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Was tut sich auf dem Keulenberg?

Unterm Funkturm soll umgebaut werden für ein Sozialprojekt. Die Stadt Pulsnitz lehnt das ab. Hoffnung gibt’s für den Imbiss.

© Reiner Hanke

Von Reiner Hanke

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Oberlichtenau. Gastronomisch tut sich momentan nichts auf dem Oberlichtenauer Keulenberg. Der Imbiss ist dicht. Das liegt nicht nur an der Winterpause. Der Kiosk-Betrieb war zuletzt immer mit der Baude verknüpft. Aber die gibt es nicht mehr. In das vormalige Restaurant ist nach dem Besitzerwechsel 2015 ein Sozialprojekt eingezogen: die pädagogisch-therapeutische Wohngruppe im „Haus Keulenberg“. Jugendliche mit Suchtproblemen sind die Zielgruppe – das private Gipfelgrundstück eingezäunt.

Verrammelt: der Kiosk „Goldene Wurzel“ auf dem Keulenberggipfel.
Verrammelt: der Kiosk „Goldene Wurzel“ auf dem Keulenberggipfel. © Archivfoto: Matthias Schumann

Doch nun lässt ein Bauantrag aufhorchen. Den stellte der Eigentümer des Grundstücks – Jan Heimpold aus Dresden. Mit dem Sozialprojekt hängt offenbar auch der Bauantrag zusammen. Es geht um ein Gebäude im hinteren Bereich des rund 25 000 privaten Quadratmeter-Areals. Dort stehen ein Telekom-Funkturm und ein Mehrzweckbau. In dem hatte in der jüngeren Vergangenheit der Keulenbergverein sein Domizil. Zeitweilig befand sich hier auch die Gipfelgaststätte nach der politischen Wende 1989/90 in der DDR. Dieses Gebäude möchte der Eigentümer gern wieder nutzbar machen. Die Pläne sind schon detailliert und wurden jetzt im Technischen Ausschuss der Stadt diskutiert.

Erschließung wird geprüft

In das Gebäude sollen nach den aktuellen Vorstellungen ebenfalls Jugendliche einziehen. Dazu ist ein Umbau notwendig. So sollen nach den Informationen von Kay Kühne, dem Leiter des Baufachbereiches in der Stadtverwaltung, im Erdgeschoss auf gut 200 Quadratmetern acht Einraumwohnungen für junge Leute entstehen. Dort sollen sie sich auf das selbstständige Leben vorbereiten. Im Dachgeschoss sind auf 160 Quadratmeter unter anderem ein Gemeinschaftsraum und Sanitäreinrichtungen geplant: „So wie man sich das Leben unter jungen Leuten vorstellt“, sagt Kay Kühne. Rein planungsrechtlich sei das durchaus zulässig, schätzt die Stadt ein. Sie sieht aber auch erhebliche Probleme. Ganz so einfach sei diese neue Nutzung mit jungen Leuten nicht umzusetzen. Die Stadt habe geprüft, wie das Grundstück erschlossen ist. Die Trinkwasserversorgung, Abwasserkanäle, Stromversorgung gehören dazu. Die Stadt habe auch bei den Versorgern die Einschätzung abgefragt. Strom und Abwasserentsorgung seien insofern gesichert. Der Trinkwasserversorger habe aber klargestellt, dass kein ausreichendes Wasserangebot zur Verfügung stehe, um den Verbrauch in acht Wohnungen zu decken. Der Versorger könne den Plänen deshalb aus seiner Sicht nicht zustimmen.

Problem Brandschutz

Ein zweiter Problemkreis ist der Brandschutz. Dabei geht es um die Löschwasserversorgung. Ob die gesichert ist, das ist momentan zumindest unklar. Über eine Zisterne soll wohl der Löschwasserbedarf gedeckt werden. Deren Zustand sei nicht bekannt. Denn die Feuerwehr habe keinen Zugang. Bemühungen darum seien bisher nicht erfolgreich gewesen. Die Stadt habe mehrfach eine Lösung eingefordert. Es geht wohl um einen für die Feuerwehrleute zugänglichen Schlüsselkasten. Unklar sei derzeit auch, über welches Löschsystem der Telekombereich verfüge. Auch das müsste erst in die Gesamtbeurteilung des Vorhabens einbezogen werden.

Alles in allem seien das keine unlösbaren Aufgaben. Mit einem Brunnen oder Pumpen könnte zum Beispiel die Trinkwassersituation verbessert werden. Derzeit sei aber zuviel unklar. Die Stadt könne die Pläne nur ablehnen. Ansonsten sei sie am Ende selbst in der Pflicht, auf eigene Kosten für die nötige Erschließung zu sorgen, gibt Kay Kühne zu bedenken. Das will die Stadt ausschließen. Auf dem eigenen Gipfel-Grundstück gibt es genug Baustellen. Im Fokus steht dabei auch die Imbissversorgung in der „Goldenen Wurzel“ dem Gipfelkiosk. Der befindet sich auf dem kommunalen Pulsnitzer Gipfelareal und wäre derzeit die einzige gastonomische Versorgungsmöglichkeit. Für den Kiosk bedeutete das neue Konzept für das Ex-Restaurant als Sozialprojekt ebenfalls das Aus. Zunächst hatte der neue Eigentümer des Privatareals angekündigt, sich um die Wurzel zu kümmern. Daraus wurde bisher nichts. Die Stadt verlor mit dem Besitzerwechsel 2015 zugleich den Zugang zu dem kommunal finanzierten Sanitärgebäude. Das wurde nach der Wende schlicht auf dem falschen Grundstück errichtet, beim Privatnachbarn. Im Nachgang des Verkaufs vor gut drei Jahren räumten Kommunalpolitiker ein, die Kommune habe den Zug mehrfach verpasst, auf die Entwicklung des Privatareals Einfluss zu nehmen. Das wirkt sich nun auch auf die städtische Seite aus.

Initiative für „Goldene Wurzel“

Nun gibt es in Oberlichtenau die Initiative von einigen Leuten, die wieder Leben in den städtischen Kiosk bringen wollen. Im Rathaus rennt die Initiative damit offene Türen ein: „Die Initiatoren um Herrn Berke sind ja schon als engagiert bekannt“, sagt Bürgermeisterin Barbara Lüke. So freue sie sich sehr über die Initiative. Die Stadt werde die Bürger natürlich unterstützen. Das Bauamt ist derzeit damit beschäftigt, die technischen Voraussetzungen für den Wurzel-Betrieb zu klären. Dabei geht es um die Medien, die wohl teilweise mit dem Privatbereich verwoben sind. Das wäre zu entflechten, bevor sich die Wurzel selbstständig entfalten kann. Dabei geht es vor allem ums Trinkwasser. Auf dem Berg gehe es jetzt darum, das Gebäude zu sichern, damit es nicht verfalle. Darum sei man im Rathaus froh, jetzt einen Ansprechpartner vor Ort in Oberlichtenau zu haben, dem der Imbiss am Herzen liegt, der anpacken will. Es gebe damit die Chance, mit dem Kiosk schneller voranzukommen.