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Was uns der Schlachtruf sagen will

Heute beginnt die närrische Hochzeit. Jeder Klub hat einen speziellen Ruf. Was der bedeutet, weiß oft kein Mensch.

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Von Ina Förster

Ab heute sind wieder die Narren los. Mit der Weiberfastnacht startet auch im Kamenzer Land bei vielen Klubs ein mehrtägiger Feier-Marathon, der seinesgleichen sucht. Die meisten Vollblut-Karnevalisten nehmen dann sogar Urlaub, denn anders übersteht man die vielen Umzüge, Abendveranstaltungen und Zamper-Touren gar nicht. Und immer dabei –  der Schlachtruf! Mit diesem kommunizieren befreundete Narren auch mal über mehrere Hundert Meter Entfernung miteinander. Zur Begrüßung oder um jemanden hochleben zu lassen, sind sie optimal. Doch woher kommen die oftmals abenteuerlichen Schlagworte überhaupt? Wir haben nachgeforscht:

Kamenz führt Lessing im Namen

Die Kamenzer Karnevalisten haben es sich relativ einfach gemacht bei ihrer Gründung vor 27 Jahren. Und auch dem zuhörenden Publikum. Leka – Helau steht natürlich für „Lessingstadt Kamenz – Helau“. Das hat vor Ort einen hohen Wiedererkennungswert und geht ins Ohr. Und die Gäste rufen es gern und laut mit. Das passt!

Königsbrück hat‘s mit Gendarmen

Tschako Hopp! Was für ein Schlachtruf! Er klingt schon etwas militärisch und vor Jahren war darum schon einmal eine rege Diskussion entbrannt. Vor allem, wenn jemand dazu zackig seinen rechten Arm nach oben riss, konnte es brenzlig werden. Dabei gibt es eine einfache Erklärung für das Ganze: Ein Königsbrücker Bürger hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Honoratioren-Stammtischrunde seine kleinen Zauberkunststückchen vorgeführt und das Erfolgsergebnis mit dem Ruf „Tschako“ (im Sinne der Kopfbedeckung der Gendarmen) und Hopp (Hut Hoch und sehet!) vorgezeigt. Das haben die Narren des KCC vor 41 Jahren übernommen. Ein sehr prägnanter Ruf! Hut ab – ääh, hoch!

Pulsnitz kürzt sich selber ab

Pukava – Schau! Schau! Darin stecken aller Logik her die Anfangsbuchstaben des Heimatortes Pulsnitz sowie der Begriff Karneval – stark zusammengefaltet. Außerdem klingt es gut, wenn man es laut vor sich hin schreit. „Pukava“ ist eine Marke. Im 39. Jahr seines Bestehens ist der Klub diesmal in Weißbach zu Gast, was dem fröhlichen Treiben keinen Abbruch tut. „Schau! Schau!“ ist dann vermutlich auch eine Aufforderung für alle: Seht her – wir geben nicht auf …

Oberlichtenau liebt es exotisch

Buddha! Hu! Das ist doch mal originell! Seinen Ursprung hat der Schlachtruf der Oberlichtenauer Narren bereits im Jahr 1955. Da lautete das allererste Motto nämlich „Im Reich des Maharadscha“. Hier entstand auch der seltsame Schlachtruf, der im Thema erklärt scheint. Der Olika feiert übrigens aktuell seine 60. Saison. 80 Mitglieder im Alter von 10 bis 62 Jahren sind im Verein dabei. Hu! Und toll!

Lichtenberg winkt sächsisch ab

Ein „Dreifaches Ä-scha!“ wird bei den Lichtenberger Narren seit 1958 gerufen. Tausende Male erklang der Schlachtruf seitdem. Bis heute weiß allerdings keiner so recht den Ursprung dessen. Es existiert zwar eine Bilderchronik, aber mehr nicht. Laut sächsischem Vokabelbuch ist „Äscha“ zwar eine Verneinung. Aber das kann im Fall von Grolika ja nicht sein. Karneval ist bejahend – lebensbejahend!

Laußnitz spiegelt seine Heimat wider

Lauka Helau! Das ist wiederum einmal sehr eindeutig! Der Anfang des Ortsnamens war sicher ausschlaggebend für die Schlachtruf-Wahl. Seit 1955 herrscht hier regelmäßig närrischer Ausnahmezustand vom 11.11. bis Aschermittwoch. Vor allem aufs Tanzen verstehen sich die Laußnitzer!

Schmorkau bleibt rätselhaft

Hello Trio! Was will uns der Dichter damit sagen? So richtig weiß das niemand. Ist es nun vom umgangssprachlichen „Holdrio“ oder „Hallodri“ (beides bedeutet leichtlebiger Mensch) abgeleitet und im Lauf der Zeit einfach mit einem Ausrufezeichen vervollständigt worden? Logisch wäre es, denn Narren sind nun einmal fröhliche, leichtfüßige Wesen. Fakt ist, dass der Klub schon 1971 zusammenfand und man seitdem fast immer ausverkauft ist. Das kann nicht jeder von sich behaupten.

Wendischbaselitz ist pragmatisch

WCV – Helau! Das reimt sich, das geht ins Ohr! So sehen das auch die Wendischbaselitzer Narren in ihrer 44. Saison. Mehr steckt sicher nicht dahinter.Auf ein Wort