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Was vor Hundert Jahren in der Zeitung stand

Ein „nachahmungswertes Vorgehen gegen das Denunziantentum“ hat der Gemeindevorstand von Schönau mit folgendem Wortlaut angekündigt: „Um dem neuerdings sich häufenden Unfug anonymer Eingaben zu begegnen, mache ich hiermit bekannt, daß auf anonyme Schriftstücke, Anzeigen usw.

1. November

Ein „nachahmungswertes Vorgehen gegen das Denunziantentum“ hat der Gemeindevorstand von Schönau mit folgendem Wortlaut angekündigt: „Um dem neuerdings sich häufenden Unfug anonymer Eingaben zu begegnen, mache ich hiermit bekannt, daß auf anonyme Schriftstücke, Anzeigen usw. in keinem Fall etwas verfügt wird. Wird jemand in der Eingabe denunziert, so erhält der Denunzierte die Eingabe zugeschickt, damit er weiß, daß er in seiner Umgebung stille Feinde hat; in allen anderen Fällen wandert das anonyme Schriftstück in den Papierkorb!“

„Plötzlich die Sprache verloren“ hat in Ebersbach, Ortsteil „Am Schlechteberg“, ein zwölfjähriges Mädchen. Es war in der Schule über etwas erschrocken und konnte plötzlich keinen Laut mehr von sich geben. „Durch eine ärztliche Untersuchung wurde eine Lähmung der Stimmbänder festgestellt.“

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Bürger trifft Wissenschaft: auf ein Bier mit Julia Gabler
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Sie wollen wissen, was die Wissenschaftler der Hochschule Zittau/Görlitz so treiben? Die Soziologin und Initiatorin der Plattform F wie Kraft verrät es Ihnen.

2. November

Eine „Erweiterung des Straßenbahnverkehrs“ vom Bahnhof Zittau-Vorstadt in das Stadtinnere soll ab nächstem Sommer erfolgen, „da erfahrungsgemäß zur Sommerzeit nach Ankunft der letzten Abendzüge aus Oybin und Jonsdorf an dieser Haltestelle sehr starker Verkehr herrscht, ohne daß eine Fahrgelegenheit nach dem Stadtinneren besteht“. „Zurückgekehrt“ ist auch die Bahnhofsuhr am Hauptbahnhof.

3. November

„Gegen ausländische Sparkassen“ sind jetzt vonseiten der Regierung Maßnahmen eingeleitet worden; weil vor allem viele Sparkassen an der sächsisch-böhmischen Grenze mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Nicht allein, dass der Umgebung weitere Anleger fehlen, sondern viele sächsische Sparer ihr Geld zu böhmischen Sparkassen schaffen, weil diese 1 Prozent mehr Zinsen zahlen und zudem zwecks Erleichterung deutsche Postscheckkonten errichten. Wirtschaftlich werden auch die sächsischen Gemeinden schwer geschädigt, weil sie die vielen „Sachsengänger“ nicht zu Steuern heranziehen können. „Auf vielfache Beschwerden hin hat die Regierung beschlossen, ausländischen Sparkassen die Postscheckkonten zu entziehen!“

4. November

Während einer „Alarmübung“ der Freiwilligen Feuerwehr in Löbau ereignete sich in der Mühlenstraße ein schwerer Unfall: Ein Handwerkerbursche, der in der „Verpflegungsstation“ kein Unterkommen mehr gefunden hatte und eilig die Straße überschreiten wollte, „geriet unter den daher eilenden Leiterwagen der Feuerwehr und wurde so schwer verletzt, daß er in das städtische Krankenhaus eingeliefert werden mußte“. Ein „warmes Frühstück“ wird in Hirschberg für Volksschüler, die bedürftig sind und denen die häuslichen Verhältnisse die Einnahme einer warmen Morgenmahlzeit nicht gestatten, mit Beginn der rauen Jahreszeit auch in diesem Jahr wieder gespendet werden; „es besteht aus einem Töpfchen Milchsuppe“.

5. November

Ein „Bahnidyll“ ereignete sich kürzlich in Zwickau i. B. Ein Zug, der ausnahmsweise voll besetzt nach Röhrsdorf fuhr, hatte seine Kräfte überschätzt. „Als die Strecke stark bergan führte, kam das Zügele nicht weiter; alle technischen Kunstgriffe des Lokführers und alle ermunternden Zurufe der Fahrgäste brachten den Zug nicht vorwärts. Auch der Versuch eines Mädchens, das zwar keine Blumen, dafür aber Sand auf die Schienen warf, half nichts … Der Anschluss in Röhrsdorf aber musste erreicht werden und da konnte nur ein radikales Mittel helfen“: Der Zug wurde geteilt und erleichtert fuhr die Maschine nach Röhrsdorf; dann mit Volldampf zurück und bald war auch der „Extrazug“ aus dem Tale heraufgeholt

6. November

Zu einem „Akt der Selbsthilfe“ haben die Mitglieder der hiesigen Schuhmacherinnung gegriffen, als wieder einmal ein auswärtiges Wanderlager durch große Inserate den Verkauf einer Waggonladung Schuhwaren zu „Masseneinkaufspreisen“ ankündigte … Sie errichteten neben dem Verkaufslokal des Wanderlagers bei „Stadt Prag“ kurzerhand zwei Verkaufsstände mit der Aufschrift „Hier ist der Riesen-Ausverkauf reeller Schuhwaren zu billigen Preisen!“ – „Daß der Erfolg auch diesmal nicht ausblieb, braucht kaum versichert zu werden!“ (mo)

Quelle: Christian-Weise-Bibliothek Zittau,

Wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Altbestand