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Was vor hundert jahren in der Zeitung stand

13. Juli Eine „sehr rege Bauthätigkeit“ herrscht in diesem Jahr in Großschönau. Fast überall entstehen neue Häuser, zum Teil mit umfangreichen Geschäftsräumen. „Auch der Bau einer größeren Villa nahe der Fabrik der Fa.

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13. Juli

Eine „sehr rege Bauthätigkeit“ herrscht in diesem Jahr in Großschönau. Fast überall entstehen neue Häuser, zum Teil mit umfangreichen Geschäftsräumen. „Auch der Bau einer größeren Villa nahe der Fabrik der Fa. Fabian & Krause dürfte in nächster Zeit in Angriff genommen werden.“

Eine „harmlose Aufklärung“ hat der letzte Fahrraddiebstahl in Oberoderwitz gefunden: „Versehentlich war das Rad von einem angeheiterten Mann, der glaubte, sein eigenes vor sich zu haben, bestiegen worden.“

In Neugersdorf ist der Schul-Neubau soweit fertig, „daß mit der Aufstellung des Dachgebälkes begonnen worden ist und das Hebefest Ende nächster Woche abgehalten werden kann“.

14. Juli

Gewarnt wird vor einem „Schwindler“, der unter dem Namen „Starke aus Bernstadt“ auftritt und Bestellungen auf „Miniatur-Photographien“ entgegennimmt. „Derselbe läßt sich die Bilder nebst Postporto voraus bezahlen, ohne daß die Besteller jemals die bezahlten Bilder erhalten.“In einem Teich bei Reichenberg wurde die Leiche des hiesigen Fleischermeisters R. aufgefunden. Der 26-Jährige hatte sich aus der väterlichen Wohnung entfernt und war zu seiner in Harzdorf wohnenden Geliebten gegangen; seitdem fehlt jede Spur. „Immerhin war R. der Sohn wohlhabender Eltern“.

15. Juli

Die Mitglieder des Oybiner „Radfahrer-Vereines“ unternahmen mit „ihren Damen“ einen gemeinsamen Spaziergang zum Forsthaus Nr. 6. „Für freien Trunk ist ein namhafter Betrag aus der Vereinskasse bewilligt worden.“

In Seitendorf ist die Dorfstraße für den Fahrverkehr wegen „Aufbringung von Massenschutt und Abwalzung“ vorübergehend gesperrt worden.

Im Pocheteich ertränkte sich der 21-jährige Geschäftsgehilfe T. aus Großschönau. „Der junge Mann erfreute sich seines stillen, bescheidenen Wesens wegen allgemeiner Beliebtheit; vermuthlich hat er die That in Schwermuth begangen.“

16. Juli

Tot aufgefunden wurde in Spitzkunnersdorf in einer Scheune Wilhelm F.; allgemein bekannt als „Radau-Wilhelm“, und in Kemnitz ist das zweijährige Söhnchen des Mühlenbesitzers Dittmann in den Dorfbach gefallen und ertrunken. „Schon am Tage vorher war das Kind ins Wasser gefallen, konnte aber noch rechtzeitig gerettet werden“.

Einen „üblen Fall von Grenzplackerei“ erlebten zwei Damen aus Neugersdorf auf dem Rückweg von Rumburg, als sie von zwei österreichischen Zollbeamten auf dem Rad verfolgt und befragt wurden. Als sie erklärten, dass sie außer einigen Würstchen als Wegzehrung nichts bei sich führten, wurden sie im Zollhaus einer „hochnothpeinlichen Untersuchung bis auf die Haut“ unterzogen. „Die über solche Behandlung äußerst aufgeregten Damen fanden schließlich bei einem Vorgesetzten mehr Einsicht. Nach Feststellung des Gewichts der Würstchen erklärte dieser den Proviant für Reisende als zollfrei“.

18. Juli

In Oberoderwitz wurde eine Kellnerin in Haft genommen. „Die flotte Hebe“ steht in Verdacht, in Löbau einem Herrn beim „trauten Zusammensein“ einen größeren Geldbetrag aus der Hosentasche entwendet zu haben. Außerdem wurde hier nahe dem Bahnhof im Straßengraben ein Fahrrad gefunden, in dessen Satteltasche sich eine „Radfahrkarte“ für Herrn Hiekmann aus Walddorf befand. „Wie das Rad in den Graben kam, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.“

Im Kretscham von Oberleutersdorf fand eine Generalversammlung des hiesigen „Konsum-Vereines“ mit einer Aussprache „über den diesjährigen Bezug von Kohlen“ statt. Außerdem wurde beschlossen, demnächst das 40-jährige Bestehen des Vereines „in besonderer Weise“ zu feiern.

19. Juli

In Oberseifersdorf ist beim Kirschenpflücken der „Gartenauszügler“ Weinhold „tödtlich“ verunglückt. „Er fiel von der unsicher angelegten Leiter herab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er bald darauf eine Leiche war.“

In Zittau ist der Theaterdirektor Karl erkrankt und musste sich in der Klinik von Dr. Dreyzehner einer Operation unterziehen. „Diese selbst ist zwar gut verlaufen, doch kann man bei dem nicht gerade günstigen Allgemeinbefinden des Patienten ernsthafte Befürchtungen leider nicht von der Hand weisen.“

20. Juli

Ein „Volksbad“ wird in Niederoderwitz der hiesige Fabrikbesitzer W. Glathe neben seiner Fabrik errichten. Auch ist bereits mit der Renovierung der Kirche begonnen worden; „zugleich wird eine Halle für den neuen Leichenwagen gebaut, der am 1. September hier eintrifft und der hiesigen Gemeinde geschenkt wird“

. „Erhängt aufgefunden“ wurde in Neugersdorf der 25-jährige Bauaufseher P. in einem Zimmer der „Feldschänke“, wo er logiert hatte. „Liebesangelegenheiten sollen die Ursache der That bilden“. (mo)

Quelle: Christian-Weise-Bibliothek Zittau, Wissenschaftlicher Altbestand