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Trauung heute, Feier im nächsten Jahr

Das Gespräch mit Standesbeamten und Partyveranstaltern zeigt: Die Corona-Beschränkungen haben auch das Heiraten verändert.

Seit Beginn der Corona-Beschränkungen wurden im Großenhainer Standesamt 20 Paare getraut. Viele mit einem zeitlichen Plan B für die Hochzeitsfeier.
Seit Beginn der Corona-Beschränkungen wurden im Großenhainer Standesamt 20 Paare getraut. Viele mit einem zeitlichen Plan B für die Hochzeitsfeier. © Anne Hübschmann

Großenhain. Die rauschende Hochzeitsparty mit 120 Gästen wird wohl dieses Jahr nicht mehr möglich sein. Gerade erst haben sich Bund und Länder geeinigt, die Kontaktbeschränkungen bis zum 29. Juni zu verlängern. Das heißt, gemeinsam feiern dürfen nur bis zu zehn Personen oder die Angehörigen zweier Hausstände. 

Wer nicht ohnehin geplant hat, die Trauung im allerengsten Familienkreis stattfinden zu lassen, steht vor der Frage, wie lange er die Hochzeit verschieben soll. „Etliche Paare wollen die ursprünglich im März oder April geplante Trauung nun im September stattfinden lassen“, erklärt die Schönfelder Standesbeamtin Micaela Gabrisch. Ein sonniger Spätsommertag kann sicher eine ebenso reizvolle Hochzeitskulisse abgeben wie die ersten Frühlingswochen.

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Allerdings bleibt dann das Risiko, dass größere Feiern nach wie vor nicht stattfinden dürfen. Für die Trauungs-Zeremonie auf dem Standesamt hingegen ist kein Teilnehmer-Maximum festgelegt. Hier richtet sich die Zahl der erlaubten Gäste nach den örtlichen Gegebenheiten, also danach, wie der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann und ob die Belüftung ausreicht.

Ins Hochzeitszimmer des Großenhainer Standesamtes zum Beispiel dürfen die Brautpaare 20 Personen mitbringen. Von Amts wegen habe keine einzige Trauung ausfallen müssen, verlautet aus dem Rathaus. Allerdings verschoben viele Heiratswillige den Termin wegen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen von sich aus. Eine Pflicht zum Maske tragen gibt es bei der Trauung natürlich nicht. „Es sei denn, die Hochzeitsgesellschaft wünscht das ausdrücklich“, so Standesbeamtin Micaela Gabrisch aus Schönfeld.

Dass sie dem Brautpaar ohne Handschlag zu seinem Lebensbund gratuliere, sei schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber natürlich machbar. Die Gratulation der Gäste wiederum finde aus gegebenem Anlass im Freien statt, auch der sonst übliche Sektempfang im Schönfelder Schloss ist abgesagt.

Günstig für spontanes Heiraten

„Viele meiner Kunden haben die Hochzeit aufs nächste Jahr verschoben“, sagt Maria Schönfelder vom Festmodengeschäft White Dreams in Zabeltitz. „Man weiß ja nicht, ob noch ein zweiter Lockdown kommt.“ Andere wiederum ließen sich zwar trauen, aber verlegten die Hochzeitsfeier aufs nächste Jahr. „Da gibt es dann natürlich eine zweite Anprobe und möglicherweise ein paar Änderungen am Brautkleid“, erklärt die Zabeltitzerin.

Günstig wirke sich die Corona-Krise auf diejenigen aus, die sich ganz spontan zum Heiraten entschließen. Durch die vielen Terminverschiebungen haben die Hochzeitsausstatter momentan freie Kapazitäten. Für diese sind die Pandemie-Beschränkungen natürlich eine wirtschaftliche Belastung. Aber Soforthilfe habe sie noch nicht beantragt, sagt Maria Schönfelder. „Als Selbstständiger sollte man schon einen Notgroschen haben.“ Außerdem habe ihr das zweite Firmenstandbein, die hauseigene Nassreinigung, über die Runden geholfen.

Für Partyveranstalter wie Thomas Krause ist die Situation frustrierend. Um die 40 Hochzeitsfeiern richtet er jedes Jahr mit seiner Schützenhaus-Eventgroup in der Großenhainer Mückenschänke und auf Schloss Schönfeld aus. „Die Leute sind unsicher geworden, und das schlägt natürlich auf die Stimmung durch“, sagt Krause. Eine Party mit einem knappen Dutzend Feiernden und anderthalb Metern Mindestabstand sei nun mal keine Party.

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Ja, und natürlich wollen die Gäste bei so einem Anlass tanzen. Durch die Ungewissheit, ob und wann wieder größere Veranstaltungen stattfinden dürfen, sei die Zahl der Bestellungen für dieses Jahr schon ziemlich abgeschmolzen. Einige Paare hätten sich zwar entschlossen, statt mit 70 Gästen nur mit den Eltern zu feiern. Aber das helfe dem gebeutelten Eventbereich nicht wirklich. Bloß nicht zu viele Gedanken daran verschwenden und nach vorn schauen, so das Credo von Thomas Krause. „Und hoffen, dass es uns stärker macht.“

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