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Was tun, wenn die Mutter zum Pflegefall wird?

Alt werden – aber wie? Die Experten im SZ-Telefonforum geben Antworten auf Leserfragen und viele gute Tipps.

© gms

Von Jana Ulbrich

Alt werden – aber wie? Mit der Frage hat sich die SZ in den vergangenen Wochen in einer Serie beschäftigt. Ein Telefonforum zum Abschluss gab diese Woche allen Lesern Gelegenheit, ganz persönliche Fragen zum Thema loszuwerden. Sie konnten direkt an die Experten gestellt werden: An den SZ-Telefonen saßen Regina Creutz, Fachberaterin für Pflegeleistungen bei der AOK Plus, Hannes Köhler, Sozialplaner beim Bautzener Landratsamt und Frank Gollmann, Gutachter beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Hier die wichtigsten Antworten im Überblick:

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Unsere Experten am SZ-Telefon: Frank Gollmann vom MDK, Regina Creutz von der AOK Plus und Hannes Köhler vom Landratsamt Bautzen. Foto: Ronald Bonss
Unsere Experten am SZ-Telefon: Frank Gollmann vom MDK, Regina Creutz von der AOK Plus und Hannes Köhler vom Landratsamt Bautzen. Foto: Ronald Bonss © momentphoto.de/bonss

Unsere Mutter hat Pflegestufe II. Bisher hat unser Vater sie gepflegt. Nun musste er für unbestimmte Zeit ins Krankenhaus. Zurzeit decken wir die Pflege mit Urlaub und Freistunden ab. Aber diese Möglichkeiten sind begrenzt. Wir wollen unserer Mutter auch gerne den Wunsch erfüllen, in der eigenen Wohnung bleiben zu können. Was können wir tun?

Als kurzfristige Lösung können Sie erst einmal eine Kurzzeitverhinderungspflege in Anspruch nehmen. Die muss bei der Pflegekasse beantragt werden und wird bei einer Pflegestufe auch über die Kasse finanziert. Damit wäre die Pflege aber nur für eine Anfangszeit abgedeckt. Sie sollten deshalb dringend eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen. Ein Pflegeberater der Kasse kommt kurzfristig zu Ihnen nach Hause und bespricht mit Ihnen alle in Ihrem Fall infrage kommenden Möglichkeiten. Die Pflegeberatung kann jederzeit in Anspruch genommen werden. Sie wird von allen Kassen angeboten und ist kostenlos.

Es gibt gesetzlich auch die Möglichkeit, selbst eine Auszeit vom Job für die Pflege zu nehmen. Angehörige haben das Recht, sich für eine Zeit von bis zu sechs Monaten von der Arbeit freistellen zu lassen oder in Teilzeit zu arbeiten. Diese Möglichkeit wird in Sachsen aber kaum genutzt, weil die Auszeit unbezahlt ist.

Meine Mutter hat Demenz und sollte tagsüber nicht mehr allein zu Hause bleiben. Welche Angebote gibt es im Kreis speziell für Demenzerkrankte?

Am besten bietet sich da eine Tagespflege an. Im Landkreis gibt es 15 anerkannte Tagespflegeeinrichtungen, die alle auch auf die Betreuung und die Bedürfnisse Demenzerkrankter spezialisiert sind. Sie können sich direkt an die Einrichtungen wenden und Ihre Mutter anmelden. Die Zahl der Tagespflegeplätze im Kreis ist allerdings begrenzt. Es kann passieren, dass man nicht sofort einen Platz bekommt und auf einer Warteliste eingetragen wird. Es ist auch möglich, die Tagespflege nicht die ganze Woche über, sondern nur an einzelnen Tagen in Anspruch zu nehmen.

