zu spät. Dann bohren sich die Weibchen in den nächsten Baum – und zeugen selber ein Vielfaches an Nachkommen.

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