merken
PLUS

Was wird aus Schloss Döberkitz?

Jahrzehntelang wurden in dem Gutshaus behinderte Menschen betreut. Nun baut die Diakonie für sie ein neues Wohnheim in Bautzen. Doch eine Frage bleibt.

© Uwe Soeder

Von Nicole Preuß

Die Bäume um Schloss Döberkitz sind schon fast kahl. Braun, gelb, orange, rot. Die Blätter liegen verstreut auf dem grünen Parkboden. Idyllisch liegt Schloss Döberkitz auf der kleinen Anhöhe zwischen Göda und Bloaschütz. Noch ist das Haus ein Wohnheim für geistig behinderte Menschen. 36 Männer und Frauen leben hier. 15 Mitarbeiter kümmern sich um sie.

Zoo Dresden
Tierisch was erleben
Tierisch was erleben

Welche spannenden Neuigkeiten gibt es bei Pinguin, Elefant und Co.? Wer wird Tier des Monats? Hier können Sie abstimmen und erfahren mehr über die tierischen Bewohner des Zoo Dresden.

Doch bald werden alle umziehen. Die Grundplatte ihres neuen Hauses auf der Neusalzaer Straße ist bereits fertig. Der Rest wird folgen. Im Januar 2015 wird das Diakoniewerk Oberlausitz das neue Heim mit 40 Plätzen eröffnen. Dann werden auch die Döberkitzer Männer und Frauen in den Neubau an der Bundesstraße ziehen. Der Döberkitzer Heimleiter Uwe Höhmann und die Bewohner werden vor allem die Ruhe und Idylle des Schlosses vermissen. Aber die Vorteile der neuen Lösung überwiegen. So arbeitete das Heim in Döberkitz schon seit Längerem nur mit Ausnahmegenehmigungen. „Der zweite Rettungsweg fehlt, es gibt keinen Fahrstuhl und auch die Sanitäreinrichtungen sind nicht behindertengerecht“, sagt Uwe Höhmann. Ein Umbau des alten Schlosses ist schwer möglich. Schon weil nach der neuen Heimmindestbauverordnung gefordert wird, dass die Zimmer der Bewohner eine bestimmte Größe und Ausrichtung haben müssen. „Das können wir hier einfach nicht umsetzen“, sagt der Heimleiter. Eine Rolle spielen dabei auch die Auflagen des Denkmalschutzes.

Der Neubau hat da Vorteile, weil er nach den neuen Anforderungen gebaut wird. „Gerade für uns Mitarbeiter bietet er auch eine Arbeitserleichterung“, sagt Höhmann. Zum Beispiel bei der Pflege von älteren Menschen. Zurzeit sind die meisten Bewohner zwar zwischen 40 und 50 Jahren. Aber auch zwei Rentner leben in dem Wohnheim. „So gesehen ist der Neubau natürlich auch eine Investition in die Zukunft.“ Zudem hat Bautzen mehr Möglichkeiten. Kultur und Weiteres bietet die Kreisstadt. In Döberkitz sind die Männer und Frauen immer auf den Fahrdienst angewiesen. Auch wenn sie zur Arbeit in die Werkstatt des Diakoniewerks auf die Bautzener Edisonstraße fahren. Doch was aus Schloss Döberkitz wird, wenn die Bewohner ausgezogen sind, ist noch unklar.

Jahrzehntelang wohnten in dem Gutshaus behinderte Menschen. 1982 war es nach einem umfassenden Umbau als Wohnheim eröffnet worden. Vorher diente es als Erntekindergarten. Nach Kriegsende lebten hier auch Umsiedler, die sich dann teilweise am Fuß des Schlosses niederließen. Doch schon vorher hat das Gut eine lange Geschichte. 1535 wurde es in Zusammenhang mit einem Heinrich von Haugwitz Neukirch und Dobritz zum ersten Mal erwähnt. Mitte des 18. Jahrhunderts besaß es auch schon mal der Bautzener Stadtapotheker. Rund um das Haus liegt ein weitläufiger Park mit großen Bäumen, einem Wasserlauf und Feldsteinmauern.

Das Diakoniewerk hat verschiedene Möglichkeiten geprüft. Doch eine Verwendung findet es für das Schloss nicht mehr. Deshalb will es das Ensemble, das es vom Kreis gepachtet hat, wieder zurückgeben. Das Landratsamt gibt sich bei dem Thema wegen laufender Verhandlungen bedeckt. Ehe man sich nicht mit dem Diakoniewerk geeinigt habe, könne man dazu nichts sagen, erklärt Sprecher Gernot Schweitzer. Und so bleibt vorerst unklar, wer in zwei Jahren die roten, gelben und orangefarbenen Blätter vom Parkboden recht.