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Was von 2011 übrig blieb

Ein nicht ganz ernst gemeinter Rückblick auf die Höhen und Tiefen der letzten zwölf Monatein der Röderstadt.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Was ist nur aus den Großenhainern geworden? Ganz einfach! Sportskanonen mit Baumspendefimmel und Preuskerscher Bildung. Was blieb ihnen auch anderes übrig bei den Großereignissen, die ihre Heimatstadt in diesem Jahr heimsuchten. Sturm und Wasser hatten sie überstanden. Nun nahmen sie sich ein Bürgerzentrum, den Stadtpark und den großen Sohn Großenhains zur Brust. Nach dem Motto: Mach´s mit, mach´s nach, mach´s besser für mehr Grün im schönen Park, wo man so viele Bücher lesen kann...

Die Riesaer oder Meißner wussten es ja schon immer: Die Großenhainer sind größenwahnsinnig! So wie einst Asterix und Obelix gegen Cäsar. Sie luden sich vor fast zehn Jahren eine Landesgartenschau auf. Dann muteten sie sich in den elf Jahren seit 2000 auch noch Investitionen von fast 130 Millionen zu, mehr als 70 Millionen Euro davon Fördermittel. Und nun wollen sie 2014 auch noch den Tag der Sachsen! Dagegen ist doch jedes Sportevent an der Elbe, sind der Wein und das Porzellan und erst recht eine Bundesgartenschau ein Klacks.

Künftig wieder Könige der Lüfte?

Doch von den Großenhainern lernen, heißt siegen lernen. Dessen sind sich die Kleinstädter als ehemals russische Garnison gewiss. Da muss man sich nur mal die MIG-Bunker am Flugplatz anschauen. Von nah und fern kamen auch in diesem Jahr wieder Gäste, um zu staunen, wie von hier aus der Luftraum erobert wurde. Mal sehen, was für ein großer Fisch noch fürs Industriegebiet Flugplatz anbeißt. Vielleicht sind wir auch künftig wieder die Könige der Lüfte?

Aber mal ganz im Ernst: Wer wird schon so schnell wiedergeboren wie die Großenhainer? Da kommt doch kein Buddhist nicht mit. Kaum fielen die Bäume zu Pfingsten 2010 wie Streichhölzer auf den Boden, schon ist die ganze Stadt wieder aufgeforstet. Kaum stand hier das Wasser bis zur Hüfte, da wurden schon meterhohe Spundwände in die Deiche gerammt, damit eine Flut künftig keine Chance mehr hat. Anderswo auf der Erde braucht man dafür 100Jahre – oder schafft es nie – um so etwas hinzukriegen.

Heimlich wissen wir doch aber, wo die sichere Quelle unseres Erfolges sprudelt. Natürlich mit unserem heißen Draht ins Jenseits. Pardon, in den Himmel selbstverständlich. Wer erhielt sich über Jahrhunderte weg einen stabilen Kirchenbezirk, der weit übers Stadtgebiet hinausragte? Wer war zum diesjährigen deutschen Kirchentag ein besonders eifriger Quartiergeber? Wer hatte jahrzehntelang einen engagierten Kirchenmusikdirektor, nach dem man sich anderswo die Finger lecken würde? Natürlich die Großenhainer! Noch Fragen?

Eine feste Burg ist unser ... Oberbürgermeister. Der vielleicht künftig nicht mehr im Rathaus residiert, sondern in einem Palais, wie einst der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. Eine schöne Aussicht. Wackerbarth und Graubart – Bürgermeister T.H. – regieren das Land, das von der Königsbrücker Heide bis an die Gohrischheide reicht. Mit reichem Wildbestand, hauptsächlich Wölfen. Aus dem ganzen Sachsenlande kommen sie Anfang September 2014, um das Wunder an der Röder zu suchen wie einst den Heiligen Gral. Oder den Stein der Weisen. Hätte Preusker das je gedacht, dass die wahren Schätze nicht unter der Erde liegen, sondern just vor der Nase?