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Grünes Gewölbe: Was wir über den Kunstraub wissen

Nach dem spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden gibt es viele offene Fragen. Was wir wissen - und was nicht.

Ein Screenshot des Überwachungsvideos zeigt wie einer der Täter mit einer Axt die Vitrine im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes zerschlägt. Als Zeit ist kurz vor 4.58 Uhr angegeben, die Aufnahme dauert 31 Sekunden.
Ein Screenshot des Überwachungsvideos zeigt wie einer der Täter mit einer Axt die Vitrine im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes zerschlägt. Als Zeit ist kurz vor 4.58 Uhr angegeben, die Aufnahme dauert 31 Sekunden. © Screenshot SZ

Wie lief die Tat ab?

Bekannt ist: Am frühen Montagmorgen konnten bislang unbekannte Täter in das Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes in Dresden eindringen. Sie beschädigten ein Fenstergitter, zerschlugen die Scheibe und klettern in den Pretiosensaal. Durch das Wappenzimmer gelangten sie in das Juwelenzimmer, in dem die wertvollsten Schmuckstücke aus der Sammlung August des Starken ausgestellt sind.

Sie gingen zielstrebig zu einer dreiteiligen Vitrine, zertrümmerten das Sicherheitsglas mit einer Axt und nahmen die Beute an sich. Sie verließen den Raum wieder durch das Fenster und flüchteten mit einem Audi A6. Der ganze Einbruch dauerte nur wenige Minuten. Anschließend fuhren sie nach Dresden-Pieschen, wo sie das Auto in einer Tiefgarage abstellten und anzündeten. 

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Das Sicherheitspersonal der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) bemerkte den Einbruch durch mehrere Alarme. Wegen der Brutalität des Einbruchs entschieden sich die Sicherheitsleute nicht einzuschreiten, sondern einen Notruf abzusetzen und auf die Polizei zu warten. Das geschah um 4.59 Uhr. Auch ließen sie das Licht im Raum gelöscht, wodurch die Täter nach Aussage der SKD weniger Schmuckstücke fanden. Die Polizei kam zwar wenige Minuten später an, doch da waren die Diebe bereits geflohen. 

Unbekannt ist: Unklar ist, wie die Täter flüchteten, nachdem sie ihr erstes Fahrzeug in Brand gesteckt hatten.  Wie sie überhaupt in die, nur mit einem Schlüssel zugängliche, Tiefgarage hineinfahren konnten, ist ebenfalls offen. Am Dienstag blieb der Einsatz eines Spürhundes, eines sogenannten Mantrailers, erfolglos.

Geprüft wird außerdem weiterhin, ob der Stromausfall auf dem Theaterplatz, ausgelöst durch ein Brand in einer Stromverteilungsanlage der Augustusbrücke, durch die Diebe initiiert wurde. Aus diesem Grund fiel die Straßenbeleuchtung aus und die Täter konnten von Kameras und Passanten unbemerkt einsteigen.

Der Leiter der Sonderkommission, Olaf Richter, sagte außerdem: "Insgesamt sprechen die Umstände für eine vorbereitete und zielgerichtete Tat." Es ist noch offen, ob und inwiefern Insider an der Tat beteiligt waren. Doch die Art des Einbruchs legt das nahe, heißt es aus Sicherheitskreisen. 

Was wurde gestohlen?

Bekannt ist: Bei der Beute handelt es sich um Teile von zwei Diamantgarnituren und einer Brilliantgarnitur aus dem Besitz August des Starken. Das Ausmaß des Diebstahls ist jedoch deutlich kleiner als zunächst angenommen. Fußschnallen und Hofdegen etwa seien nicht in die Reichweite der Diebe gekommen.

Auch wertvolle Stücke der Garnitur der Königin und der Perlen der Königin blieben am Tatort zurück, darunter auch die „unfassbar wertvolle Perlenkette aus sächsischen Süßwasserperlen“. Die könnte jedoch anderweitig Schaden genommen haben: Die Diebe haben versucht, ihre Spuren mit einem Löschpulver zu verwischen. Das könnte die Perlenkette nachhaltig beschädigt haben.

