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Wirtschaft

Was wird aus dem Osten?

Der Frust darüber, dass die Ost-Länder im Vergleich zum Westen nicht weiter aufholen, greift zu kurz, findet SZ-Kommentatorin Annette Binninger.

1989 war mehr Begeisterung im deutsch-deutschen Getümmel. Heute regiert eher Unzufriedenheit.
1989 war mehr Begeisterung im deutsch-deutschen Getümmel. Heute regiert eher Unzufriedenheit. © dpa/SZ-Montage

Ganz neu ist die düstere Voraussage der 136 Wirtschaftsprofessoren nicht. Immer wieder haben Experten darauf aufmerksam gemacht, dass der „Aufholprozess Ost“ noch lange dauern wird. Stets haben sie die Menschen, die hier leben, ein wenig ratlos damit zurückgelassen, in gewisser Weise auch hingehalten. Denn eine Prognose ist das eine, die Alltagserfahrung das andere. Selten kam jedoch die Ansage von Experten, dass die wirtschaftliche Angleichung an den Westen auch in Jahrzehnten nicht zu schaffen sein wird, so ernüchternd wie diese.

Mancher Politiker wird es dennoch reflexartig abtun – weil das Glas eben doch immer halbvoll sein muss, besonders kurz vor Wahlen. Dabei ist es längst Zeit für ein neues Ziel und vor allem für die Abkehr von lähmenden, ständigen Ost-West-Vergleichen. Sie machen unzufrieden, führen zu nichts oder verlocken gar zu postsozialistischer Gleichmacherei. Kurzum: Der Blick zurück trägt selten auf dem Weg in die Zukunft.

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Was fehlt, ist auch in Sachsen die ehrliche Auseinandersetzung mit der Zukunft. Was trägt diesen Teil von Deutschland künftig ökonomisch? Was kann das Land? Wie können die Menschen davon leben? Angesichts sinkender Steuereinnahmen, versiegender Fördermittel aus Brüssel und dem Kohle-Ausstieg mit all seinen Verwerfungen in der Lausitz muss sich auch Sachsen dieser Frage entschiedener stellen, statt sich in alten Ost-West-Frage- und Vergleichsmustern zu verlieren, die mehr lähmen als voranbringen.

E-Mail an Annette Binninger