Es gibt auch niederschwellige Betreuungsangebote für den häuslichen Bereich, die individuell vereinbart werden können. Hilfe und Alltagsbegleitung kommen da vor allem von Vereinen, aber auch von privaten Pflegediensten. Sie können seit diesem Jahr für diese Hilfe auch Geld über Ihre Pflegekasse beantragen. Über Angebote und Möglichkeiten in Ihrer Nähe können Sie sich bei den Pflegeberatern der Kassen oder im Internet informieren, zum Beispiel in der Datenbank des Sächsischen Sozialministeriums unter:

www.pflegenetz.sachsen.de

Wir haben gehört, dass es seit Anfang dieses Jahres auch eine Pflegestufe 0 gibt. Wer bekommt die?

Seit dem 1. 1. 2013 können Versicherte, die noch nicht pflegebedürftig sind, aber durch eine beginnende Demenzerkrankung bereits eine eingeschränkte Alltagskompetenz haben, ein monatliches Pflegegeld und Sachleistungen zur Pflege erhalten. Das Pflegegeld beträgt für die Stufe  0 monatlich 120 Euro, für Sachleistungen gibt es monatlich 225 Euro. Von dem Geld können Hilfen im Alltag bezahlt werden.

Wir möchten in der Wohnung unserer Eltern ein Notrufsystem installieren. Bekommen wir dafür Zuschüsse?

Ja. Notrufsysteme sind ein anerkanntes Hilfsmittel.

Künftig werden mehr Pflegeplätze gebraucht. Kann der Landkreis darauf Einfluss nehmen?

Leider nicht. Der Landkreis kann zwar den Bedarf analysieren, selbst neue Einrichtungen bauen, kann der Kreis aber nicht. Er kann den Neubau auch nicht mehr fördern. Das Angebot ist allein Sache privater Träger und Investoren.

Wir wollen bei unseren Eltern einen Treppenlift einbauen lassen. Bezahlt den die Kasse?

Ja, aber nur bei Vorliegen einer Pflegestufe und – pro Pflegebedürftigem im Haushalt – bis zu einer Höhe von 2557 Euro. Wenn Ihre Eltern beide eine Pflegestufe haben, dann gäbe es einen Zuschuss von maximal 5 114 Euro. Der Zuschuss wird bis in diese Höhe übrigens für jede einzelne Maßnahme im Wohnumfeld gewährt, die dazu dient, das Leben und die Mobilität in den eigenen vier Wänden zu erleichtern und zu erhalten, so beispielsweise auch für den Einbau von Wannenliften oder Duschhilfen, die Beseitigung von Schwellen oder die Verbreiterung von Türen. Die Zuschüsse müssen bei den zuständigen Kassen beantragt werden.

Die Pflegeheime im Kreis bekommen vom Medizinischen Dienst fast nur beste Noten. Schaut man sich die Benotungen im Internet an, findet man fast nur Einsen. Sind die Einrichtungen wirklich alle gleich gut?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Ob eine Einrichtung gut oder schlecht ist, wird sehr subjektiv empfunden. Jeder legt da auf andere Kriterien Wert. Auch die Noten sagen das insgesamt nicht aus. Sie beschreiben lediglich, ob die jeweilige Einrichtung bestimmte Kriterien erfüllt oder nicht. Es gibt einen ganzen Kriterienkatalog. Die Ergebnisse werden dann in den Schulnoten zusammengefasst. Es stimmt, dass das fast immer gute Noten sind. Die Kriterien zu erfüllen, heißt, einen Mindeststandard zu erfüllen. Der Landesdurchschnitt liegt bei den Heimen bei 1,1, bei den ambulanten Pflegediensten bei 1,3. Sie sollten sich auf jeden Fall immer selbst ein Bild von der Einrichtung machen.

Ich habe Grund, mich über die Qualität im Pflegeheim, in dem mein Vater lebt, zu beschweren. An wen kann ich mich mit einer Beschwerde wenden?

Sie können Ihre Beschwerde an die Pflegekasse, an den Medizinischen Dienst oder an die Heimaufsicht beim KSV-Sachsen richten. Das ist auch anonym möglich. Die Pflegekasse muss jede Beschwerde prüfen und der Angelegenheit nachgehen.