Diese Schmuckstücke sind verschwunden.
Diese Schmuckstücke sind verschwunden. © SKD/dpa

Verschwunden sind die große Brustschleife und das große Collier. Auch die Diamantrautengarnitur, die am wenigsten wertvolle der drei Ensembles, sei fast vollständig abhanden gekommen. Bei den gestohlenen Garnituren handelt es sich um den „sächsischen Staatsschatz des 18. Jahrhunderts“, sagte Direktorin Marion Ackermann.

Unbekannt ist: Völlig unklar ist noch, was die Diebe mit der Beute vorhaben. Die Stücke sind unter Kunstsammlern zu bekannt, um sie einfach auf dem freien Markt anzubieten. Den schlimmsten Fall skizziert SKD-Chefin Marion Ackermann: Um zumindest den Wert der Materialien in Geld umzusetzen, könnten die Diebe die Steine aus den Colliers herausbrechen und die Goldfassungen einschmelzen. Dann wäre der Wert als Ensemble zwar dahin, wertvoll bleiben die Materialien aber weiterhin.

Wer sind die Täter?

Bekannt ist: Über die Täter weiß die Polizei bislang wenig. Sie arbeitet eng mit Kollegen aus Berlin zusammen, weil sie hier Parallelen zu anderen Kunstdiebstählen vermutet. Außerdem liegt es nah, dass die Täter relativ klein und schmächtig gewesen sein müssen, weil das Fenster, durch das sie in das Grüne Gewölbe gelangten, sehr schmal ist. Es sollen zwei Täter eingestiegen sein, ob und wie viele Komplizen sie hatten, ist unklar.

Laut Polizei gibt es mehrere Aufnahmen von Überwachungskameras. Doch durch den Ausfall der Straßenbeleuchtung seien die vom Außenbereich weitgehend wertlos. Vom Inneren des Grünen Gewölbes gebe es Aufnahmen, die derzeit von der Polizei ausgewertet werden.

Unbekannt ist: Herkunft, Motiv, Anzahl und Geschlecht der Täter. Die Polizei hält sich bedeckt. Das könnte Ermittlungstaktik sein.

Waren die Juwelen ausreichend geschützt?

Bekannt ist: Sowohl das Fenster, als auch die Vitrine bestanden laut Dirk Syndram, Museumsdirektor des Grünen Gewölbes, aus dickem Sicherheitsglas. Außerdem waren die Stücke mit mehreren Stichen festgenäht. Als das Glas mit einer Axt eingeschlagen wurde, sei darüber hinaus Alarm ausgelöst worden.

Ackermann sprach von einem „sehr komplexen“ Sicherheitssystem im Residenzschloss. „Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden“, sagte die Museumschefin. Das Sicherheitskonzept werde nun erneut gecheckt. „Es muss sicher geprüft werden, wie die Sicherheit noch gesteigert werden kann.“

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Es ist Vorschrift, dass das Sicherheitspersonal Einbrecher nicht selbst stellt, sondern die Polizei ruft. Zwischen Notruf und Ankunft der ersten Streife vergingen laut Polizei gerade einmal sechs Minuten. Das war trotzdem genug Zeit für die Täter, um zu fliehen.

Unbekannt ist: Fraglich ist, wie es den Einbrechern so leicht möglich sein konnte, das Sicherheitsglas von Fenster und Vitrine zu zertrümmern. Hier besteht Aufklärungsbedarf.

Zwei Diebe haben wertvolle Juwelen aus dem Grünen Gewölbe gestohlen und konnten anschließend fliehen. 
Zwei Diebe haben wertvolle Juwelen aus dem Grünen Gewölbe gestohlen und konnten anschließend fliehen.  © Sebastian Kahnert/dpa