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Dresden

Was wird da in der Neustadt gesprüht?

An der Bautzner Straße entsteht in diesen Tagen ein gigantisches Gemälde. Manche der Motive sind wahre Rätsel.

Motiv für Motiv entsteht in diesen Tagen die „Heimatgalerie“ an der Hauswand in der Bautzner Straße 55.
Motiv für Motiv entsteht in diesen Tagen die „Heimatgalerie“ an der Hauswand in der Bautzner Straße 55. © Marion Doering

Klack, Klack, Klack. Immer wieder fallen leere Spraydosen vom Gerüst hoch oben nach unten auf den Boden. Knapp 1.000 solcher Dosen werden die Künstler an einer Häuserwand an der Bautzner Straße 55 bis kommenden Montag versprühen. Entstehen soll ein gigantisches Bild, das künstlerisch umgesetzte Symbole für die sächsische Heimat zeigen wird. Die Frauenkirche ist dabei, klar, die Semperoper, aber auch Karl Marx, das Völkerschlachtdenkmal und der Schwibbogen aus dem Erzgebirge.

Hinter der Aktion steckt die Biermarke Radeberger, die in einer Aktion namens „Like My Heimat“ Menschen in ganz Ostdeutschland aufgerufen hat, typische Dinge zu nennen, die sie mit ihrer Stadt oder ihrer Region verbinden. Hunderte beteiligen sich im Internet. Viele dieser Ideen übersetzte das Thüringer Künstlerduo Capstan und Tulip (Richard Goepel und Kai Siegel) anschließend in viele kleine Kunstwerke, die sich nun bald passend an vier Häuserwänden in Erfurt, Rostock, Magdeburg und Dresden in einer „Heimatgalerie“ wiederfinden werden.

Das mit 420 Quadratmetern größte dieser sogenannten Murals zaubern der Dresdner Künstler Slider (Sebastian Girbig) und seine Urban-Art-Crew „Bandits“ gerade an die Wand an der Bautzner Straße. 110 Liter Fassadenfarbe sind bereits aufgetragen. Nun sprayen sie hier zu fünft jeden Tag bis zu zehn Stunden, bis der Zeigefinger schmerzt. Nur wenn es regnet, müssen die Künstler pausieren, damit die Farbe auch haften bleibt. Einige tragen Schutzmasken. Höhenangst scheint angesichts der bis zu 25 Meter hohen Gerüstebenen keiner von ihnen zu haben.

Leon Schmidt sprüht das „Qua(r)kkeulchen“. 
Leon Schmidt sprüht das „Qua(r)kkeulchen“.  © Marion Doering

Bis zur Fertigstellung am kommenden Montag wird das Motiv noch durch das Gerüst verdeckt, doch schon jetzt ist zu sehen: Groß in der Mitte des Bildes posiert – natürlich – ein Braumeister mit einer Flasche Bier. Einige der Motive ringsherum sind bereits fertig, andere nur in den Grundrissen erkennbar. Auch richtige Rätsel aus Wortspielen haben die Künstler einfließen lassen. Was könnte zum Beispiel ein Frosch bedeuten, der auf einer Hühnerkeule sitzt? Die Antwort: ein Quak-Keulchen! Ein Hund mit Pudelmütze auf einem Teller wird so zum Kalten Hund. „Es war großartig“, sagt Tulip. „Vor allem das ständige Gedanken-Ping-Pong und das Um-die-Ecke-Denken.“

Nach seiner Fertigstellung wird das Wandbild bis Mitte August zu sehen sein. Dann soll an gleicher Stelle ein „freies“ Kunstwerk folgen – finanziert durch das Geld, das nun die Brauerei in diese Aktion steckt. Positiver Nebeneffekt: Anders als an den umliegenden Häuserfassaden, dürften sich an dieser Wand die illegalen (und in der Regel weniger kreativen) Graffiti demnächst in Grenzen halten.

www.likemyheimat.de

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